Influenza in Itzehoe : Zahl der Grippefälle steigt

Taschentücher gibt es gleich dazu: In der Apotheke von Sebastian Jahn herrscht aktuell Hochbetrieb.
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Taschentücher gibt es gleich dazu: In der Apotheke von Sebastian Jahn herrscht aktuell Hochbetrieb.

Während die Erkältungswelle in diesem Jahr etwas schwächer als 2017 auszufallen scheint, trifft die echte Grippe die Region besonders hart.

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09. Februar 2018, 05:00 Uhr

In der Viktoria-Apotheke an der Kirchenstraße herrscht Hochbetrieb: Zu dritt bedienen die Mitarbeiter. Trotzdem bildet sich eine Schlange. Die meisten Kunden kommen wegen der gängigen Erkältungsmittel. Nasenspray werde besonders oft nachgefragt, sagt Inhaber Sebastian Jahn. Der Apotheker bestätigt, was auch in vielen Betrieben, Schulen und Arztpraxen deutlich spürbar ist: Die Erkältungswelle hat Itzehoe fest im Griff.

„Wir haben eine ganze Menge zu tun“, sagt Jahn, der neben der Viktoria-Apotheke auch die Greif-Apotheke in Kellinghusen betreibt. Viele kranke Kinder und Menschen, die länger und intensiver mit Erkältungerkrankungen zu kämpfen haben, stellt Jahn bei seiner Kundschaft fest. Grundsätzlich haben er und seine Mitarbeiter im Moment ähnlich viel zu tun wie im vergangenen Jahr um die gleiche Zeit, sagt der Apotheker.

Diesen Eindruck bestätigen auch Zahlen der Krankenkassen. Die AOK beispielsweise verzeichnet für Itzehoe und Umgebung einen Anstieg von rund 25 Prozent bei den Krankschreibungen ihrer Versicherten wegen grippaler Infekte in den vergangenen Wochen. Auch die Barmer stellt einen „deutlichen Anstieg“ der Krankmeldungen fest. Die Zahlen liegen aber etwas unter denen vom Vorjahr. Waren im Januar 2017 bei der Barmer 291 Versicherte wegen Grippe oder grippalem Infekt krank geschrieben, sind es 2018 „nur“ 244. Deutlich über dem Niveau von 2017 liegen die Fälle von echter Grippe in der Region.

Von der im Gegensatz zum harmloseren grippalen Infekt für ältere und geschwächte Menschen durchaus bedrohlichen Influenza ist der Kreis Steinburg in diesem Jahr besonders betroffen. Seit Jahresanfang wurden laut Kreis Gesundheitsamt bereits 84 Fälle gemeldet. Im gesamten Jahr 2017 waren es 103 Fälle. Die Dunkelziffer liegt in der Regel wesentlich höher. Längst nicht jeder Grippekranke geht zum Arzt und auch dort wird nicht jeder auf Influenza-Viren getestet.

Im Landesvergleich ist die Region um Itzehoe im Moment neben dem Kreis Segeberg besonders stark von der Grippewelle gebeutelt. Ob der Höhepunkt schon erreicht ist, wissen auch Experten nicht. „Momentan ist noch nicht zu sagen, wie lange der Anstieg der Erkrankungen noch andauert“, sagt Helmut Fickenscher, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin der Universität Kiel. Erfahrungsgemäß werde der Höhepunkt bei der jährlichen Grippewelle um die achte Kalenderwoche erreicht. „In diesem Jahr tritt die Influenza etwas früher auf als in den Vorjahren. Das könnte auch bedeuten, dass die Zahl der Neuerkrankungen früher fällt. Sicher ist das aber nicht.“

Dazu beitragen können auch die noch Gesunden, raten die Experten. Neben der vor allem für Risikopatienten empfohlenen Impfung sei Hygiene der beste Schutz gegen die Grippe, heißt es aus dem Gesundheitsamt und von der AOK. Um sich möglichst wirksam gegen Grippe und Erkältung zu schützen, sollten drei Dinge beherzigt werden, rät AOK-Sprecher Jens Kuschel: „Die körpereigene Abwehr stärken, ausreichend Abstand zu anderen Menschen halten und regelmäßig die Hände waschen.“ Wen es doch erwischt, der brauche vor allem viel Ruhe, sagt Apotheker Sebastian Jahn. Medikamente könnten zwar Symptome lindern. Zur Heilung empfehle er neben viel trinken aber vor allem zwei bis drei Stunden Schlaf mehr als sonst.

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