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Wohnen im Alter : Wohlfühlkonzept stärkt Senioren

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

In der kreisweit ersten Wohngemeinschaft für Demenzkranke in Lägerdorf wird Rundum-Betreuung garantiert.

von
erstellt am 23.Dez.2015 | 17:06 Uhr

Ein schön geschmückter Tannenbaum ziert den Gemeinschaftsraum, überall in den Fluren und der Küche hängen Sterne und andere Basteleien, die weihnachtliche Stimmung verbreiten. Sieben Senioren, die in der Demenz-Seniorenwohngemeinschaft „Vergissmeinnicht“ in Lägerdorf leben, haben sie gemeinsam angefertigt. Die einzige Wohngemeinschaft (WG) dieser Art im Kreis.

Zum zweiten Mal feiern die Senioren gemeinsam Weihnachten, seit März 2014 gibt es die Wohngemeinschaft „Vergissmeinnicht“ im „Haus am Kamp“ in der Bergstraße 4, erzählt Jochen Marx, Geschäftsführer Pflegebereich beim KBS Pflegeteam Sabine Marx GmbH, das seinen Stützpunkt Lägerdorf im selben Gebäude hat. „Seit über 20 Jahren sind wir in der ambulanten Pflege in Osterhorn tätig.“ Auf der Suche nach einer Alternative für Heimaufenthalte von demenzkranken Menschen, reifte eine eigene Idee – weg von herkömmlichen betreuten Wohneinrichtungen, wo bei steigendem Pflegebedarf der Heimaufenthalt doch unausweichlich wäre. Und hin zu einer Wohngemeinschaft für Demenzkranke mit zwar teurerer, aber auch umfassenderer Betreuung, zugeschnitten auf die Bedürfnisse der betroffenen Senioren.

„Uns wurde dieses Gebäude angeboten“, so Jochen Marx weiter, und die Idee nahm Gestalt an. Die alten Räume des ehemaligen Lägerdorfer Heimatmuseums wurden umgebaut und für eine Wohngemeinschaft hergerichtet, die heute einen sehr familiären Charakter hat.

Die sieben Bewohner werden rund um die Uhr von sechs Präsenzkräften betreut, unterstützt vom Pflegeteam. Ein Konzept, das sich bewährt hat – und von Beginn an nah an den Demenzkranken umgesetzt wurde, in enger Zusammenarbeit von den Mitarbeitern und den Angehörigen, die sich nach eigenem Ermessen einbringen können. Letztere sind in einer starken Position bei der Mitbestimmung, bilden eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts.

Die erste, die in die WG einzog, war Christel Kühl. Wie ihre Mitbewohner hat die 78-Jährige ein eigenes Zimmer mit Balkon. „Ja, es ist schön hier“, sagt sie lächelnd – und auch Tochter Silvia Huckfeldt ist begeistert. Dass ihre Mutter in die Wohngemeinschaft gezogen ist, tue der ganzen Familie gut. „Ich habe hier nicht das Gefühl, meine Mutter ins Heim abgeschoben zu haben. Und ich weiß, dass ich ihr zu Hause auch nicht genügen würde“, erzählt Silvia Huckfeldt. „Hier weiß ich genau, sie wird nicht in eine Ecke gesetzt und mit Medikamenten ruhig gestellt.“

Ihre Mutter hat sich ihr Zimmer selbst eingerichtet, bereitet das Mittagessen mit zu und hat gesundheitlich beachtliche Fortschritte gemacht. In der WG werde sich gekümmert, in ihrer früheren Wohnung allein wäre ihre Mutter nicht mehr zurecht gekommen. Da ist sich Silvia Huckfeldt sicher, sie denkt dabei an die Anfänge der Demenzerkrankung. Ihre Mutter aus dieser Umgebung wieder herauszureißen, wäre fatal.

In der Wohngemeinschaft hat Christel Kühl die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, wann immer sie will. Genauso steht ihr offen, in der Gemeinschaft mitzuwirken, je nach Fähigkeiten – immer unterstützt von der Präsenzkraft. „Es ist sinnvoll, sich Zeit zu nehmen, und dem Menschen zu assistieren“, sagt Jochen Marx. Wichtig sei dabei möglichst personelle Konstanz zu sichern. Das gebe den Bewohnern Stabilität und wirke sich deutlich positiv aus.

Auch der Kontakt zu anderen Bewohnern im Gebäude sei gut, einige besuchen sich gegenseitig. Ein Treffpunkt ist im Erdgeschoss der „Muckelraum“ zum Wohlfühlen für die gesamte Hausgemeinschaft. Dort gab es am vergangenen Wochenende eine Weihnachtsfeier, zu der der Weihnachtsmann kam – fast jeder Bewohner ein Gedicht aufgesagt, Weihnachtslieder wurden gesungen.

Beliebtester Ort in der Wohngemeinschaft aber ist die Küche. Dort stellen die Bewohner auch ihren eigenen Speiseplan gemeinsam zusammen, wobei sowohl Rezepte der Mitarbeiter als auch der Senioren gekocht werden. Heute stehen dreierlei Fleischsorten mit Beilagen als Menü auf der Karte, morgen wird es Ente geben. Und wer weiß – vielleicht lässt das Wetter ja ein Päuschen auf der Dachterrasse zu. Mit Blick auf den neu gestalteten Gartenbereich für die Wohngemeinschaft.

 
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Infos: www.kbs.li.

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