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Norddeutsche Rundschau

14. Dezember 2017 | 14:59 Uhr

Bauplanung : Wohnen direkt am Friedhof

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Direkt neben dem Friedhof an der Neuen Reihe in Kremperheide sollen Wohnhäuser entstehen – sehr zum Ärger einiger Anwohner. Sie fordern eine Alternative für die Fläche.

shz.de von
erstellt am 03.Sep.2014 | 05:09 Uhr

Für Michaela Wieck ist klar: „Da kann man doch nicht wohnen.“ Gemeint sind die Flächen links und rechts neben dem Parkplatz des Friedhofs an der Neuen Reihe. Aber genau dort, so plant es die Gemeinde Kremperheide, soll ein Baugebiet für Reihenhäuser (rechts vom Parkplatz) und Doppel-, beziehungsweise Einzelhaus (links) ausgewiesen werden. Gemeinsam mit weiteren Anwohnern haben Michaela Wieck und ihr Mann Martin fristgerecht einen Einspruch gegen die ausgelegte Änderung des Flächennutzungsplans und den Bebauungsplan eingereicht. Ob die darin aufgeführten Anregungen Gehör finden, bleibt fraglich. Rechtlich ist das Vorhaben kaum in Frage zu stellen.

Die Familie Wieck sowie Betty und Günter Brandt und weitere Anwohner setzen eher auf Pietät – und auf gesunden Menschenverstand. Zumal direkt über dem Parkplatz eine 110-KV-Überlandleitung verläuft. „Nach Auskunft des Energieversorgers ist ein Abstand von zehn Metern zu bebauten Flächen ausreichend“, erklärt Michaela Wieck. Sie hat allerdings inzwischen verschiedene andere Quellen gefunden, die einen deutlich höheren Abstand empfehlen. „So sind im näheren Umfeld besagter Stromtrasse in den letzten Jahren mehr als 14 Krebsfälle bekannt geworden. Ein direkter Zusammenhang ist aus heutiger Sicht, wenn überhaupt, sicherlich nur sehr schwer nachzuweisen. Die starke Anhäufung der Fälle innerhalb dieses kleinen Gebietes ist allerdings sehr beunruhigend“, heißt es in dem Schreiben, mit dem sich die Anwohner an das Planungsbüro Scharlippe in Aukrug wenden.

Zumal in der Umgebung bereits „diverse Gebiete zur Bebauung zur Verfügung“ stünden. „Deshalb besteht nach unserer Einschätzung die Gefahr, dass die Nachfrage nach derart offensichtlich ‚belasteten‘ Grundstücken nur sehr eingeschränkt vorhanden ist und aufgeklärte Käufer an anderen Stellen nach Alternativen suchen.“

Und die betroffenen Anwohner haben auch schon einen Plan B für die freien Flächen. „Es gibt genug andere Möglichkeiten, die freien Flächen schöner zu nutzen“, sagt Michaela Wieck. Und auch der wirtschaftliche Aspekt findet bei ihren Überlegungen Berücksichtigung. „Ich habe Friedhöfe bereist und mit Bestattern telefoniert. Ich bin inzwischen richtige Expertin“, sagt Michaela Wieck schmunzelnd. Das Ergebnis: Baumbestattung. Diese Art sei inzwischen sehr populär geworden. Und beispielsweise die Friedhofsverwaltung Brunnenstraße sowie der Waldfriedhof Itzehoe verzeichneten einen starken Anstieg. „Aufgrund der im Verhältnis für die Angehörigen günstigen Kosten sowie einer einfacheren Pflege, besteht für diese Art eine hohe Nachfrage“, heißt es in dem Einspruch der Anwohner. Vielleicht biete sich auch die Möglichkeit durch Verpachtung der Fläche direkt an einen Bestatter. „Auf diese Weise gibt es sicherlich viele Möglichkeiten, die Flächen so zu nutzen, dass der Friedhof langfristig seinen eigentlichen Sinn und Zweck auch wirtschaftlich erfüllt.“

Sven Baumann sind die „Vorbehalte einiger Anwohner“ bekannt. Um die Öffentlichkeit frühzeitig an dem Vorhaben zu beteiligen, habe man bereits im Juni zur Informationsveranstaltung geladen, berichtet Kremperheides Bürgermeister, der selbstverständlich allen das Recht zugesteht, ihre Bedenken vorzutragen. Die Entscheidung, dort Wohnbebauung auszuweisen, beruhe allerdings auf klaren Fakten. „Für den Friedhofsbetrieb werden die Flächen nicht mehr benötigt. Zudem kostet die Unterhaltung Geld, auch wenn es nur eine Wiese ist“, erklärt Baumann. Ohnehin müssten die angrenzenden Gemeinden für das jährliche Defizit des Friedhofs aufkommen – und das liege zwischen 25 000 und 30 000 Euro.

Die Idee, den Friedhofsbetrieb zu ändern und ein neues Konzept der Bestattung anzubieten, werde bereits diskutiert. „Aber es sind so oder so ausreichend Flächen vorhanden“, sagt der Bürgermeister. Für die Bebauung der Flächen wolle man sich die Planungen weitgehend offen halten. Ob dort Einzel-, Doppel- oder Reihenhäuser entstehen, die verkauft oder vermietet würden, soll später entwickelt werden.

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