Zahlenspiel um den Schulneubau

So soll die neue Gemeinschaftsschule am Gymnasium (hinten) aussehen. Dieser Entwurf zeigt die Schule zweieinhalbzügig.
So soll die neue Gemeinschaftsschule am Gymnasium (hinten) aussehen. Dieser Entwurf zeigt die Schule zweieinhalbzügig.

Kosten für das bereits beschlossene Vorhaben lassen sich nicht mit grob errechneten Ausgaben für Gebäude an der Bojestraße vergleichen

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14. Januar 2015, 14:08 Uhr

Die Baukosten für die geplante neue Gemeinschaftsschule am Bildungszentrum in unmittelbarer Nachbarschaft zum Brunsbütteler Gymnasium werden die Stadtkasse für lange Zeit belasten. Deshalb haben CDU und FDP den Bürgerentscheid am 25.  Januar auf den Weg gebracht: Die Brunsbütteler sollen selbst entscheiden, ob sie den aus Sicht von Liberalen und Union zu teuren Bau wollen. Eine von Bürgervorsteherin Karin Süfke am Dienstagabend einberufene Einwohnerversammlung hatte zum Ziel, Licht ins Dunkel der Haushaltszahlen zu bringen. Kein leichtes Unterfangen.

Das beginnt schon mit den unterschiedlich hoch bezifferten Kosten. So spricht Architekt Klaus-H. Petersen vom Lübecker Büro Petersen Pörksen Partner für das zweieinhalbzügige Gebäude, das aus einzelnen Jahrgangshäusern mit zentraler Mensa besteht, von 13,6 Millionen. Stadtkämmerer Lutz Necknig nennt 14,8 Millionen. Die Differenz resultiert aus unterschiedlichen Ansätzen. In die Kalkulation der Stadt fließen weitere Ausgaben ein, die die Planer nicht berücksichtigen müssen. Der städtische Ansatz, so Necknig, bedeute für die Stadt bei einem Kredit (12,2 Millionen Euro) über 30 Jahre Laufzeit inklusive Zinsen, Tilgung und Abschreibung eine jährliche Belastung von rund 1,8 Millionen Euro. Abgezogen werden könnten davon die anfallenden Kosten für die durch einen Neubau überflüssig werdenden Klassencontainer an der Bojestraße – 155  000 Euro im Jahr. Was das exakt für die Stadt bedeutet, ließ Necknig offen. Zwar erwarte er für 2014 einen positiven Jahresabschluss, aber in den kommenden Jahren dürfte die Stadt wieder ein Defizit erwirtschaften, so der Kämmerer.

Als im Grunde nicht machbar erweist sich der Vergleich zwischen Neubau und einem denkbaren Umbau der alten Schule. Letzteres haben die Planer grob mit 10,3 Millionen angegeben. Allerdings: Wegen der ungünstigen Rahmenbedingungen hatte sich die Ratsversammlung im Oktober 2013 für den Neubau entschieden – die Pläne für die alte Schule an der Bojestraße wurden nicht weiter verfolgt.

Auch können nicht die Umbaukosten für eine Nachnutzung der Schule (3 Millionen) einfach auf die Investition für einen Neubau draufgerechnet werden. Denn für VHS und Stadtarchiv, die in das alte Gemäuer einziehen sollen, muss die Stadt ohnehin tief in die Tasche greifen. Das Archiv auf der Südseite platzt aus den Nähten, der Keller in ist feucht. Und die VHS muss barrierefrei ausgestattet werden – in angemieteten Räumen. Könnte die Bojeschule dafür umgebaut werden, darf die Stadt mit einer Übernahme von zwei Dritteln der Kosten aus der Städtebauförderung rechnen, da Teile der Gemeinschaftsschule unter Denkmalschutz stehen.

Kämmerer Necknig erklärte auf Nachfrage aus dem Publikum, dass die Stadt zurzeit für einen Schulneubau vom Land mit keinerlei Förderung rechnen könne.

Klaus-H. Petersen regte schließlich an, bei einer Entscheidung nicht nur auf Zahlen zu gucken. Es gehe um Qualität: „In welche Zukunft gehen Sie mit der Pädagogik für Ihre Kinder?“ Zudem zeige die Erfahrung, dass neue Schulen auch neue Schüler ziehen. In diesem Fall biete der Neubau sogar Raum für eine Erweiterung

Einen anderen Ansatz führte Kai Danielmeyer an: Der Elternbeiratsvorsitzende der Gemeinschaftsschule warnte vor den Folgen, wenn die Schule am jetzigen, wenig attraktiven Standort mit seiner räumlichen Enge – Klassenräume mit 44 statt der geforderten 60 Quadratmeter, ein zu kleiner Pausenhof – Schüler ans Umland verliere. „Wir sind dann in drei Jahren unter der Mindestgröße von 280 Schülern. Dann wird diese Schule geschlossen.“ Die Gemeinschaftsschüler müssten als Folge im Gymnasium untergebracht werden. Das, so Danielmeyer, werde den Fortbestand des Gymnasiums in Frage stellen.

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