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Norddeutsche Rundschau

20. Oktober 2017 | 18:44 Uhr

Gesundheit : Zufrieden leben – auch mit Krebs

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zwei Mal wurde Michael Hollerith wegen eines Tumors in der Blase operiert, jetzt gründet er eine Selbsthilfegruppe

shz.de von
erstellt am 23.Feb.2016 | 12:21 Uhr

Die Diagnose war ein Schock. „Ich dachte, das ist eine Krankheit, die nur alte Männer bekommen, aber doch nicht ich“, sagt Michael Hollerith (47). Doch der Befund seines Urologen vor rund vier Jahren war eindeutig: „Sie haben einen großen Tumor in der Blase, ich mache Ihnen mal einen Termin im Krankenhaus.“ Danach ging alles schnell: Aufnahme, Operation, Reha.

Und dann?

„Dann war ich allein“, sagt Michael Hollerith. Es sei nicht leicht gewesen, mit der Diagnose Blasenkrebs zu leben. „Ich war oft niedergeschlagen und depressiv – und ich wollte auch gar nicht mehr zu den Kontrolluntersuchungen gehen.“ Doch gerade die seien sehr wichtig für die Patienten. Um anderen das zu vermitteln, will Hollerith eine Selbsthilfegruppe in Itzehoe gründen, die sich an Betroffene von der ganzen Westküste richtet. Ein Vortrag im Klinikum Itzehoe soll den Startschuss dafür geben (siehe Hinweis unten). „Die Tipps und die Gespräche, die es in so einer Gruppe gibt, sind mit Geld nicht zu bezahlen“, sagt der Kremperheider.

Gespräche mit Familienmitgliedern oder Freunden könnten nicht ersetzen, was man in einer Selbsthilfegruppe erfahre. „Viele Menschen haben immer noch Angst, über das Thema zu sprechen, das ist bei Betroffenen anders.“ Und Hollerith ist sich sicher: „Der Bedarf ist da. Es werden so viele Menschen allein in Itzehoe an Blasenkrebs operiert – aber eine Selbsthilfegruppe gibt es hier nicht, im Unterschied zu vielen anderen Regionen in Deutschland.“

Hollerith weiß, wie einen die Krankheit auch psychisch schwächen kann. „Ich habe mich zurückgezogen, war deprimiert, obwohl ich den Tumor ja los war“, sagt der 47-Jährige. „Ich habe immer nur gedacht, dass alles schlecht ist – und so war es dann auch.“ Im Januar 2014 war der Krebs zurück, wieder folgten Operation und Reha.

Doch dort verändert sich etwas bei Michael Hollerith. Vier Mal geht er zu einem Psychologen, der mit Krebspatienten arbeitet. „Das hat mir geholfen, er hat mir aber kaum Hoffnung gemacht, dass ich nach meiner Entlassung schnell einen Termin bei einem niedergelassenen Kollegen bekommen könnte.“ Doch das Reden über die Krankheit, über die Unsicherheit, die es vor jedem Kontrolltermin wieder gibt, über mögliche Hilfsmittel oder den Umgang mit Folgeerkrankungen – all das sei wichtig für jeden Blasenkrebskranken, meint Hollerith. Und die Erkrankung sei so speziell, dass es eine eigene Selbsthilfegruppe brauche.

Er selbst, der bis zu seiner Diagnose starker Raucher und ein Sportmuffel war, hat in der Reha gelernt, sich selbst zu motivieren. Heute fährt er viel Rad – die Bewegung an der frischen Luft tue ihm gut. „Ich denke heute positiver, das können auch andere.“

Im Unterschied zu anderen Krebserkrankungen würden Patienten mit Blasenkrebs nicht nach fünf Jahren ohne neuen Befund als geheilt betrachtet. „Ich werde mein Leben lang zu Kontrolluntersuchungen gehen müssen“, sagt Hollerith. Doch er geht nicht mehr voller Angst dorthin. Michael Hollerith hat wieder gelernt, zufrieden zu leben.


> Die Selbsthilfegruppe für an Harnblasenkrebs erkrankte Menschen soll im Rahmen einer Vortragsveranstaltung am Mittwoch, 2. März, 16 Uhr, im Klinikum Itzehoe, Robert-Koch-Straße 2, Sitzungszimmer 4, 1. Untergeschoss, ins Leben gerufen werden. Betroffene, Angehörige und Interessierte sind eingeladen. Wolfgang Höppner, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Klinikum, unterstützt die Gründung der neuen Selbsthilfegruppe und hält einen Vortrag mit dem Thema „Blasenkrebs, was nun?“ Dazu wird der Brunsbütteler Urologe Bernhard Mohr über Nachsorge- und Nachbehandlungsmöglichkeiten sprechen. Weitere Infos bei Michael Hollerith unter 04821/892052 oder E-Mail blasenkrebs_shg@m-hollerith.de.


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