Wo gehts zum nächsten Wasserloch?

Pendelt zwischen dem Wasserturm in Hohenlockstedt und Wasserlöchern in Afrika: Safari-Experte Carsten Möhle hat sein Insider-Wissen digitalisiert. Foto: röhrs
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Pendelt zwischen dem Wasserturm in Hohenlockstedt und Wasserlöchern in Afrika: Safari-Experte Carsten Möhle hat sein Insider-Wissen digitalisiert. Foto: röhrs

Abenteuer Wildnis auf moderne Art: Afrika-Experte Carsten Möhle aus Hohenlockstedt entwickelt Handy-Apps für Safari-Urlauber in Namibia

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12. Mai 2012, 08:25 Uhr

hohenlockstedt | Um in der afrikanischen Wüste zu überleben, braucht es Wasser, eine Waffe vielleicht, um sich gegen wilde Tiere zur Wehr zu setzen - oder einfach die neue Afrika-App fürs Handy. Was zu tun ist, wenn Safari-Urlauber in Namibia plötzlich Zahnschmerzen plagen oder der Motor inmitten einer Horde wilder Tiere schlapp macht - ein Hohenlockstedter weiß Rat, damit die Abenteuer-Urlauber nicht als Essen auf Rädern für hungrige Raubkatzen enden.

Carsten Möhle aus Hohenlockstedt hat sein Safari-Wissen digitalisiert. Der 48-Jährige ist ein wandelndes Afrika-Lexikon. Er kennt das Leben der Einheimischen. "Ich sitze abends oft mit den Häuptlingen am Lagerfeuer." Und er lebt das Abenteuer Afrika: Den schwarzen Kontinent erkundete er schon auf unterschiedlichste Weise: per Anhalter fuhr er um den Lake Victoria und paddelte auch schon mit einem selbstgebastelten Einbaum den Kongo herunter. Ob Wasserloch in Etosha oder Wasserturm in Hohenlockstedt - Er fühlt sich an beiden Orten gleichermaßen Zuhause. Deshalb pendelt Möhle seit 1996 zwischen Deutschland und Namibia. Neun Monate im Jahr lebt er in dem südafrikanischen Staat. Dann ist er Bwana Tucke-Tucke. "Bwana" heißt auf Swahili "Herr" und "Tucke-Tucke" steht für die Geräusche unserer Fahrzeuge", erklärt Möhle. Den Namen hat er als Dienstleistungsmarke beim Patentamt eintragen lassen. Er und sein Team bieten geführte Safaris, Expeditionsbegleitung und Selbstfahrerreisen in Afrika südlich des Äquators an. "Dort kenne ich alles wie meine Westentasche."

Davon sollen auch Safari-Urlauber profitieren. Zusammen mit Christoph Aeschlimann vom Namibia-Forum und Tracks4Africa hat er bereits mehrere Apps für Afrika entwickelt, die auf der Homepage www.apps4africa.de kostenlos herunter geladen werden können. Die beiden Afrika-Experten haben Notruf- und Servicenummern für Namibia und Botswana zusammengestellt. Die Liste umfasst Telefonnummern der Polizei, Feuerwehr, Krankenhäuser, Ärzte, Zahnärzte, Werkstätten. Alle Nummern sind nach Land, Ort und Art der Nummer gegliedert. "Der Trend geht zu Selbstfahrer-Touren, aber nicht alle Touristen sind in der Lage, das auch zu meistern. Etwa zehn Prozent können nicht mal einen Reifen wechseln", erklärt Möhle. Zwar würden er und seine Mitarbeiter die Urlauber umfassend auf den Trip vorbereiten, aber letzlich seien sie auf der Fahrt auf sich gestellt. "Wir sind so etwas wie der ADAC. Mit der App schnüren wir eine Art Sicherheitscocoon um die Touristen." Das Handy als Helfer in der Not - aber hat man in der Wüste überhaupt Empfang? "Auf etwa 70 Prozent der Routen ja, aber um die App zu nutzen, ist das gar nicht notwendig. Einmal runtergeladen, kann man auf die Daten auch so zurückgreifen."

Neben Sicherheit will Möhle den Touristen auch Service bieten: Im Juli dieses Jahres soll die Etosha-Wasserlöcher App fertig sein, die aufzeigt, wann und wo im Etosha Nationalpark die besten Tiersichtungen möglich sind. Möhle rechnet mit rund 4000 Downloads im Jahr. "Endlich erfährt man, was täglich 17 Minuten nach Sonnenuntergang am Moringa-Wasserloch in Halali erscheint und wo man in der Regenzeit doch noch Elefanten im Park sehen kann". Die Anwendung soll auch interaktiv laufen. Die Touristen sollen anklicken können, wo sie gerade welches Tier beobachten. "Damit können wir die App noch präzisieren und die Forscher in Etosha bekommen noch genauere Daten von vielen freiwilligen Helfern", erklärt Möhle. Ob die Informationen in Echtzeit zur Verfügung gestellt werden, ist aber noch nicht klar. "Technisch ist das kein Problem, aber wir haben ethische Bedenken, weil es zu großen Wanderbewegungen kommen könnte. Wenn irgendwo ein Löwe gesichtet wurde, rasen alle mit 70 Stundenkilometern durch den Park, um auch noch einen Blick auf ihn zu erhaschen."

Nebenbei bastelt Carsten Möhle gerade an einer Sonderreise um den Lake Malawi Ende des Jahres. Danach wird er wie jedes Jahr für drei Monate von Dezember bis März nach Hohenlockstedt zurückkehren, um Vorträge über Afrika zu halten und nicht zu verbuschen", wie er sagt. "Ich will erleben, dass Züge pünktlich abfahren, Anfragen innerhalb eines Tages beantwortet werden und mal wieder so richtig in einem Fahrzeugstau stecken."

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