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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 14:23 Uhr

Worthülsen und fehlendes Vertrauen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Propst-Gegner im Gespräch mit unserer Zeitung / Thomas Bergemann nach Wahl-Klatsche bei Synode noch ratlos

shz.de von
erstellt am 22.Mär.2015 | 15:08 Uhr

„Es ist keiner auf die Idee gekommen, es könnte so laufen.“ Thomas Bergemann scheint nicht der Einzige zu sein, der von den Problemen bei seiner Wiederwahl, die erst im zweiten Anlauf – und dann nur haarscharf – klappte, überrascht war. Kirchenkreisrat (KKR; siehe Info-Kasten) und Landeskirche hatten laut Bergemann erwartet: „Es wird flutschen.“ Damit hatten sie die Stimmung in der Synode offenbar völlig falsch eingeschätzt. Haben sich da Leitende von der Basis entfernt? Propst Bergemann zeigt sich einige Tage nach der Synode im Gespräch mit dieser Zeitung ratlos: „Es traut sich keiner aus dem Gebüsch, und dann kann sich nichts ändern.“

Dabei sind die Kritiker nicht schwer zu finden und haben keine Probleme, ihre Vorbehalte zu formulieren. Zum Beispiel Rosmarie Lehmann, Vorsitzende des Kirchengemeinderats in der Elmshorner St. Nikolai Gemeinde: In Elmshorn habe der Propst mit falschen Informationen „Irritationen und Nachfragen“ ausgelöst, beklagt sie. Auch beim Vorzeigeprojekt des Kirchenkreises, dem Kirchlichen Zentrum Elmshorn (KiZE), das neben St. Nikolai entstehen soll, bleibt Lehmann kritisch: „Nur Worthülsen“ habe sie dazu bisher vom Propst gehört. Die Fläche in bester Innenstadtlage habe die Gemeinde dem Kirchenkreis kostenlos überlassen, der Abriss des alten Gemeindehauses ist im Gange, aber: „Wir haben noch keine schriftlichen Vereinbarungen.“

Immerhin: Wenn das neue Kita-Werk seinen Sitz in Elmshorn bekomme, werde die Stadt kirchlich „ein bisschen aufgewertet“, findet Lehmann. In Elmshorn seien noch die Nachwehen der Fusion der Kirchenkreise Rantzau und Münsterdorf zu spüren; Elmshorn verlor dabei einen Propstensitz und die kirchliche Verwaltungszentrale.

Spätfolgen des Zusammenschlusses – den er bei seinem Dienstantritt 2006 als fertigen Beschluss vorfand – mag Propst Thomas Bergemann in seinem Kirchenkreis nicht erkennen: „Ich glaube, dass die Fusion verdaut ist.“ Trotzdem will er Elmshorn stärker bedenken: Seine Stellvertreterin – die Stelle wird in wenigen Wochen ausgeschrieben – soll ihren Dienstsitz in Elmshorn nehmen, er selbst will dort im KiZE ein Büro beziehen. Sein Hauptsitz wird allerdings weiterhin in Itzehoe bleiben. Warum dieser Spagat, wenn doch der Kirchenkreis erfolgreich vereinigt ist?

Der Elmshorner Günter Szameitpreiks, Präses der Synode, vermutet viele verschiedene Gründe für die Nein-Stimmen bei der Wahl. Einer davon ist der Gegensatz zwischen dem städtisch geprägten ehemaligen Rantzau und Münsterdorf mit seiner „konservativen, vielleicht sogar bäuerlichen“ Struktur. Aber auch die Elmshorner Synodalen seien „nicht alle einer Meinung“, betont Szameitpreiks. Seine Konsequenz aus dem Wahlergebnis: „Vor allem die Gremien müssen das durchdenken.“

Hinnerk Egge ist Bürgermeister in Rade, einem kleinen Dorf im Nordosten des Kreises Steinburg, und Synodaler sowohl im Kirchenkreis als auch in der Nordkirche. Er hat in beiden Wahlgängen mit Nein gestimmt. Egges Liste der Kritikpunkte ist lang. Der pensionierte Behördenleiter vermisst zum Beispiel in der Kirchenkreisverwaltung moderne Managementinstrumente wie Nutzwertanalysen, Mitarbeiterbefragungen oder Qualitätsmanagement: „Das ist nicht in der Leitung verankert“, sprich: beim Propst.

Der zeigt sich selbst unzufrieden: „Die Verwaltung läuft nicht so rund, wie wir uns das wünschen würden“, sagt Bergemann. Er leitet zwar als Vorsitzender des KKR die Verwaltung, aber Prügel für deren Leistung sieht er bei sich trotzdem falsch adressiert: „Das hat nichts mit der Synode zu tun.“ Allerdings sitzt der Propst qua Amt im KKR, und zwar mindestens als Zweiter Vorsitzender; also hätte eine Abwahl Bergemanns auch Folgen an der Spitze der Kirchenkreisverwaltung gezeigt.

Propst Bergemann äußert sich gern öffentlich zu gesellschaftlichen Themen; das gehört nach Egges Ansicht nicht zu seinen Aufgaben: „Die Gemeindemitglieder zahlen nicht dafür Kirchensteuern, dass die Kirche Aufgaben politischer Parteien übernimmt.“ Das sieht Bergemann anders: „Wir müssen Themen besetzen.“ Als Sprachrohr benutzt er den Kirchenkreis-Newsletter: „Ich hau’ da gern mal politische Themen ’raus.“ Im Herbst hat er beim „Raushauen“ den Bauern auf die Füße getreten, als er sich über Missstände in der Schweinehaltung äußerte. Die empörten Bauern sollen nun auf hoher Ebene beschwichtigt werden: In dieser Woche wird es ein Treffen zwischen Propst, Bischof und Werner Schwarz geben, dem Präsidenten des Landesbauernverbands.

Eine Wahl ist immer eine höchst persönliche Angelegenheit: Die Entscheidung, ob die Persönlichkeit des Kandidaten zum Amt passt, trifft jeder Stimmberechtigte für sich. Vielleicht tun sich die Synodalen auch darum schwer mit einem Propst, der sein Gegenüber mit Jovialität überschüttet, im Gespräch oft über seine eigenen Formulierungen lacht, sich griffig bis flapsig ausdrückt, zwei gleichgeschlechtlichen Paaren den kirchlichen Segen gab und gern Motorrad fährt. Der seine Leidenschaft für Diakonie in Rantzau-Münsterdorf nach eigener Einschätzung „mit Schmackes, Überzeugung und Druck durchgesetzt“ hat. Bergemann-Kritiker Hinnerk Egge resümiert: „Ich hätte gern mehr Vertrauen in ihn.“

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