zur Navigation springen

urteil : Wodka gestohlen – knapp an der Haft vorbei

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein junger Itzehoer stiehlt Wodka, wird erwischt, wehrt sich rabiat. Das Amtsgericht schickt ihn in Haft, die nächste Instanz gibt Bewährung.

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2013 | 05:00 Uhr

Es ging nur um eine entwendete Flasche Wodka im Wert von 4,99 Euro. Doch die wollte ein Itzehoer (25) nicht wieder herausgeben und wehrte sich. So wurde aus einem einfachen ein räuberischer Diebstahl. Das Amtsgericht sah in der Tat zwar nur einen minder schweren Fall, dafür brachte der Angeklagte reichlich Vorstrafen mit. Das Urteil: neun Monate Haft. Der Itzehoer ging in die Berufung – und vor dem Landgericht bekam er nun die angestrebte Bewährung.


Geständnis erst am zweiten Verhandlungstag


 

Am ersten Verhandlungstag vor der von Dr. Werner Hinz geleiteten kleinen Strafkammer schwieg der Angeklagte und ließ seine Verteidigerin Katja Münzel reden. Doch zunächst klickten die Handschellen, weil noch ein offener Haftbefehl vorlag gegen den Itzehoer, der im ständigen Wechsel zwischen Heimen und Pflegefamilien aufgewachsen war.

Dann verlas Hinz das amtsgerichtliche Urteil: Danach ließ der Angeklagte am 16. November 2012 in einer Itzehoer Aldi-Filiale eine Flasche Wodka mitgehen. Das hatte eine Verkäuferin (48) gesehen, auch eine Frührentnerin (47) bestätigte die Tat als Zeugin: ,,Ich sah, wie der Angeklagte eine Flasche Schnaps in den Jackenärmel steckte.“ Die Verkäuferin holte zur Verstärkung eine Kollegin (26) und forderte hinter der Kasse den Mann, der auf sie angetrunken wirkte, zur Herausgabe der Flasche auf. Doch der beschimpfte sie, drohte mit Gewalt, drängte zur Tür hinaus. Die 48-Jährige verfolgte und stellte ihn noch einmal. Sie erinnerte sich: ,,Draußen hat er die Faust sehr nah an meinem Gesicht vorbeigezogen, ich wich zurück. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich die Faust abgekriegt hätte, wäre ich nicht zurückgegangen.“ Sie gab auf, aber die zweite Zeugin beobachtete, wie der Itzehoer die Flasche in einer Pflanze versteckte und später wieder hervorholte.

Ein Kumpel des Angeklagten sollte als Entlastungszeuge aussagen, kam aber nicht, weil er in einer Suchtklinik in Schwerin eine Entzugstherapie absolvierte. Er erschien erst, als der Prozess nach knapp zwei Wochen weitergeführt wurde – da aber gab es doch noch ein Geständnis vom Angeklagten.

Richter Hinz und seine Schöffen hielten die neunmonatige Freiheitsstrafe aus dem Urteil des Amtsgerichts aufrecht, zeigten sich aber dennoch milde gestimmt und erfüllten das zentrale Anliegen der Berufung: Die Strafe wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der Itzehoer muss sich einem Bewährungshelfer unterstellen und eine Alkoholentzugstherapie absolvieren. Außerdem hat er 90 Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen