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Ergebnis vertauscht : Zählfehler in Brunsbüttel: Grüne verlieren Sitz

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Patzer bei der Stimmauszählung am Sonntag in Brunsbüttel. In einem der zwölf Wahlkreise war das Ergebnis von Grünen und FDP vertauscht worden.

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2013 | 03:43 Uhr

Brunsbüttel | Demokratie kann brutal sein: Am Sonntag freuten sich die drei Grünen Daniela Meyer, Christian Barz und Axel Conrad über das wider Erwarten gute Abschneiden beim ersten Einzug der Umweltpartei in die Ratsversammlung. Mit zwei Sitzen, so Meyer, hätten sie gerechnet. Und dann waren es drei. Aber Montagabend in der Sitzung des Gemeindewahlausschusses sahen sich die Grünen von der drittstärksten Kraft vor der FDP wieder hinter die Liberalen gerückt. Denn durch einen Zählfehler im Wahlkreis 10 (Brunsbüttel-Ort) hatte der dortige Kandidat Jens Binckebanck fälschlicherweise ein zu hohes Ergebnis zugerechnet bekommen (101 Stimmen). Nun hat die FDP drei Sitze und die Grünen müssen ohne Axel Conrad auskommen.
"Das ist eine Bombe!", kommentierte Oliver Kumbartzky die Ergebniskorrektur. "Das ändert die Mehrheitsverhältnisse." Der Liberale war Stunden nach der Stimmauszählung stutzig geworden. "In der Nacht ging mir auf, dass in dem Wahlkreis, in dem ich 20 Prozent für den Kreistag geholt habe, nur die Hälfte der gleichen Wähler für meinen Einzug in die Ratsversammlung gestimmt haben sollte", berichtete Kumbartzky. Am Montag informierte er den stellvertretenden Gemeindewahlleiter Peter Mahlen. Der Chef des Bürgerbüros wusste da schon Bescheid. Er hatte die Auszählung im Gerätehaus überprüfen lassen. Das Ergebnis sorgte für die Umverteilung zwischen den Grünen (jetzt 56 Stimmen) und der FDP (101).

"Ich glaube, ich bin jetzt gut davor"


Damit hatte Christian Barz nicht gerechnet, als er Montagabend ins Rathaus zur Sitzung des Gemeindewahl ausschusses ging und von Peter Mahlen hören musste, dass der Wahlerfolg seiner Fraktion geschmälert wurde. "Für uns ist das bitter", sagte er mit versteinerter Miene. Bitter vor allem für Axel Conrad, der von den drei Grünen die meisten Stimmen eingefahren hatte: 45. Aber er stand auf Listenplatz drei und war damit raus.
Nun gibt es auch keine rot-grüne Mehrheit mehr in der Ratsversammmlung. Denn SPD und Grüne kommen jetzt ebenso auf elf Sitze wie CDU und FDP. Das stärkt plötzlich die Situation von Heinz Zindler (Wählergemeinschaft Graue Panther Dithmarschen), der nun in Patt-Situationen als Fraktionsloser zum Zünglein an der Waage wird. "Das wird richtig Spaß machen", freut er sich. Und: "Ich glaube, ich bin jetzt gut davor."

"Fehler können passieren"


Wobei Blockbildung in der Ratsversammlung bislang kein Thema war. Das sieht auch Christian Barz so: "Wir hatten nicht vor, eine Koalition zu bilden." Ausschlaggebend für Entscheidungen seien Sachfragen. "Wir setzen uns jetzt mit CDU und SPD zusammen", sagt er mit Blick auf die konstituierende Sitzung am 19. Juni. Denn auch wenn SPD und CDU die Leitung der Ausschüsse unter sich ausmachen, geht es doch für die kleinen Parteien um die Mitwirkung in Gremien, Ortsbeiräten und diversen Aufsichtsräten von Freizeitbad GmbH bis Egeb-Wirtschaftsförderung. Grundsätzlich nimmt Barz das ernüchternde Ergebnis sportlich, obwohl es ein Schlag ins Kontor sei: "Fehler können passieren."
Ob die Grünen diese Ergebniskorrektur noch überprüfen wollen, wusste Christian Barz am Montag nicht zu sagen. Auch Bürger können gegen die Stimmauszählung innerhalb von vier Wochen Einspruch erheben. Bis dahin gilt auf jeden Fall das gestern einstimmig im Ausschuss abgesegnete Ergebnis mit der entsprechenden Zusammensetzung der Ratsversammlung.

Vom Erfolg überholt


Peter Mahlen konnte sich nach fast 30 Jahren im Ordnungsamt nicht an eine ähnliche Situation erinnern. Mit Blick auf die hohe Zahl der ungültigen Stimmen, 133 bei der Kreistagswahl und 120 bei der Gemeindewahl, sah er ein anderes Problem: "Das ist eine ganze Menge." Bettina Jebens (FDP) nahm dies als Aufforderung an die Ratsversammlung, den Bürger nicht aus den Augen zu verlieren: "Für uns Politiker ist das ein Zeichen", mahnte sie.
Klarer Sieg mit Schattenseite: Das selbst für die Brunsbütteler Genossen unerwartet gute Abschneiden mit neun Direktmandaten hat Sabine Mewes den Wiedereinzug in die Ratsversammlung gekostet. Die SPD-Frau war auf Listenplatz 5 vor ihrem Parteikollegen Jochen Scheer (Platz 9) angetreten. Sie musste sich aber im Wahlkreis 6 (Boy-Lornsen-Grundschule) Peter Hollmann geschlagen geben. Der Christdemokrat errang mit 168 Stimmen zwölf mehr als Mewes. Und Jochen Scheer (Wahlkreis7/Haus Süderdöffte) gehört zu den Direkt-Gewinnern der SPD. Damit war für die 50-Jährige kein Platz mehr in der Ratsversammlung. Dennoch möchte sie weiter aktiv Stadtpolitik betreiben und strebt einen Platz als bürgerliches Mitglied im Bildungsausschuss an. Das sei sie schließlich auch ihren Wählern schuldig, sagt Sabine Mewes.
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