Glückstadt : Zahl der Fahrrad-Diebstähle nimmt zu

Ärgerlich: Am Bahnhof wurde an Andrea Drippes Rad der Dynamo abmontiert.
Foto:
1 von 3
Ärgerlich: Am Bahnhof wurde an Andrea Drippes Rad der Dynamo abmontiert.

143 Räder wurden im Jahr 2014 im Stadtgebiet Glückstadt gestohlen. Die Polizei spricht von einem Anstieg der Diebstähle. Die Politik will mit 28 sicheren Stellplätzen Abhilfe schaffen.

von
15. Januar 2015, 05:00 Uhr

„Das ist richtig ärgerlich.“ Als Andrea Drippe vor wenigen Tagen abends mit dem Zug von der Arbeit zurückkam, fehlte an ihrem Fahrrad, das sie am Bahnhof abgestellt hatte, der Dynamo. „Fein säuberlich abgebaut“ wurde das Gerät – die 28-Jährige musste sich ohne Licht auf den Heimweg machen. Jeden Tag steht das Rad der Glückstädterin von morgens bis abends in der Nähe des Bahnhofs. Drippe pendelt zu ihrer Arbeit im Fraunhofer Institut in Itzehoe. „Es ist jeden Tag eine Zitterpartie: Ist das Rad noch da? Ist es noch heil?“, sagt sie. Denn in ihrem Bekanntenkreis und in den sozialen Netzwerken im Internet höre sie häufig von Diebstählen oder Beschädigungen von Rädern rund um den Bahnhof. Und sie habe das Gefühl, dass sich die Fälle in der letzten Zeit häufen.

„Das stimmt“, sagt Gero Gloy, stellvertretender Revierleiter der Polizei in Glückstadt. „Wir haben bei den Fahrrad-Diebstählen 2014 einen Anstieg von 14 Prozent gegenüber 2013 zu verzeichnen.“ 143 Räder wurden im vergangenen Jahr in Glückstadt gestohlen. Nicht eingerechnet sind Beschädigungen und Diebstähle von Zubehör wie bei Andrea Drippe. „Und es gibt vermutlich noch eine Dunkelziffer von Fällen, die nicht angezeigt werden“, so Gloy. Der Bereich um den Bahnhof sei eindeutig ein Schwerpunkt der Diebstähle. Aber auch an anderen Stellen im Stadtgebiet kämen Räder abhanden.

Davon, dass am Bahnhof viele Räder gestohlen werden, berichtet auch Jochen Wischhusen: Dem Wirtschaftsingenieur, der jeden Tag nach Hamburg-Altona pendelt, wurden schon mehrere Räder geklaut. Das letzte Rad verschwand im Februar 2014. Zum Glück war es ein älteres Modell. „Aber dass selbst die noch geklaut werden, ist echt ärgerlich.“ Mitte Dezember passierte dem 45-Jährigen ein kurioser Fall: Sattelstütze und Sattel seines Rades wurden abgenommen. Gleichzeitig wurde ein älterer, unbrauchbarer Sattel angebracht.

Seine Vorschläge: Auch in Hamburg hat er ein Pendler-Fahrrad stehen. Mit dem fährt er von Altona in die Speicherstadt zu seiner Arbeitsstelle. „Dort gibt es ein Fahrradparkhaus. Ich habe dort ein gutes Fahrrad stehen, noch nie wurde etwas geklaut.“ Der Zugang erfolge über eine Chipkarte. „So etwas wäre ein Traum für Glückstadt.“ Gelungen findet er auch das Fahrradparkhaus in Elmshorn, das er in den Sommermonaten nutzt.

In der Politik sind Fahrrad-Diebstähle und mehr Sicherheit bereits seit einigen Jahren ein Thema. Noch in diesem Jahr soll unter dem Dach auf dem Bahnsteig in Richtung Hamburg ein eingezäunter Sammelparkplatz mit 28 Stellplätzen für Fahrräder entstehen. Der Zaun soll zirka zwei Meter hoch sein. Von zwei Seiten soll es Türen geben, die sich wahrscheinlich mittels eines Transponders öffnen lassen. Den entsprechenden Beschluss dazu fällte der Bauausschuss bereits im Januar vergangenen Jahres. Allerdings zogen sich die Vertragsverhandlungen mit der Bahn als Grundstückseigentümer und den Glückstädter Werkstätten, die den Fahrrad-Parkplatz betreiben sollen, sehr lange hin, erklärt Dr. Lüder Busch vom städtischen Bauamt: „Es ist nicht so ganz einfach solche vertragliche Geschichten zwischen drei Partnern abzuschließen.“

Er hoffe darauf, dass in diesem Frühjahr, pünktlich zum Beginn der Fahrradsaison, die Anlage eröffnet werden könne. Die Investitionskosten von zirka 6000 Euro trägt die Stadt. Unklar ist noch, was die Radfahrer für einen Stellplatz bezahlen müssen. In einer unverbindlichen Beispielrechnung hatte die Stadtverwaltung 70 Euro für eine Jahreskarte veranschlagt und sich dabei an vergleichbaren Angeboten in Nachbarstädten wie zum Beispiel Elmshorn orientiert. Auch der Erwerb von Monats- oder Saisonkarten soll möglich sein.

Die Errichtung von weiteren sicheren Fahrrad-Stellplätzen hatte der Bauausschuss im Januar 2014 verworfen. Anfangs war dafür der Grünstreifen entlang des Fußwegs vom Bahnsteig in Richtung Christian-IV.-Straße in Betracht gezogen worden. Vor den historischen Güterwaggons wäre genügend Platz für 40 einzeln abschließbare Boxen, in denen Fahrräder abgestellt werden könnten. Mit voraussichtlich 80 000 Euro erachteten die Stadtvertreter diese Investition jedoch als zu teuer.

Die Polizei hält einen sicheren Fahrradparkplatz für eine gute Idee: „Bei Fahrrad-Diebstählen sind uns oft die Hände gebunden, weil es meist keine Zeugenaussagen gibt“, sagt Gero Gloy. Es falle in der Regel niemandem auf, wenn sich jemand an einem Fahrradständer zu schaffen mache, da es ja völlig normal sei, dass Radler ihr Fahrzeug am Ständer anketten und wieder losmachen. „Wenn ein Dieb cool ist, kann er ein Fahrrad am helllichten Tag entwenden.“ Mit einem abgeriegelten Abstellplatz könne das verhindert werden.

zur Startseite
Karte

Kommentare

Leserkommentare anzeigen