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Heimatverband : Wo Stein gewordene Geschichte lebt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Von der Wanzenburg bis zum Bauernhaus: Das neue Jahrbuch des Steinburger Heimatverbandes widmet sich dem Thema Architektur. Jetzt für 14.90 Euro im Buchhandel.

shz.de von
erstellt am 03.Dez.2013 | 12:30 Uhr

Sie begegnet einem auf Schritt und Tritt, sie prägt ganze Generationen und schreibt mitunter sogar Geschichte: die Architektur. Der Steinburger Heimatverband hat diesem Thema jetzt sein neuestes Jahrbuch gewidmet. Auf rund 430 Seiten – die Schrift wird jedes Jahr umfangreicher – erfährt der Leser spannende Geschichte aus seinem unmittelbaren Lebensumfeld. „Besonders gut ist die Mischung gelungen zwischen Architektur, die noch steht, und Architektur, die inzwischen längst verschwunden ist“, freut sich Kirsten Puymann. Gemeinsam mit Sönke Loebert und Christian Boldt bildet sie das Redaktionsteam. Um Layout und Satztechnik kümmerte sich Claudia Boldt.

„Das ist das Flaggschiff des Heimatverbandes“, lobt Hans Carstens als stellvertretender Vorsitzender die diesjährige Schrift sowie die Fleißarbeit der Herausgeber und der zahlreichen Autoren. Der Kreis Steinburg, so stellt Carstens heraus, verfüge über eine Fülle von historischen Gebäuden, die es zu pflegen und zu erhalten gelte. Einiges ist allerdings auch schon unwiederbringlich verschwunden. Ein Beispiel: Da, wo heute des Polizeihochhaus weithin das Itzehoer Stadtbild prägt, stand noch bis in die 60er Jahre hinein ein von Österreichern erstellter Reitstall. Ein anderes Bauwerk hat zum Glück viele Jahrhunderte überdauert – und beschert den Heimatforschern ganz besondere Glücksmomente. So wurden bei Bauarbeiten an der Schenefelder Bonifatiuskirche Reste einer Feldsteinmauer aus dem 12. Jahrhundert entdeckt. Der Bau des Gotteshauses geht auf Karl den Großen zurück und sollte Fortschritte bei der Christianisierung Nordelbiens bringen. Hölzerne Kirchengebäude hatten sich da als wenig hilfreich erwiesen. Sie waren von heidnischen Bewohnern auch schon mal in Brand gesetzt worden.

Das Glückstädter Provianthaus, die Architekturgeschichte von Haustüren und Portalen ebenfalls in Glückstadt und ein Beitrag zum Thema „Zwischen Grabhügel, Ahnenkult und unbequemem Denkmal über das Itzehoer „Germanengrab“ bilden ebenfalls eine spannende Lektüre. Für viele Leser neu dürfte auch die Geschichte der Itzehoer „Wanzenburg“ sein. Das Mietshaus in der Fischerstraße geriet immer wieder ins Blickfeld der Behörden. Schon 1934 meldete die Baupolizei: Einsturzgefahr, versackte Fußböden, gefährliche Feuerstellen. Kurze Zeit später tauchte für das Haus die eher zynische Bezeichnung „Strandhotel“ auf – wegen der hier oft unfreiwillig „gestrandeten“ Menschen, die mit unzumutbaren Zuständen vorlieb mussten. Am Ende stand das Gebäude 25 Jahre lang auf der Liste der abbruchreifen Häuser. Wegen akuter Einsturzgefahr wurde 1957 schließlich die Zwangsräumung angeordnet. Erst kurz zuvor war in dem einzigen als noch bewohnbar einzustufenden Zimmer noch ein Kind geboren worden.

Sehr viel solider sind da andere Steinburger Bauwerke, bei denen sogar noch berühmte Baumeister ihre Spuren hinterlassen haben. So trägt die Bartholomäuskirche zu Wilster die Handschrift von Ernst Georg Sonnin, der auch für den Hamburger Michel verantwortlich zeichnete. Und der Architekt des berühmten Chilehauses, Fritz Höger, baute auch das Soldatenheim im damaligen Lockstedter Lager. Bauernhäuser in der Marsch und die Geschichte des Borsflether Kirchturms runden ein wiederum gelungenes Jahrbuch ab. Wie sehr Architektur letztlich auch dem Wandel unterworfen ist, wird in einem Beitrag deutlich, in dem der Weg der Gemeinde Neuenbrook von der Land- zur Energiegewinnung aufgezeichnet wird. Wie sehr das Thema Architektur die Menschen bewegen kann, wird an an einer aktuellen Diskussion in der Kreisstadt deutlich. Als der Streit um die Kreishaus-Fassade so richtig hochkochte, war es für einen Beitrag im Jahrbuch aber schon zu spät.

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