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Norddeutsche Rundschau

28. Juni 2017 | 21:00 Uhr

Pläne : Zentrumsnah, aber ohne Parkplätze

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bebauungs- und Flächennutzungsplan für das Gelände des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerks in Glückstadt werden öffentlich ausgelegt.

Das geplante Baugebiet an der Bahn rückt seiner Verwirklichung ein Stück näher. Im jüngsten Bauausschuss wurde die Auslegung des Bebauungsplanes „An der Bahn“ beschlossen. Dort sind mehrgeschossige Häuser mit behindertengerechten Wohnungen und Einfamilienhäuser sowie eine „Karitative Begegnungsstätte“ und ein Schnellrestaurant geplant. Zuvor hatte Stadtplaner Bernd Schürmann den neusten Stand zum Gelände des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerks – dieses wurde 2000 stillgelegt – bekanntgegeben. Der Itzehoer Diplom-Ingenieur vom Büro „Stadt Raum Plan“ überplant sieben des zehn Hektar großen Areals an der Bahnstrecke für die private Investorin Freya Bigeng, die ebenfalls anwesend war. In einem weiteren Bauleitplanverfahren kann zu einem späteren Zeitpunkt der nördliche Teilabschnitt entwickelt werden. Zuvor aber waren einige Problemfelder zu bearbeiten:

Wald:

Mit welchen Unwägbarkeiten Planer und Investorin zu kämpfen haben, zeigte sich an einem kurios anmutenden Beispiel. Bis vor 20 Jahren standen im hinteren Teil des Areals viele Bäume, die aber damals abgeholzt wurden. Trotzdem deklarierte die Forstbehörde jetzt das Areal als Wald und fordert für eine 4,2 Hektar großes Gebiet Ausgleichsmaßnahmen. Schürmann: „Das Forstamt stellt aber in Aussicht, dass dort jetzt kein Wald sein muss.“ Die Frage sei, so Schürmann, ob die Bahn als ehemaliger Besitzer für diese Kosten aufkommen müsse.

Vor- und Nachteile:

Bernd Schürmann erklärte eingangs: „Das Projekt Eisenbahnausbesserungswerk ist komplizierter als eines auf der grünen Wiese.“ Als Beispiele zählte er unter anderem auf: Erschütterungen und Lärm durch die nahe Bahnstrecke, kontaminierter Boden durch das frühere Werk der Bahn und die Entwässerung. Als Vorteil nannte er die zentrumsnahe Lage mit nur 500 Metern Luftlinie zum Marktplatz.

Lärmschutz:

Schürmann: „Am meisten Kopfschmerzen hat uns das Thema Lärmschutz gemacht“, sagte er auch im Namen des Lärmschutzgutachters Karsten Hochfeldt, der ebenfalls an der Sitzung teilnahm. Zur Bahn hin soll ein fünf Meter hoher Wall entstehen, zur Straße hin kommt ein Lärmschutz in 2,3 Metern Höhe. Eigentlich wäre dies nicht ganz ausreichend, sei aber „rechtskonform“. Das führt auch dazu, dass in einem Bereich festgesetzt wurde: Im Obergeschoss dürfen Fenster zur Bahn hin nicht geöffnet werden. Dieser Punkt wurde in der Diskussion unter den Politikern ausführlich diskutiert und letztlich so entschieden.

Erschütterungen:

Um Erschütterungen vorzubeugen, empfahl der Planer, dass besondere Bodenplatten eingebaut werden bei Einfamilienhäusern. Die mehrgeschossigen Häuser kämen ohne aus.

Verkehr:

Unstrittig ist, dass es vom Janssenweg eine Abbiegerspur geben soll. „Das ist mit der Polizei so abgesprochen worden“, erklärte Schürmann. Zudem wird der Bürgersteig an dieser Hauptverkehrsstraße verbreitert.

Offenes Gewässer:

Zudem wird der Bolritt wieder geöffnet und quert als Wasserlauf dann das Gebiet. Hierzu hat es bereits Gespräche mit dem Sielverband gegeben. Der wieder geöffnete Bolritt wird künftig im Eigentum der Stadt Glückstadt sein. „Die Stadtentwässerung wird ihn nicht übernehmen, da er keine Anlage der Wasserwirtschaft ist, sondern ein renaturiertes natürliches Gewässer“, heißt es von Seiten der Stadt. Zudem werden zwei Regenrückhaltebecken gebaut.

Verunreinigungen im Boden:

Bereits festgestellt wurden Verunreinigungen, unter anderem mit Lösungsmitteln, Öle und Schwermetallen. Laut Stadtverwaltung gehen aber keine schädlichen Auswirkungen auf das Grundwasser aus. Für Altlasten ist die Wasserbehörde des Kreises Steinburg zuständig. Mit ihr wurde laut Stadtverwaltung vereinbart, dass die Beseitigung der Altlasten im Zuge der Erschließungsarbeiten erfolgen soll. Der dabei entnommene Bodenaushub wird laufend beprobt, die Arbeiten werden gutachterlich begleitet. Unbelasteter Boden wird wiederverwendet, leicht verunreinigter Boden soll für den Lärmschutzwall genutzt werden. Belasteter Boden soll fachgerecht entsorgt werden.

Parkplätze:

Dabei konnte sich Bürgermeisterin Manja Biel nicht durchsetzen. Sie forderte mehr Stellplätze für Autos in dem geplanten Wohngebiet. Auch vor dem Hintergrund, dass es in der nähren Umgebung des Gebietes keine Stellplätze gibt. Die Politiker entschieden anders.

Auslegung:

Beschlossen wurde neben der Auslegung des Bebauungsplanes auch die des Flächennutzungsplanes. Die öffentliche Auslegung findet statt vom 22. Juni bis 24 Juli im Raum 61 im Rathaus. Der Stadt entstehen keine haushaltsrelevanten Kosten für das Bauleitverfahren zur Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 3.50 „An der Bahn–südlicher Teilabschnitt“. Vermarktet werden die Flächen über die Volksbank Elmshorn.
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erstellt am 13.Jun.2017 | 04:45 Uhr

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