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hilfsprojekt : Ziegen und Schulen statt Almosen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

84 Jahre alt und immer noch voller Tatendrang: Seit 17 Jahren unterstützt Ursula Lodenkämper mit dem Verein Marangu Hilfsprojekte in Tansania. Ihre Arbeit stellte sie dem Gesprächskreis „Seite an Seite“ vor.

Afrika – das sind Hunger, Dürre und Aids, Korruption und blutige Bürgerkriege. Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben und meist von nur einer Hand voll Reis am Tag leben. Jedes Jahr fließen deshalb etliche Milliarden Euro aus westlichen Industriestaaten in den Schwarzen Kontinent. Doch immer häufiger wird auch Kritik an dieser Art von Entwicklungshilfe laut: Das Geld sei nicht mehr als ein Heftpflaster, die Menschen würden davon abhängig.

Auch Ursula Lodenkämper ist das Wort „Entwicklungshilfe“ ein Dorn im Auge. Vor 17 Jahren gründete die 84-Jährige den Förderverein „Marangu“, der sich um verschiedene Hilfsprojekte in einem tansanischen Dorf kümmert. Statt Almosen zu verteilen will sie den Menschen dort helfen, auf eigenen Beinen zu stehen. Hilfe zur Selbsthilfe sei der einzige Schlüssel, um Länder wie Tansania aus der Krise zu holen. „Wir müssen wissen, was die Menschen dort wollen und was sie brauchen, erst dann können wir ihnen helfen.“

Im Fall Marangu war das zunächst die Sanierung des Krankenhauses. Denn das drohte seinerzeit durch Misswirtschaft zugrunde zu gehen. Erfahren hatte die Wahl-Hamburgerin das von einem Austauschstudenten, der – genau wie die medizinisch-technische Assistentin – damals in der Hamburger Endo-Klinik beschäftigt war. „Er erzählte mir, dass es den Menschen in seinem Heimatdorf schlecht ginge und sagte, das solle ich mir unbedingt anschauen.“

Und genau das tat sie. Mit 67 Jahren und ohne ein Wort Kisuaheli zu sprechen stieg sie 1995 in den Flieger nach Tansania und flog in das kleine Dorf Marangu am Fuß des Kilimandscharo. Eine Reise, die ihr Leben veränderte. „Ich war so beeindruckt und so kaputt, dass ich nur dachte: So kann man nicht leben.“ Zwar sei Marangu kein Notstandsgebiet, doch Unterernährung, schlechte medizinische Versorgung und mangelnde Bildung machten der Gemeinde zu schaffen. Zusammen mit 18 Mitstreitern gründete sie deshalb den Hilfsverein und verbrachte jedes Jahr mehrere Wochen in Marangu. Nachdem sie und ihre Kollegen das marode Krankenhaus mit Geräten, Betten und Wäsche wieder auf Vordermann gebracht hatten, unterstützten sie in den folgenden Jahren auch diverse soziale Einrichtungen, zu denen heute acht Schulen und acht Kindergärten gehören. Auch ein Brunnen mit Wasserpumpe konnte dank vieler Spenden vor einigen Jahren gebaut werden. Jüngstes Projekt war die Anschaffung mehrerer Ziegen – auf eigenen Wunsch der Frauen aus dem Dorf. „Sie wollten die Milch verkaufen und damit unabhängig sein“, erzählt die 84-Jährige.

Einen Teil ihrer Arbeit stellte sie jetzt bei einem Treffen des Gesprächskreises „Seite an Seite“ in Heiligenstedten vor. Dessen Mitglieder konnten auf vielen Fotos die neu gebauten Ziegenställe samt tierischen Bewohnern begutachten, die Fortschritte bei der Sanierung des Kindergartens mitverfolgen oder die mitgebrachten tansanische Kunstwerke aus Fahrrad-Lack bewundern. „Toll, was sich in den letzten Jahren da alles getan hat“, äußerte sich eine Besucherin nach dem Vortrag der engagierten Seniorin. Denn Ursula Lodenkämper war nicht zum ersten Mal Gast in der Gesprächsrunde, zu der auch ihre beiden Heiligenstedtener Schwestern gehören. Regelmäßig stehen hier aktuelle Themen auf dem Programm, zu dem Leiterin Ulla Kaiser verschiedene Referenten einlädt. „Wir sind von ihrer Arbeit begeistert“, sagte sie. Zum Abschied überreichte sie Ursula Lodenkämper ein großes Paket Buntstifte für den Kindergarten. „Die werden sich riesig freuen“, versprach die Rentnerin. Mittlerweile spricht sie nicht nur die Sprache der Einheimischen, sondern hat auch Land und Leute in ihr Herz geschlossen. „Afrika ist meine zweite Heimat geworden.“

 

> Infos: www.marangu.de oder 040/6030302

 

 

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erstellt am 24.Okt.2013 | 17:27 Uhr

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