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Norddeutsche Rundschau

17. Oktober 2017 | 17:56 Uhr

Flüchtlinge : Wohnraum dringend gesucht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zahl der Asylbewerber übersteigt die 300er-Grenze. Innenminister orientiert sich im Kreishaus über die Situation.

shz.de von
erstellt am 05.Nov.2014 | 12:08 Uhr

Die von Landrat Torsten Wendt präsentierte Tabelle sagt fast alles: 2006 zählte man im Kreis Steinburg gerade einmal 16 Asylbewerber, aktuell sind es 302. Tendenz weiter steigend. Bis zum Jahresende rechnet man mit 350. Hinter diesen Zahlen stehen menschliche Schicksale. Und jedem einzelnen wollen die Akteure gerecht werden. Das machte gestern auch Innenministern Stefan Studt bei einem Besuch im Kreishaus deutlich: „Die humanitäre Hilfe steht über allem.“ Das Land könne dabei nur versuchen, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Die konkrete Hilfe vor Ort muss der Kreis mit den Stadt- und Amtsverwaltungen leisten.

Im Gespräch mit dem Minister machten Torsten Wendt, Dezernent Dr. Hans Treinies, Ordnungsamtsleiter Dieter Pape und der Chef der Steinburger Ausländerbehörde Peter Pfahl allerdings deutlich, dass die dezentralen Aufnahmekapazitäten im Kreisgebiet zur Neige gehen. „Im Amtsbereich Schenefeld, aber auch in der Kreisstadt selbst wird es schon schwierig, geeigneten Wohnraum zu finden“, sagte der Verwaltungschef und schloss gleich einen dringenden Appell an: „Stellen Sie uns Wohnraum zur Verfügung und melden Sie sich bitte bei den Amtsverwaltungen!“ Hoch willkommen seien auch alldiejenigen, die sich bei der Betreuung der Asylsuchenden ehrenamtlich engagieren möchten.

Beide Aufrufe konnte Innenminister Stefan Studt nur unterstützen. Gemeinsam mit Torsten Wendt warb er allerdings auch um Verständnis, wenn vieles noch nicht optimal funktioniere. So müsse zusätzliches Personal in der zentralen Aufnahmestelle erst einmal qualifiziert werden. Und auch der Landrat räumte ein: „Es läuft noch nicht alles rund.“

Geplant sei allerdings eine personelle Erweiterung in der Steinburger Verwaltung. Dann, so fügte Dr. Hans Treinies hinzu, könnten dort auch alle Fäden in Form einer Art Netzwerk zusammenlaufen. Dieter Pape zur Zielsetzung: „Wir wollen bei dem Thema endlich wieder agieren und nicht nur reagieren.“ Ein von allen Sprechern herausgestellter wichtiger Baustein ist die Entwicklung einer besonderen Willkommenskultur. Auch in diesem Bereich sei vieles im Werden, sagte Torsten Wendt mit Hinweis auf bevorstehende Beratungen im Kreistag. Peter Pfahl weiß, dass ein gutes Klima schon mit Kleinigkeiten zu schaffen ist: „Ganz wichtig ist es, dass wir die Menschen offen empfangen und ein Vertrauensverhältnis schaffen können.“ Das fängt mit vielen kleinen Schritten an. So könnte die Ausländerbehörde auch in ein Amt für Integration umbenannt werden. Und auch an der Verständigung wird gearbeitet. Eine Mitarbeiterin mache gerade einen Fortbildungskurs in englisch. Und für den Notfall liegt ein Wörterbuch ohne Worte bereit. Wenn auch mit Bildern keine Verständigung mehr möglich ist, gehe es laut Peter Pfahl notfalls auch mit Händen und Füßen. Ein schwierigen Fällen wird ein Dolmetscher hinzugezogen. Dr. Treinies machte an einem weiteren Beispiel deutlich, wie sensibel man als Verwaltung auf die Menschen zu gehen wolle. So könne es bei größeren Familien schon zu Missverständnissen kommen, wenn sie in mehreren Touren zu ihrer Unterkunft gebracht und sie so zeitweise getrennt werden. „Dann müssen wir eben einen Bus anschaffen.“

Einig sind sich alle Akteure, dass das schnelle Erlernen der deutschen Sprache letztlich das A und O ist. Torsten Wendt geht ohnehin davon aus, dass die Masse der Flüchtlinge für sehr lange Zeit – oder sogar für immer - in Deutschland bleiben werde. Ein Problem bleibt, bei allen sonstigen Vorteilen, die dezentrale Unterbringung auch im ländlichen Raum. Minister Studt sprach sich denn auch für Wohnraum möglichst in der Nähe des öffentlichen Personannahverkehrs aus. Abschließend machte Torsten Wendt noch einmal klar, dass es aus seiner Sicht gar keine Alternative zu einer herzlichen Aufnahme geben kann. „Schließlich waren Hamburg und Bremen auch einmal für viele Deutsche das Tor zur Welt. Und alle wurden in ihrer neuen Heimat hervorragend integriert.“

 

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