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Norddeutsche Rundschau

25. November 2017 | 03:12 Uhr

Itzehoe : Wohin mit Oma in den Ferien?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein Urlaub ist für Menschen, die Angehörige pflegen, schwierig zu organisieren – Hilfsangebote gibt es, aber die Zahl der Plätze ist oft begrenzt.

Für Arbeitnehmer ist es in der Regel selbstverständlich, im Sommer ein paar Wochen Urlaub zu machen. Für diejenigen, die zu Hause Oma oder Opa pflegen, ist das dagegen in der Regel nicht so einfach. „Das muss vorher alles sehr langfristig geplant werden“, sagt Kerstin Detlev. Die 54-jährige Betriebswirtin aus Itzehoe pflegt seit einigen Jahren ihre Mutter. Schwindel und Demenz lassen nicht mehr zu, dass die 90-jährige Erika Detlev alleine bleibt. An Werktagen geht sie in die Tagespflege im Seniorenzentrum Olendeel, doch abends und an den Wochenenden ist sie auf die Hilfe ihrer Tochter angewiesen.

Für sie und andere pflegende Angehörige haben viele Itzehoer Altenheime tatsächlich ein Ferien-Angebot: Im Rahmen der sogenannten Kurzzeit- oder Verhinderungspflege können die Pflegebedürftigen für begrenzte Zeit in den Einrichtungen einquartiert werden.

Bei Personen mit Pflegegrad übernimmt nach Angaben von Olendeel-Leiterin Gabriele Medewitz die Krankenkasse die Kosten, dazu kommt ein Eigenanteil von circa 25 Euro pro Tag. Bis zu acht Wochen könnten die Betreffenden auf diese Weise versorgt werden. „Theoretisch ist die Unterbringung auch länger möglich, dann muss man aber selbst zahlen“, so Medewitz.

Einen der wenigen Plätze zu ergattern, ist allerdings schwierig. „Auf Langzeit-Urlaube verzichte ich deshalb in der Regel, ich nehme höchstens mal drei oder vier Tage“, sagt Kerstin Detlev. Dann sei es einfacher, einen Platz zu bekommen.

Im Olendeel gibt es schon jetzt Anmeldungen bis Januar. Gabriele Medewitz empfiehlt, rechtzeitig Kontakt aufzunehmen. Spontan nach dem Motto „Wir fahren nächste Woche los“ sei in aller Regel schwierig.

Erika Detlev war schon mehrere Male für jeweils ein paar Tage zur Kurzzeitpflege im Olendeel – während ihre Tochter selbst einmal durchatmen konnte. „Wenn alles klappt und die Pflegenden selbst auch mitspielen, ist das eine gute Sache.“

Brauchen Oma oder Opa keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung, kann auch ein ambulanter Pflegedienst helfen, die Ferien zu überbrücken. Alle Anbieter haben in der Regel entsprechende Angebote parat. Auch in diesem Bereich ist laut Gerhard Boll, Leiter der DRK-Schwesternschaft mobil, die Nachfrage hoch. Er empfiehlt den Angehörigen, etwa zwei bis vier Wochen vor Urlaubsantritt anzufragen.

Bei der DRK-Schwesternschaft wird dann in einem Beratungsgespräch geklärt, welche Leistungen nötig sind. Braucht der Betreffende jemanden für die Körperpflege oder nur eine Einkaufshilfe? Ist der Besuch nur alle paar Tage oder sogar mehrmals am Tag notwendig? „Das vereinbart man alles ganz individuell.“ Für Personen, die schon mindestens sechs Monate einen Pflegegrad haben, übernimmt die Kasse laut Boll die Kosten für bis zu 28 Tage.

Wem die kurzen Besuche der Pflegedienste nicht ausreichen, für den bleibt die Möglichkeit, einen „Hausengel“ als ganztägige Betreuungskraft zu engagieren. Wem es weniger um die Pflege, sondern eher um die Sicherheit der Senioren geht, der kann auf einen Rufhilfe-Service zurückgreifen, bei dem im Notfall per Knopfdruck Hilfe angefordert werden kann. Schließlich bleiben Nachbarn oder Verwandte, die vielleicht bereit sind einzuspringen, um den Pflegenden eine Verschnaufpause zu gönnen.

Viele Angehörige tun sich allerdings schwer, eines dieser Angebote zu nutzen. Bei der Kurzzeitpflege hätten zum Beispiel viele ein schlechtes Gewissen, weil sie Oma „abgeben“ würden, sagt Gabriele Medewitz. „Das legt sich aber schnell, wenn sie merken, wie gut alles klappt und wie wohl sich die Angehörigen fühlen.“ Daher ermuntert sie dazu, Hilfen anzunehmen: „Es ist für pflegende Angehörige wichtig, auch mal eine Auszeit zu nehmen.“

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