Glückstadt : Zoff um Kindergarten-Neubau

Stellt die pädagogischen Ideen für die Kita auf dem Nölke-Gelände vor: Bente Bosmann.
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Stellt die pädagogischen Ideen für die Kita auf dem Nölke-Gelände vor: Bente Bosmann.

Mit knapper Mehrheit stimmt der Hauptausschuss gegen das Konzept eines Investors. Das Kita-Werk wurde mit der Planung beauftragt.

shz.de von
29. April 2018, 05:04 Uhr

In den Glückstädter Kindertagesstätten fehlen Betreuungsplätze. Zum August 2018 gibt keine freien Plätze mehr, und für das nächste Kita-Jahr gibt es sogar eine Warteliste mit 19  Kindern von unter drei Jahren und elf Kindern über drei. Zum Juli 2019 wird sich diese Liste auf 31 U3-Kinder und 26 Ü3-Kinder erhöhen. Es besteht dringender Handlungsbedarf: Kurzfristig werden drei Gruppen und mittelfristig fünf Gruppen benötigt.

Im jüngsten Hauptausschusses stellten das Kita-Werk des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf und Investor Jochen Nölke ihre Ideen vor. Das Kita Werk plant in der Nordmarkstraße durch Umnutzung der Räume kurzfristig eine zusätzliche Gruppe zu schaffen, an der Kita Burggraben könne ein Erweiterungsbau entstehen, erklärte Dörte Raßmus. Mittelfristig soll an der Nordmarkstraße ein Neubau auf dem derzeitigen Gelände mit drei oder vier Gruppen geplant werden. „Das Jugendzentrum als städtisches Gebäude ist als Kita nicht geeignet“, stellte Raßmus fest. Zusätzlich sollte aber durch Anmietung, Kauf oder Neubau eine weitere Kita im Stadtteil Süd entstehen. Dafür könnte das zum Verkauf stehende Gebäude gegenüber des Hagebaumarktes genutzt werden oder ein Gelände der Papierfabrik Steinbeis. Zudem brachte Raßmus eine Kita an der Sporthalle auf dem ehemaligen Kasernengelände ins Spiel. „Hier könnten wir durch eine Turn-Kita ein zusätzliches pädagogisches Konzept realisieren.“

Eine neue Option stellte Jochen Nölke vor. „Ich biete der Stadt an, die leer stehenden Gebäude an der Stadtstraße 11 und 13 zu mieten. Auf der Grundfläche von 1300 Quadratmetern sind mindestens sechs Gruppen realisierbar. Damit möchte ich ein neues Konzept in die Stadt bringen.“ Die ehemals als Sparkassenfiliale und als Verwaltungsgebäude der Wäscherei zwischen dem Lidl-Markt und der Rhinbrücke würden von der Nölke GmbH auf eigene Rechnung und ohne Inanspruchnahme von Fördermitteln bis Januar 2019 (Sparkassengebäude) und bis August 2019 (Bürogebäude) für den Kita-Betrieb ausgebaut.

„Die Stadt kann dann für den Zeitraum der Nutzung die Räume mieten.“ Der Betreiber der Einrichtung stehe noch nicht fest. „Wir sind in Verhandlungen mit zwei möglichen Betreibern, die sich aber erst entscheiden, wenn es einen Beschluss der Stadt zum Standort gibt“, so Jochen Nölke. Mitgebracht hatte er die freischaffende Kita-Fachberaterin Bente Bosmann. Sie stellte das pädagogische Konzept der geplanten Einrichtung vor. Durch die Lage am Rhin nannte sie die Schwerpunkte Abenteuer, Natur, Nutzgarten und Wasser. Außerdem sollte die Kita auf die Bedürfnisse der Familien eingehen. „Wir planen einen Raum für Therapieangebote vor Ort, wollen ganztägig geöffnet haben und bieten eine Vollverpflegung an.“

Nach einer Beratungspause ging es im Ausschuss bei der Bewertung heftig zur Sache. Krafft-Erik Rohleder sprach sich für die CDU-Fraktion eindeutig für den Nölke-Plan aus: „Die Zubauten im Konzept des Kita-Werkes bleiben Stückwerk und bergen viele Unwägbarkeiten. Auf dem Nölke-Gelände bekommen wir an einem Standort sechs bis sieben neue Gruppenräume, die wir nach Bedarf und ohne finanzielles Risiko anmieten können.“ Auch Ralf Krüger (FDP) sprach sich für das Nölke-Gebäude aus, schränkte aber ein: „Natürlich haben beide Konzepte Vor- und Nachteile.“

Nicole Evers (SPD) würdigte das Kita-Werk als zuverlässigen Träger und bisherigen Partner. „Auch das Angebot von Jochen Nölke ist reizvoll, aber wir haben keine Mitsprache bei der Auswahl des Trägers. Die Unsicherheiten sind uns bei einem privaten Investor zu groß.“

Als auch Siegfried Hansen (Piraten) und Uwe Mertens (Grüne) sich für das Kita-Werk aussprachen, wurde von der CDU noch einmal gegengehalten. Horst Meiners: „Wir verspielen eine Chance. Wir nehmen nur den Apfel anstatt das ganze Menü. In einem halben Jahr sitzen wir wieder hier und planen am Provisorium.“

In der folgenden Abstimmung wurde letztlich mit fünf gegen vier Stimmen der Grundsatzbeschluss gefasst, den weiteren Ausbau des Betreuungsangebots mit dem Kita-Werk zu planen.

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