Film : Wo geht’s hier denn zum Revier?

Ja wo laufen sie denn? Diese Aufnahme ist Teil des Werbefilms für die Deichbullen. Verzweifelt suchen die Großstadt-Polizisten ihre neue Wache am Deich.
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Ja wo laufen sie denn? Diese Aufnahme ist Teil des Werbefilms für die Deichbullen. Verzweifelt suchen die Großstadt-Polizisten ihre neue Wache am Deich.

Michael Söth startet Dreharbeiten zu seiner ersten Filmserie in Kollmar. Die Folgen sind vom Frühjahr an zunächst im Internet zu sehen

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18. Dezember 2014, 11:45 Uhr

Ein verschlafenes Nest wird zur Vorhölle zweier Großstadtpolizisten. Strafversetzt aus einer Millionenmetropole müssen sie fortan am Deich residieren. Ihre Wache ist in einem Hinterzimmer der Gemeindekneipe des Bürgermeisters untergebracht. Von dort aus sollen die übereifrigen Profis Dorfdelikten statt Großstadtverbrechen nachgehen. Doch die beiden Kriminalbeamten sind pfiffige Typen – mit frecher Schnauze heben sie das Spaßverbot im Dorf auf und mutieren zur Kuhmistschnüffler-Spezialeinheit.

Diese Geschichte hat sich der Filmemacher Michael Söth ausgedacht. Das verschlafene Nest hat er in Kollmar gefunden. Dort startet der Elmshorner Anfang kommenden Jahres die Dreharbeiten zur Krimiserie „Deichbullen“. Jede Woche soll ab Februar eine Folge der Kriminal-Serie erscheinen. Zunächst sollen die Streifen im Internet publiziert werden. TV-Sender haben zwar Interesse bekundet, scheuen zurzeit jedoch noch, das Format mit den merkwürdigen Gestalten und typischen Söth-Humor unter Vertrag zu nehmen – noch.


Skurril, witzig, frech – einfach, aber genial


Denn: Wer so beschauliche Sachen wie den Tatortreiniger oder die ARD-Vorabendreihe „Heiter bis tödlich“ bereits für skurril hält, könnte bei den Deichbullen allerdings leicht überfordert sein. „Es wird einzigartig norddeutsch“, sagt Filmemacher Söth. Noch skurriler, noch witziger, noch frecher – einfach, aber genial – großspurig, aber mit Charme. Bereits mit seinen zwei Low-Budget-Streifen „Deichking“ und „Bauernfrühstück“ erntete der Elmshorner in den vergangenen Jahren viel Lob von Sendern und Produzenten. Nun traut sich Söth an eine Serie.

Neu ist dieser Krimi-Ansatz nicht. Das weiß Söth. Aber er verspricht sich großen Erfolg von seinem Plot. Die Deichbullen kombinieren die Spannung erfolgreicher US-Serien mit den Humor deutscher Kultsendungen. „Ich habe mich unter anderem von ,Twin Peaks’ inspirieren lassen. Die 30 Folgen von Produzent David Lynch habe ich gesehen und wollte dann das Gleiche auf Norddeutsch machen. Das wird nämlich garantiert einzigartig“, so Söth.

Einzigartig sind auch seine beiden Deichbullen. Mit Christian „Reverend“ Dabeler und René „Chucker“ Chambalu hat er zwei „knorke Typen“ als Hauptdarsteller gefunden. „Die beiden gehen vollends in ihrer Rolle auf“, sagt er. Sie seien quasi zwei männliche Vertreter von „natürlich blond“ – etwas frech, schwerfällig im Kopf, friesisch herb gepaart mit der natürlichen Portion Machogehabe – echte Bullen halt.

Bereits im Frühjahr dieses Jahres drehte Söth in Kollmar erste Szenen der neuen Serie. Mit dem Teaser ging der Elmshorner auf Werbefeldzug bei TV-Sendern. „Die Resonanz war stets positiv, doch die Programmplaner hatten noch ein wenig Angst um ihr Zielpublikum. Das Format passe total zum Zeitgeist, aber sei vermeintlich doch etwas zu schräg. Man wolle deshalb abwarten, wie die Zuschauer im Internet die ersten Folgen annehmen“, erklärt Söth.

Abhalten lässt sich der Elmshorner von der abwartenden Haltung der Sender nicht. Er produziert in Eigenregie und mit stillen Teilhabern die ersten Folgen. Drehbeginn ist im Februar 2015 in Kollmar.

Warum Kollmar? „Die ganze Gemeinde ist ein Fall für sich“, schmunzelt Söth. Das Eigenleben im Dorf und das landwirtschaftlich geprägte Umfeld bilden eine perfekte Kulisse für die Deichbullen. Bürgermeister und Einwohner unterstützen zudem das Vorhaben. „Die breite Zustimmung in der Bevölkerung ist besonders wichtig, da wir bestimmt hier und da manchmal Bereiche im Dorf für Dreharbeiten absperren müssen. Da brauchen wir verständnisvolle Leute und die haben wir dort“, sagt Söth.

Bei allem großen Optimismus zum Erfolg der Kriminal-Serie – „es wird eine absolute Herausforderung für das Team. Jede Woche eine etwa zehnminütige Folge fertigzustellen ist nicht leicht. Das wird nur in Paketen möglich sein, in denen wir mehrere Episoden auf einmal drehen. Viel Arbeit, doch wir wollen nicht kleckern sondern klotzen“, sagt Söth.

Klotzen möchte der Filmemacher auch mit Namen aus der Filmbranche. So sind als weitere Darsteller Tetje Mierendorf und Eva Habermann im Gespräch, die bereits bei der norddeutschen Komödie „Bauernfrühstück“ von Söth engagiert waren. Wer zudem aus der Bevölkerung Lust und Laune verspüre, als Komparse mit und ohne Sprechrolle bei den Deichbullen mitzuspielen, kann sich bei dem Filmemacher bewerben. Die Erstausstrahlung mit der Kollmaraner Spezialeinheit soll unmittelbar im Anschluss der Dreharbeiten erfolgen. Söth ist derweil schon gespannt, wie seine Online-Serie bei den TV-Sendern ankommen wird. Vielleicht übernehmen sie sogar das Format ins Fernsehen.

>kontakt@soeth-video.de

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