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Obdachlosenunterkunft : Wohnraum für die Ärmsten

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Versteckt hinter Büschen liegen die Notquartiere an der Stadtstraße in Glückstadt. Bis zu zehn Menschen ziehen dort pro Jahr ein. Allerdings ist nicht mehr alles auf dem neusten Stand.

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erstellt am 29.Sep.2014 | 11:14 Uhr

Die Unterkünfte für diejenigen, die sonst kein Dach über dem Kopf haben, liegen unscheinbar in Sichtweite des Ortsschildes am Rande der Stadt: Drei kleine Backsteinbauten an der Stadtstraße, die, verborgen hinter üppigen Büschen, kaum auffallen. In ihnen bringt die Verwaltung Menschen unter, die sich in einer sozialen Notlage an die Stadt wenden und keine andere Bleibe bekommen können. Obdachlosenhilfe gehört zu den gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben der Kommunen.

Zwölf unterschiedlich große Räume stehen zur Verfügung. Manche sind nur wenige Quadratmeter groß. Sie bieten gerade genug Platz, um sich einmal darin umzudrehen. Andere sind etwas geräumiger. Die Ausstattung ist sehr einfach. Der amtsdeutsche Begriff „Schlichtwohnungen“ beschreibt die Zimmer treffend: Es gibt lediglich ein Waschbecken mit Kaltwasseranschluss und einen Ofen. Für Möbel sind die Bewohner selbst zuständig. Zwei Gemeinschaftsduschen und insgesamt vier Toiletten müssen sie sich teilen.

Für die Vergabe der Unterkünfte ist im Rathaus Tanja Schmidt zuständig. Bedarf besteht, wenn auch in überschaubarem Maße: Etwa zehn Ein- und Auszüge pro Jahr bearbeitet Schmidt. Die Bewohner sind überwiegend allein stehende Männer – selten auch Paare oder Familien. „Die Zahl der Anfragen ist sehr schwankend und nicht vorher berechenbar. Manche stehen hier einfach mit dem Koffer in der Hand vor der Tür“, berichtet Schmidt. „Sie haben ihre bisherige Wohnung verloren, weil sie die Miete nicht bezahlen konnten. Andere sind richtige Wanderleute auf der Durchreise, die nur für kurze Zeit bleiben wollen.“ In Notfällen werden auch Asylbewerber kurzzeitig an der Stadtstraße untergebracht, wenn kein anderer Wohnraum verfügbar ist.

Im Schnitt werden die Unterkünfte für Zeiträume zwischen wenigen Monaten und bis zu einem Jahr vergeben. Selten kommt es vor, dass jemand länger dort wohnt. Tanja Schmidt unterstützt die Wohnungssuche mit Vermieterlisten. „Einige Menschen finden aber einfach keinen Vermieter, möchten aber gerne am Ort bleiben.“

Die Kosten für die Unterbringung begleicht laut Schmidt oft das Jobcenter. Knapp neun Euro Miete pro Quadratmeter im Monat nimmt die Stadt für die Unterkünfte. Hinzu kommt eine Pauschale von 40 Euro für Strom pro Wohneinheit.

Die Stadtverwaltung möchte die Obdachlosenunterkunft in naher Zukunft sanieren. Bauamtsleiter Dr. Lüder Busch: „Wir sehen keine Anzeichen für einen steigenden Bedarf an Räumen in den nächsten Jahren. Die vorhandenen Unterkünfte sind ausreichend, um die Obdachlosenhilfe in Glückstadt abzudecken. Aber sie sind stark sanierungsbedürftig.“

Die Häuser wurden in zwei Schritten Anfang der achtziger und Anfang der neunziger Jahre errichtet worden, sind also über 30 beziehungsweise 20 Jahre alt. Besonders die sanitären Anlagen, die Heizungsvorrichtungen und die Fenster sind nicht mehr zeitgemäß.

Die Unterkünfte verfügen über keine Zentralheizung, sondern über so genannte Feststofföfen, die mit Kohle oder Holz befeuert werden können. Sie waren ursprünglich sowohl zum Kochen als auch zum Heizen gedacht. „Die Bewohner benutzen sie aber nicht mehr“, erklärt Esther Patyk, die im Bauamt für den Erhalt der Gebäude zuständig ist. „Viele wissen heute gar nicht mehr, wie die Öfen funktionieren. Stattdessen werden Heizlüfter und elektrische Kochplatten verwendet, die es günstig zu kaufen gibt. Vom Energieverbrauch her ist das aber sehr ungünstig.“

Auch die Gemeinschaftsduschen und -toiletten werden als problematisch eingeschätzt. Sie seien sehr beengt und die hygienischen Verhältnisse nur mit Mühe zu erhalten, heißt es im Rathaus. Zudem gehe auch dort viel Energie durch die baulichen Verhältnisse verloren. Mit neuen Fenstern und dem Einbau einer Zentralheizung könnte nicht nur viel Energie gespart werden, sondern auch der Schimmelbildung vorgebeugt werden.

Das städtische Bauamt strebt daher eine Komplettsanierung der Häuser an. „Wir könnten gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen“, so Esther Patyk. Erste konkrete Planungen für einen Umbau liegen bereits vor. Nun muss die Politik entscheiden, ob und wann die dafür notwendigen Gelder im Haushalt zur Verfügung gestellt werden.

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