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St. Jürgen Kirche : Zeitgeschichte in der Turmspitze

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Heide: Drei Kupferröhren mit historischen Schriftstücken bei der Sanierung der St. Jürgen Kirche gefunden. Neue Dokumente sollen dazu kommen.

Sie sollte nur mit neuem Blattgold versehen werden, die Kugel auf der Kirchturmspitze am Heider Markt. Nun sorgt die Kupferkugel mit einem Durchmesser von etwa 52 Zentimetern für Überraschung, denn in ihrem Innern wurden historische Dokumente gefunden. Gestern lüftete Kirchengemeinderatsvorsitzende Sonja Keck das Geheimnis um die Schriftrollen aus dem Turm. Sie rollt ein Stück Geschichte auf.

Einen ganzen Packen Papiere hält sie in den behandschuhten Händen. Die Dokumente sind vergilbt, an den Rändern ausgefranst und leicht eingerissen. „Das müsste man kleben“, sinniert Sonja Keck. Ihr Blick fällt auf einen Riss der bereits zu früherer Zeit mit Klebeband abgeklebt wurde und sie betont: „Aber das traue ich mich nicht!“ Früher sei man vielleicht noch nicht so vorsichtig mit den alten Papieren umgegangen, überlegt sie und bekräftigt damit ihre Achtung vor den eng und klein beschriebenen Blättern aus dem Jahr 1833, die in eine Kupferröhre verpackt jahrelang hoch über der Stadt Heide auf dem Kirchturm aufbewahrt waren. Sie sollen nun entziffert und abfotografiert werden, bevor sie zurück auf den Kirchturm kommen.

„Wir haben vor etwa drei Wochen festgestellt, dass in der Kugel drei Kupferrollen stecken“, erzählt Werner Anders vom Bauausschuss. Seit Mitte August begleitet er die Renovierungsarbeiten am Turm bei denen unter anderem die Uhren restauriert und das Holz an der Turmkrone versiegelt wird (wir berichteten). Stolz zeigt er die armdicken Kupferröhren, die derzeit im alten Pastorat aufbewahrt sind. Sie haben einen Durchmesser von acht Zentimetern und passen genau durch das Loch in der Kugel, mit der diese auf die Turmstange aufgesteckt war. Architektin Silke Zanter sei es gewesen, die die Kupferrollen vorsichtig aus der Kugel zog. „Ich hätte das nicht geschafft, meine Hände waren zu groß“, scherzt Werner Anders.

An den Röhren klebt noch das Wachs, mit dem sie versiegelt waren. Die Dokumente in ihrem Inneren stammen aus Tagen, an denen am Turm gewerkelt wurde. Das sei zuletzt 1967 der Fall gewesen, um Sturmschäden zu beseitigen, so recherchierte es Werner Anders in einer Chronik und in alten Akten aus dem Archiv, in denen es außerdem heißt: „Wenn die Aufzeichnungen aus den Jahren 1724, 1742, 1787, 1794 und 1820 für Kundige der Dithmarscher Geschichte Bekanntes enthalten, wird es doch von Interesse sein, wie unsere Väter sich über Gegenstände ausgesprochen haben, die sie der Aufbewahrung wert hielten.“ Sonja Keck vermutet, dass die Akte aus dem Archiv eine Übertragung der Schriftrolle von 1833 sein könnte. Doch genau weiß sie es noch nicht. Archivar Hans-Heinrich Harder müsse die Schriftstücke von 1833 und aus der zweiten Kupferrolle von 1948 nun genau prüfen und die Handschrift in altdeutscher Schrift entziffern.

Leichter fällt die Einordnung der Dokumente, die im Jahr 1967 auf den Kirchturm gelangten. In der Röhre steckt eine Zeitung vom 8. Juni 1967 und ein großer Artikel über die Kirchengemeinde aus dem Jahr 1966. Außerdem findet sich eine Festschrift zu 125 Jahre Südereggen-Hahnbeer und eine Chronik über 400 Jahre St. Jürgen (1960) in der jüngsten Kupferrolle. Die Dokumente sind sehr gut erhalten. Sie waren luft- und wasserdicht verpackt.

Ende Oktober, wenn die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen sein werden, sollen sie zurück auf den Turm. Sonja Keck wünschst sich jedoch zuvor die Aufbereitung der Dokumente in einer Broschüre. „Dann könnte die Kirchengemeinde teilhaben an den Rollen“, sagt sie. Auch das aktuelle Zeitgeschehen wird einen Platz in der Kugel finden. „Eine vierte Röhre ist schon über unsere Architektin Frau Zanter bestellt worden“, freut sich Anders. Welche Dokumente dort hineinkommen, wird nun überlegt. Unter anderem sollen die Heider der Zukunft den vorliegenden Artikel unserer Zeitung in der Kugel vorfinden.

 

 

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erstellt am 16.Okt.2014 | 06:00 Uhr

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