Zimmerschlüssel als Geschäftsidee

Macht für jedes Zimmerschloss aus seinem großen Bestand an Rohlingen den passenden Schlüssel: Tüftler Sven Rinke.  Fotos: Mehmel
Macht für jedes Zimmerschloss aus seinem großen Bestand an Rohlingen den passenden Schlüssel: Tüftler Sven Rinke. Fotos: Mehmel

37-Jähriger ist mit der Nachlieferung verlorengegangener Türöffner schon gut im Online-Geschäft / Jetzt will er seinen Betrieb ausbauen

shz.de von
09. November 2018, 16:18 Uhr

Der Ein-Mann-Betrieb aus der Wilstermarsch kann seiner Kundschaft eine Menge Geld sparen helfen – jedenfalls, wenn der Zimmerschlüssel abhanden gekommen ist. Statt des kostenträchtigen Einbaus neuer Schlösser liefert Sven Rinke einfach einen passenden Schlüssel. Und das dank einer genialen Geschäftsidee: Mit dem Handy wird das Schlüsselloch fotografiert und das Bild per E-Mail nach Neuendorf-Sachsenbande geschickt. Nur nach optischer Diagnose – und dank seiner in zehn Jahren erworbenen Erfahrung – findet der 37-Jährige in seinem Sortiment von Rohlingen einen passenden Buntbartschlüssel, feilt ihn mit seinem selbst entwickelten CNC-Programm in Form, und der individuell erstellte Zimmerschlüssel ist wieder da.

Inzwischen ist Rinke schon gut im Geschäft. Tatkräftig unterstützt von seiner Frau Alexandra (34) liefert er im Monat im Schnitt schon rund 1000 Schlüssel aus. Zumeist werden mehrere pro Sendung zum Ausprobieren auf den Weg gebracht. „In den meisten Fällen funktioniert das auch“, so Rinke. Schließlich sei ein Zimmerschlüssel ja auch kein High-Tech-Produkt. Im Gegenteil: Der Tüftler hat herausgefunden, dass Zimmerschlüssel nach einheitlichem Muster aufgebaut sind. Oft stellt der Bart eine Zahl dar. „Passt er ins Loch und lässt sich drehen, dann schließt die Tür auch.“

Die Idee zu dem ungewöhnlichen Geschäftsmodell kam ihm, als er noch in Hamburg in einer Mietwohnung lebte. Es kündigte sich Besuch an, da wollte man gern eine abschließbare Toilette haben. Nur: Der Schlüssel fehlte. Ein neues Schloss fand Rinke zu teuer und auch eine Verschwendung von Ressourcen. Er baute den Schlüssel einfach nach. Mittlerweile hat Sven Rinke Kundschaft in ganz Deutschland, meist Privathaushalte und Vermieter, aber auch schon mal die Feuerwehr in seiner Heimatgemeinde. „Sogar für das Ulmer Münster habe ich schon einen Schlüssel gemacht.“

Seinen Schlüssel zum Erfolg hat Sven Rinke schon gefunden. Jetzt will er das Geschäft zu einem florierenden Familienbetrieb ausbauen. Für den Aufbau einer eigenen Schlüsselmanufaktur, so hat der gelernte Ingenieur ausgerechnet, werden 30 000 Euro für Maschine, Gussform und Rohlinge benötigt. Das Geld will das Ehepaar über die Finanzierungsplattform Startnext in einer Crowdfunding-Kampagne zusammenbekommen. Dort können Geldgeber in kreative Ideen, Projekte und Startups investieren. Noch bis 2. Dezember kann dort das Zimmerschlüssel-Projekt unterstützt werden. Für Ende November haben die Rinkes zudem eine Einladung für die RTL-Sendung „Hol dir die Kohle“ bekommen. Je nach Publikumsvoting winken dabei 5000 Euro. Und wenn das alles nicht klappt? „Dann machen wir es trotzdem. Nur eben ein bisschen langsamer“, strahlt Sven Rinke größte Zuversicht aus. So nebenbei schreibt er auch noch an seiner Masterarbeit. Thema: natürlich das Geschäft mit dem Zimmerschlüssel.

Mehr Infos: Zimmerschlüssel.de

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