Bürgermeister Manfred Boll aus Nortorf : „Zentraler Dorfplatz wäre schön“

Zieht nach fünf Jahren recht zufrieden Bilanz: Bürgermeister Manfred Boll.
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Zieht nach fünf Jahren recht zufrieden Bilanz: Bürgermeister Manfred Boll.

Gespräch mit Nortorfs Bürgermeister Manfred Boll über die Bilanz nach fünf Jahren und die Zukunftsaussichten für die Gemeinde.

shz.de von
06. Januar 2018, 05:00 Uhr

Nach fast fünf Jahren werden im Mai neue Gemeindeparlamente gewählt. Wir sprachen mit den Bürgermeisterin in der Wilstermarsch, was seit 2013 erreicht wurde und wie sie die Zukunft ihrer Gemeinden einschätzen. Heute: Manfred Boll aus Nortorf.

Herr Boll, die Legislaturperiode ist fast zu Ende. Was haben Sie und Ihre Gemeindevertretung in den vergangenen fast fünf Jahren erreicht?
Boll: Eine ganze Menge: die Kartierung des Kanalnetzes, neue Straßenbeleuchtung, Feuerwehr-Digitalfunk. Das hat ordentlich Geld gekostet. Wir haben das Dorfgemeinschaftshaus renoviert und eine Menge Netz-AG-Aktien gekauft. Dann die Enderschließung des Baugebiets an der Ziegelei. Nur ein Grundstück ist noch frei. Im neuen Baugebiet Auweg haben wir gerade das erste Grundstück verkauft. Und dann gab es noch die Zustimmung der Gemeinde zu Windmühlen in Wetterndorf. Die bringen uns eine ganze Menge Geld ein. Und über eine zusätzliche Stiftung profitieren auch alle anderen Einwohner davon.

Was waren denn die besonderen Herausforderungen?
Am meisten Stress für mich gab es bei der Vermarktung der Breitbandanschlüsse. Einige Einwohner meinten, sie bräuchten die nicht. Bei über 80-Jährigen hätte ich das ja noch verstanden. Bei Menschen, die in ihrem Beruf damit zu tun haben, aber eher nicht. Darüber habe ich mich schon ein bisschen aufgeregt. Alles andere läuft hier glatt. Hier leben problemlose Einwohner.

Auf welche Entscheidungen aus den vergangenen Jahren sind Sie besonders stolz?
Mein Ziel war es immer: Wenn ich einmal aufhalte, dann mit einer Gemeinde, wo Geld vorhanden ist und wo die Leute sich nicht beschweren können. Das klappt bisher ganz gut. Mein Ziel ist auch: bloß kein Streit!

Bestimmt hat auch nicht immer alles so geklappt, wie Sie sich das vorgestellt haben. Fällt Ihnen dazu auch ein Beispiel ein?
Nö, eigentlich nicht. Ein paar Kleinigkeiten vielleicht. Da kann man aber drüber reden.

Gibt es auch etwas, was Sie aus heutiger Sicht vielleicht anders machen würden?
Die erste Zeit als Bürgermeister war für mich schon eine Umstellung. Für mich galt aber immer: schön sparsam sein und das Geld erst ausgeben, wenn wir was verdienen. Ansonsten habe ich immer gesagt: Ich gehe meine Weg.

Stellen Sie sich vor, Sie bekämen einen Anruf von einer Familie aus dem Hamburger Umland, die auf der Suche nach Wohnraum ist. Nennen Sie spontan drei Gründe, warum ausgerechnet Ihre Gemeinde ein besonders attraktiver Wohnort ist.

Nortorf liegt am Rand der Zentrumsgemeinde Wilster, hat niedrige Steuern, und man ist schnell auf der Autobahn oder am Bahnhof. Die Infrastruktur ist sehr gut. Und: Die Leute hier verstehen sich gut miteinander.

Wo sehen Sie für die nächste Legislaturperiode die größten Herausforderungen für Ihre Gemeinde?
Vielleicht die weitere Vermarktung des Breitbandnetzes für das übrige Gemeindegebiet. Ansonsten sind wir hier eigentlich ganz gut aufgestellt. Wir wollen natürlich noch die restlichen Grundstücke im Baugebiet verkaufen. Die sind aber alle auch schon vorgemerkt.

Wenn Sie für das neue Jahr für Ihre Gemeinde einen Wunsch frei hätten: Was wäre das?
Was uns sicher ein bisschen fehlt, ist ein zentraler Platz. Einer, wo sich alle Generationen treffen können, vielleicht auch mit seniorengerechten Wohneinheiten. Ein zentraler Platz in unserer Flächengemeinde ist aber sicher recht schwierig umzusetzen.

Alle paar Jahre taucht ja die Diskussion um eine Kommunalreform auf. Glauben Sie, dass Ihre Gemeinde auch in 10 oder 20 Jahren noch eigenständig ist? Und wo liegen da die Vor- und die Nachteile?
Davon bin ich fest überzeugt, dass es Nortorf in 10 und auch in 20 Jahren noch geben wird. Ich bin auch ein Gegner von Großgemeinden. Ich habe gute Kontakte nach Niedersachsen, wo es ja Samtgemeinden gibt. Dort höre ich dann: In den Dörfern passiert nix mehr. Hier kennt der Bürgermeister noch jeden Einwohner, ist auch selbst vor Ort. Und selbst, wenn es nur bei bei kleinen Gemeindefesten ist: Auch Neubürger bekommen schnell Kontakt. In Großgemeinden wäre dieses familiäre System jedenfalls weg. Aus der Tradition heraus sind Bürgermeister oft ja auch Landwirte. Die sind schon von Natur aus sparsam und blicken immer ein Stück weiter voraus.

Und Ihre persönliche Zukunft? Treten Sie bei der Kommunalwahl wieder für das Amt des Bürgermeisters an?
Ja, das Amt bringt sehr viel Spaß. Wenn die Menschen mich wieder wählen, freue ich mich. Wenn nicht, müssen sie eben einen anderen wählen.

Manfred Boll engagiert sich seit 35 Jahren in der Gemeindepolitik. 2010 wurde der heute 67-Jährige zum Nachfolger des verstorbenen Hartmut Ruge gewählt. Bis 2012 war Boll auch Wehrführer in seiner Gemeinde, wo er die damals größte Feuerwehr der Wilstermarsch führte. Nachfolger wurde sein Stellvertreter Volker Nagel. Boll ist gelernter Landwirt und auch als Ruheständler jeden Morgen im Melkstand anzutreffen. Er ist verheiratet, hat drei erwachsene Söhne und die Schar seiner Enkelkinder ist Silvester gerade auf sechs angewachsen.

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