Fitnesstest Itzehoe : „Ziel ist noch lange nicht erreicht“

Jetzt auch in Hohenlockstedt: Mitglieder des SCI unterstützen die Grundschule Hohenlockstedt und den TSV Lola bei der erstmaligen Umsetzung von „Toben macht schlau“. Knapp 60 Erstklässler waren dabei – so auch Florian (6), beim Liegestütz betreut von Thorge Hansen.  Fotos: Strobel
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Jetzt auch in Hohenlockstedt: Mitglieder des SCI unterstützen die Grundschule Hohenlockstedt und den TSV Lola bei der erstmaligen Umsetzung von „Toben macht schlau“. Knapp 60 Erstklässler waren dabei – so auch Florian (6), beim Liegestütz betreut von Thorge Hansen. Fotos: Strobel

Zur zehnte Auflage von „Toben macht schlau“ erläutert die Namensgeberin Renate Zimmer die Hintergründe.

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21. September 2018, 10:40 Uhr

Toben macht schlau – im Jahr 2007 veröffentlichte Professor Dr. Renate Zimmer dieses Buch. Mit ihrem Einverständnis nutzt der Sport-Club Itzehoe den Titel für sein Projekt, mit dem Grundschulkinder gefördert werden. Es läuft seit zehn Jahren, zum runden Geburtstag erläuterte Renate Zimmer vergangene Woche im Hotel Mercure, wie Bewegung Kinder und ihr Gehirn aktiviert und über verschiedene Altersstufen hinweg intensive Lernprozesse angeregt werden. Renate Zimmer war bis 2016 als Professorin für Sportwissenschaft im Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Osnabrück tätig und leitete das Niedersächsische Institut für Frühkindliche Bildung und Entwicklung. Mit der international renommierten Expertin sprach Lars Peter Ehrich.

Ist „Toben macht schlau“ genau so gemeint oder eine provokante Zuspitzung?
Beides. Es ist eine provokante Zuspitzung, aber es ist auch gemeint als Hinweis darauf, dass Kinder Bewegung brauchen, um ihre Potenziale in jeder Richtung, auch kognitiv, zu stärken und zu entfalten. Toben heißt nicht, ohne Kontrolle über Tische und Bänke zu gehen. Toben ist ein Synonym für die Bewegungsfreude von Kindern, schlau ist ein Hinweis auf Strategien zur Problemlösung, die Kinder in Bewegung erwerben, auch für das Durchhaltevermögen, das man braucht, wenn man erfolgreich sein will. Schlau ist also mehr als nur bloße Intelligenz, schließt diese aber ein.

Fühlen Sie sich da heutzutage wie eine einsame Ruferin in der Wüste?
Es gibt schon eine ganze Reihe von Initiativen, die sich wie die Itzehoer dieser Losung angeschlossen haben. Manche Grundschulen verstehen sich als „Bewegte Schulen“, es gibt auch immer mehr Bewegungskindergärten, aber leider immer noch nicht in dem Ausmaße, wie dies aus meiner Sicht wünschenswert und auch notwendig wäre, um dem ständig zunehmenden Bewegungsmangel, dem Kinder heute im Alltag ausgesetzt sind, zu begegnen. Das Ziel ist noch lange nicht erreicht und wird auch nie erreicht werden, weil sich die Bedingungen des Aufwachsens von Kindern ständig ändern.

Was fordern Sie ganz praktisch?
Bewegung unterstützt das Lernen, sie fördert die Wachheit und Aufmerksamkeit, und das hat Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit. Die herkömmliche Schule mit einem traditionellen Sitzunterricht ist eine Missachtung des Körpers. Unsere Untersuchungen haben schließlich ergeben, dass eine Verbesserung der Konzentrationsleistungen in Klassen erreicht wird, in denen zusätzlich zu den Pausenaktivitäten auf dem Schulhof auch im Klassenraum Bewegungspausen oder – besser noch – ein bewegter, alle Sinne ansprechender Unterricht durchgeführt wird. Ebenso sollte jeder Kindergarten so etwas wie ein bewegter Kindergarten sein, in dem es selbstverständlich sein sollte, dass die Kinder mindestens zwei Stunden draußen spielen.

„Toben macht schlau“ beim SCI bedeutet, dass Kinder mit entsprechendem Bedarf eine Stunde Sport in der Woche mehr bekommen. Ist das ausreichend?
Wenn es möglich ist, darf es gern mehr sein. Das Wichtigste aber ist, dass den Kindern diese zusätzliche Stunde Spaß macht, dass sie sie mit Freude erleben. Dann kann man das Angebot gerne ausweiten. Allerdings sollte die zeitliche Belastung für die Kinder auch nicht zu groß sein. Und wenn eine Stunde Lust macht, in den Verein einzusteigen und andere Angebote wahrzunehmen, dann ist die eine Stunde schon genau richtig.

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