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Frauenbeauftragte : Zehn Stunden für die Gleichstellung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Sigrun Wiecha tritt am 2. Mai ihren Dienst bei der Stadt an. Zuvor kämpfte sie bereits für die Rechte der Frauen bei der Polizei.

Glückstadt bekommt eine interessante Gleichstellungsbeauftragte: Sigrun Wiecha war vor ihrer Pensionierung bei der Kriminalpolizei tätig – lange Jahre davon als Kommissarin im Staatsschutz. Und die 61-Jährige war eine der erste Gleichstellungsbeauftragten bei der Polizei im Land. „1990 habe ich mich beworben.“ Damals gab es dazu noch kein Gesetz, sondern nur eine Verordnung. Ihre neue Stelle in Glückstadt wird Sigrun Wiecha am 2. Mai antreten.

In unserer Zeitung hatte Sigrun Wiecha gelesen, dass die Stadt eine Gleichstellungsbeauftragte für zehn Stunden die Woche sucht. Ende Januar bewarb sie sich, Ende Februar kam sie zum Einladungsgespräch ins Rathaus. „Ich habe gleich gesagt, dass der Zeitansatz sportlich ist“, sagt Sigrun Wiecha. Denn die Anforderungen in der Stellenausschreibung der Stadt waren sehr umfangreich. Eine halbe Stunde hatte sie Zeit, sich dem Auswahlgremium vorzustellen. „Es war ein angeregtes Gespräch.“ Sie muss einen guten Eindruck hinterlassen haben, denn sowohl die Mitglieder des Hauptausschusses und anschließend auch die Stadtvertreter stimmten ihrer Bestellung ins Amt einstimmig zu.

Sigrun Wiecha, die in der Gemeinde Heiligenstedtenerkamp wohnt, war eine der ersten Frauen im Land, die zur Kriminalpolizei kamen. Denn bis dahin gab es nur eine „weibliche Polizei“. Sie fing mit 18 Jahren dort an und konnte zunächst nur im mittleren Dienst aufgenommen werden. „Eine Frau musste damals 23 Jahre alt sein für die Laufbahn des gehobenen Dienstes.“

Die weibliche Kripo bedeutete, das Frauen nicht schießen durften, denn sie erhielten keine Ausbildung an der Waffe. Sie konnten zwar Jugendliche und Kinder vernehmen, aber nicht den Abschlussbericht schreiben. Das war den Männern vorbehalten. Als die rein weibliche Kriminalpolizei aufgelöst wurde, wurden die Frauen zwar integriert, mussten aber auf einmal Dienste übernehmen, die sie nicht kannten. „Auch mussten wir von heute auf morgen sofort schießen können.“ Ein Problem damals besonders für ältere Kolleginnen, die keinerlei Erfahrungen mit Waffen hatte. „Es war unglaublich“, so Sigrun Wiecha. 1980 wurde die rein weibliche Kripo aufgelöst, trotzdem musste sie noch eine Bewerbung für den gehobenen Dienst einreichen. Leitende Funktionen für Frauen bei der Kripo waren damals kein Thema. „Die Polizei war hierarchisch.“ Und erst seit 1986 gab es Frauen, die bei der Schutzpolizei eingestellt wurden. Die Erfahrungen im Beruf bewogen Sigrun Wiecha dazu, sich als Gleichstellungsbeauftragte bei der Polizei zu bewerben.

Zeitgleich mit ihr gab es dann weitere Gleichstellungsbeauftragte im Land bei der Polizei. „Wir stehen auf, wir machen es und sind stolz darauf“, sagt sie zu den Anfängen und das, was sie erreicht haben: „Wir haben eine verkrustete Gesellschaft aufgebrochen.“ Probleme gab es nach ihren Worten vor allem bei der Besetzung von Stellen bei der Schutzpolizei. Diese seien zuvor nur von Männern besetzt worden. „Vor allem bei Innendiensten erlebten schwangere Beamtinnen Animositäten“, sagt Sigrun Wiecha.

Sie tritt zwar erst am 2. Mai ihren neuen Job in Glückstadt an, eines ist ihr jedoch schon klar. Zehn Stunden pro Woche sind für ihr neues Amt zu wenig. „Ich habe bereits angeboten, 20 Stunden zu arbeiten.“ Noch hat sie kein Büro im Rathaus, aber ihre Vorstellungen für Beratungstage hat sie bereits: „Dienstags und donnerstags.“

Privat engagiert sich Sigrun Wiecha sich seit 40 Jahren im Verband der Trakehner-Zucht. Sie selbst hat auch Pferde und züchtet sie. Doch nur die Tiere, das war ihr zu wenig. Etwas bewegen zu können, war Anlass für ihre Bewerbung bei der Stadt Glückstadt.

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erstellt am 11.Apr.2017 | 00:45 Uhr

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