Wohnen und Arbeiten im alten Gericht

Für das frühere Justizgebäude an der Breitenburger Straße hat sich nach einigen Fehlversuchen eine Nutzung gefunden

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15. März 2013, 03:59 Uhr

itzehoe | Handwerker im alten Landgericht. Endlich. 2004 zog das Gericht um in die frühere Post. Im Oktober 2010 kaufte Kulturhof-Inhaber Sören Zanner die beiden Gebäude an der Breitenburger Straße. Im Westerhof ist schon Einiges passiert, jetzt ist das große Gerichtsgebäude an der Reihe und wird für verschiedene Nutzungen umgebaut.

Im Erdgeschoss soll am 5. August ein auf Kinder spezialisiertes Therapiezentrum für Integrative Frühförderung (IFF) eröffnen, laut Zanner das vierte im Land. Die Lebenshilfe sei mit im Boot, außerdem Praxen für Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie oder auch Heilpädagogik. Auf den knapp 500 Quadratmetern fänden Betroffene dann alle Anlaufstellen gebündelt, so der Eigentümer. "Ich bin froh, dass solche Nutzungen da herein kommen, die den Räumlichkeiten Rechnung tragen." Der Eingang wird noch behindertengerecht gestaltet, bleibt aber ansonsten ebenso erhalten wie die langen Flure - das freut dann auch die Denkmalschützer, denn das frühere Gerichtsgebäude ist als einfaches Denkmal eingestuft.

Oben wird zum einen gelebt: Acht Wohnungen werden auf insgesamt 830 Quadratmetern eingerichtet, teils werden Balkone angebaut. Er bekomme schon schriftliche Bewerbungen, schildert Zanner. Der Bereich der ehemaligen beiden Sitzungssäle wird für Co-Working umgebaut: In zwei Großraumbüros werden dann etwa 20 Arbeits plätze angeboten, die voll, aber auch halbtags oder stundenweise gemietet werden können. Die Büro-Infrastruktur wird vorgehalten, ebenso für die gemeinsame Nutzung Teeküche, Geräte, Lounge-Bereich und Besprechungsraum. Angesprochen werden damit Freiberufler, kleine Start-up-Unternehmen oder Heimarbeiter. Ein voller Platz werde im Monat etwa 200 Euro kosten, sagt Zanner.

Der 43-Jährige ist überzeugt: "Das hat viele Vorteile für jemanden, der sich dort einmietet." Netzwerke könnten geschaffen werden, Co-Working sei gut für Auftragslage und Umsatz. In Großstädten funktioniere das längst, anfangs habe er allerdings Bedenken gehabt, ob eine Stadt wie Itzehoe innovativ genug dafür sei. Nun nicht mehr: Bisher habe er zu dem Thema nur laut gedacht, "aber ich habe eine so hohe Resonanz, dass ich gar keine Sorge habe". Hinzu komme sein eigenes Netzwerk durch den Kulturhof. Am 1. November soll die Einrichtung eröffnet werden.

All das ist genehmigt, und das ist durchaus eine Nachricht: "Es ist quasi die dritte Nutzungsidee, die nun realisiert wird", sagt Zanner. Aus einer Musik-Akademie mit Wohnheim im früheren Gerichtsgebäude wurde aus baurechtlichen Gründen nichts, die Planung für ein Wohnprojekt dauerte zu lange, die Gruppe sprang ab. Weil der Denkmalschutz den Anbau von Balkonen in Richtung Westerhof untersagt, passten die aktuellen Pläne perfekt.

Auch in der alten de-Vos-Villa geht die Entwicklung weiter. Unten wohnt Zanner mit Familie, oben sind drei von fünf Wohnungen ausgebaut. Der Rest folgt, wenn das Schieferdach erneuert ist. Das ist für den Sommer geplant.

Mehr Infos unter info@kulturhof-itzehoe.de.

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