Wewelsfleth : Wo Schlange stehen Spaß bringt

Kauft fast täglich bei Annelie Rathjen ein: Gabi Umland (l.) schätzt die Atmosphäre im Dörpsloden.  Fotos: Marschall
1 von 2
Kauft fast täglich bei Annelie Rathjen ein: Gabi Umland (l.) schätzt die Atmosphäre im Dörpsloden. Fotos: Marschall

In Wewelsfleth funktioniert das Konzept mit dem lokalen Angebot des Lebensmitteleinzelhandels.

shz.de von
02. August 2018, 05:00 Uhr

Als 2017 bekannt wurde, dass auch der Dorfladen in Wewelsfleth schließen würde, befürchteten Gemeinde und Kunden, das Dorfsterben könnte nun auch den größten Ort der Wilstermarsch erreicht haben. Verliert ein Dorf seinen örtlichen Laden, verliert es für viele auch an Attraktivität. Als sich aber die Wewelsfletherin Annelie Rathjen kurzfristig bereit erklärte, mit überarbeiteten Konzept Schwung in einen neuen „Dörpsloden“ zu bringen, waren Anwohner und Gemeindevertreter froh.

Seit November 2017 ist der Wewelsflether Dorfladen in neuen Händen, wenn auch nur vorübergehend. Annelie Rathjens Ziel ist es, zu zeigen, dass man auch mit einem kleinen Lebensmittelladen wirtschaftlich arbeiten kann. „Die Verkaufsfläche von 220 Quadratmetern ist ideal für einen Dorfladen“, sagt sie, auch mit Hinblick auf einen Nachfolger, denn Ende 2019 wird sie sich aus Altersgründen aus dem Laden zurückziehen.

Nach eigenen Angaben konnte der Umsatz des „Dörpsloden“ seit seiner Neueröffnung erfreulich gesteigert werden. Und tatsächlich finden sich an der Kasse immer mehr Kunden, auch von außerhalb. Mittlerweile wird der Laden drei bis vier Mal die Woche mit Frischware beliefert. Rathjen und ihr Team aus vier festen Mitarbeitern und einer Aushilfe, legen Wert darauf, dass viele frische Artikel aus der Region angeboten werden. So findet der Kunde Äpfel aus Wewelsfleth, Eier vom Deich, Fleisch von Schlachter Asmussen aus Kremperheide, Erdbeeren aus Kleve und Tomaten aus Glückstadt. Den Großteil des Sortiments aber liefert Edeka.

Dennoch ist der „Dörpsloden“ in seinem Konzept relativ unabhängig von Deutschlands größtem Einzelhändler, was sich nicht nur in den regional bestückten Regalen zeigt, sondern auch in einer Naschecke für die Kleinen, einer Poststelle, einer Lottoannahmestelle sowie einem Regal für handgefertigte Geschenkartikel. Auch das Angebot, Mangelwäsche am Montag bis 16 Uhr abzugeben, um sie binnen einer Woche faltenfrei zurückzubekommen, wird gern angenommen.

Der „Dörpsloden“ liefert, gegen einen kleinen Aufpreis und bei einer Mindestbestellmenge von 20 Euro, von Montag bis Freitag auch nach Hause. Dieses Angebot nähmen vor allem die Älteren gern an, aber auch Berufstätige, die nach der Arbeit nicht auch noch einkaufen gehen wollen. Gerade die Älteren nutzen hierbei die Online-Bestellmöglichkeit. Seit in Wewelsfleth die Sparkasse ihre Filiale schloss und nicht einmal mehr ein Geldautomat zur Verfügung steht, nutzen die Wewelsflether zunehmend die Möglichkeit des Cashback im „Dörpsloden“. Hier kann man bei einem Einkauf via EC-Karte kostenlos Geld vom eigenen Konto abheben. Dabei liegt der Mindesteinkaufswert bei 10 Euro.
„Der Laden muss zu den Kunden passen, nicht umgekehrt“, sagt Rathjen, und spricht damit den größten Vorteil der kleinen Läden gegenüber den Discountern und Supermärkten an. Entgegen landläufiger Meinung auf Seiten von Unternehmensberatern und Betriebswirten, kommt das Dorfladenkonzept bei den Kunden gut an. Hier und da wird sogar bereits vom „Tante-Emma-Laden 2.0“ als künftigem Kultfaktor gesprochen.

Eine treue Kundin im „Dörpsloden“ ist Gabi Umlandt. „Ich kaufe hier fast jeden Tag ein“, sagt sie, und schätzt vor allem die gute Stimmung. Man kennt sich und man schnackt ein wenig. „Hier macht das Schlangestehen richtig Spaß.“


Öffnungszeiten: montags bis freitags von 6.30 bis 12 Uhr und von 14.30 bis 18.30 Uhr sowie sonnabends von 7 bis 12 Uhr und nachmittags noch eine Stunde von 16 bis 17 Uhr geöffnet.

Kontakt: dörpsloden@gmail.de

oder 04829/1225



zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen