Tote Kälber : Wolfsangriffe in Rethwisch?

Rinderhaltung in der Feldmark zwischen Rethwisch, Hohenfelde und Westerhorn: Andrea und Klaus Otto Magnussen befürchten weitere Angriffe auf ihre Kälber oder ihre Schafe, die ebenfalls auf den abgelegenen Weiden laufen.
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Rinderhaltung in der Feldmark zwischen Rethwisch, Hohenfelde und Westerhorn: Andrea und Klaus Otto Magnussen befürchten weitere Angriffe auf ihre Kälber oder ihre Schafe, die ebenfalls auf den abgelegenen Weiden laufen.

Landwirt Klaus Otto Magnussen glaubt, auf seinen Koppeln zwei Kälber an einen wolfsähnlichen Räuber verloren zu haben. Die Behörden untersuchen die Fälle noch.

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13. Juni 2018, 15:37 Uhr

Die Bilder, die Klaus Otto Magnussen auf seinem Smartphone zeigt, sind nichts für empfindliche Gemüter: Sie zeigen zwei tote Kälber, die regelrecht auseinander gerissen wurden. Bei einem Tier fehlen beide Hinterläufe. Beim anderen wurden Brustkorb und Bauch geöffnet, die inneren Organe angefressen. Beide Kälber hat der Landwirt aus Rethwisch in den vergangenen Wochen tot auf seinen Weiden gefunden. Er glaubt, dass ein Wolf oder ein wolfsähnliches Tier die Rinder getötet hat. Es wäre der erste entsprechende Fall im Kreis Steinburg. Untersuchungen laufen noch, eindeutige Ergebnisse gibt es bisher nicht.

„So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Magnussen. 200 Rinder hält der Landwirt. Seine Kälber kommen unter freiem Himmel zur Welt und bleiben mit ihren Müttern auf der Koppel. Mutterkuhhaltung heißt das in der Fachsprache. Mindestens zweimal am Tag sieht der Bauer nach den Tieren. Früh morgens am 8. Mai fand er bei seiner Kontrollrunde das erste tote Kalb. Es war erst wenige Stunden zuvor geboren worden, sagt Magnussen. Nun war es bereits tot und offensichtlich von einem Raubtier angefressen worden.

Das zweite Kalb war deutlich größer: Einen fünf Wochen alten Bullen fand Magnussen am 5. Juni ebenfalls tot auf der Weide. Auch in diesem Fall wies der Kadaver massive Beschädigungen auf. In beiden Fällen informierte Magnussen die Behörden, nahm aber auch selbst Proben, die er zur Gen-Analyse an ein Hamburger Labor schickte. Während vom zweiten Fall noch keine Ergebnisse vorliegen, wies das Labor im ersten Fall „mit Sicherheit eine Beteiligung eines Vertreters der Canidae“ nach. Zu den Canidae (Hundeartige) zählen Zoologen neben Wolf und Haushund auch Füchse, Marderhunde und weitere verwandte Tierarten. Es gebe zwar genetische Übereinstimmungen der Proben mit dem Wolf, so das Gutachten, das unserer Zeitung vorliegt, aber auch mit Haushunden. Grundsätzlich lasse das Material keine eindeutige Zuordnung zu. Für Magnussen ist der Fall trotzdem klar: Der Landwirt glaubt an einen Angriff eines wildlebenden Wolfhybriden, eines Mischlings zwischen Wolf und Hund. „Einem Fuchs fehlt schlicht die Kraft, um so etwas zu tun“, sagt der Landwirt und verweist auf die „geknackten“ Rippen und die mehrere Kilo schweren Hinterbeine, die komplett verschwunden sind. Und einen wildernden Haushund schließt der Bauer aufgrund der Abgelegenheit seiner Felder ebenfalls aus.

Für das Kieler Umwelt- und Landwirtschaftsministerium ist dagegen noch alles offen. In beiden Fällen war ein Wolfsbetreuer des Landes vor Ort, die Kadaver werden im Landeslabor in Neumünster untersucht. Es sei zu früh, um eine Einschätzung vorzunehmen, sagt Sprecher Joschka Knuth. So sei beispielsweise nicht auszuschließen, dass Füchse das möglicherweise tot geborene Kalb vom 8. Mai angefressen hätten. Auch eine Beteiligung eines Haushundes sei möglich. Betrachtet werden daher nicht nur Genproben, sondern auch die „Rissumstände“. Die Kadaver werden veterinär-pathologischen Untersuchungen unterzogen. Ergebnisse erwarte man in den kommenden Wochen.

Landwirt Magnussen befürchtet weitere Angriffe auf seine Tiere. „Wenn das wieder vorkommt, stellt es unsere ganze Haltungsform in Frage“, sagt Magnussen. Eine wolfssichere Einfriedung seiner Weiden sei trotz möglicher Hilfen des Landes bei 200 Rindern, knapp 200 Schafen und 80 Hektar Grünland „finanziell und arbeitsmäßig“ nicht zu leisten. Ihn und seine Frau Andrea beschäftigen aber nicht nur die Sorgen um ihr Vieh. „Unsere jüngste Tochter ist sieben Jahre alt“, sagt die Bäuerin. „Die lasse ich im Moment auch nicht alleine in die Nähe unserer Weiden.“

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