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Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 18:31 Uhr

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vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wechsel in der Universitätsgesellschaft: Hartwich Puzich übergibt die Leitung der Itzehoer Sektion an René Wallich

von
erstellt am 04.Mär.2015 | 05:00 Uhr

Studieren bis zum Bachelor oder Master – das Bologna-Modell ist morgen Thema im nächsten Vortrag bei der Universitätsgesellschaft. Es ist der letzte, den Hartwich Puzich als Leiter der Itzehoer Sektion begleitet. Nach fast 15 Jahren gibt der 61-jährige Mittelstufenleiter der Kaiser-Karl-Schule die Aufgabe ab an seinen Kollegen René Wallich (35).

Herr Puzich, ist es für einen KKS-Lehrer eine moralische Pflicht, bei der Universitätsgesellschaft mitzuwirken?
Puzich: Das nicht, aber die Universitätsgesellschaft ist ein fester Bestandteil unseres Schullebens, eine Tradition, denn seit 1924 ist die Gesellschaft mit der Kaiser-Karl-Schule verbunden. Die KKS ist als einzige Schule Itzehoes Mitglied, das heißt, hier an der Schule wird heftig Werbung gemacht. Wir haben einen festen Stamm von Schülern und Lehrern, und damit haben wir eine außergewöhnlich junge Zuhörerschaft, anders als in den meisten anderen Sektionen. Leider sind andere Schulen ausgetreten, wahrscheinlich, um Ausgaben zu sparen. Trotzdem lassen wir alle Schüler kostenlos in unsere Veranstaltungen.

Was ist für Sie das Besondere an der Gesellschaft?
Es ist ähnlich wie beim Schleswig-Holstein Musik Festival, das Musik aufs Land bringen will. Wir wollen Wissenschaft aufs Land bringen. Ich finde es einfach fantastisch, dass Spitzenkräfte für wenig Geld interessierten Menschen die Ergebnisse der Wissenschaft nahebringen. Wir bieten ein wahnsinnig breites Spektrum, das komplette Spektrum unserer Landesuniversität, und für jeden ist etwas dabei, wenn man sich nur dafür interessiert. Die Qualität der Vorträge unterscheidet sich natürlich nach Inhalt und Darbietung. Aber stets engagieren sich die Dozenten und freuen sich über das Forum auf dem Lande.

Wer sucht die Themen aus?
Mittlerweile mache ich das komplett allein. Das geht schneller und einfacher. Manchmal bekomme ich Anregungen von Mitgliedern oder aus dem Kollegium, aber leider sind die Wünsche nicht so sehr adressatenorientiert. Die Auswahl muss publikumswirksam sein, wir müssen ja überleben. Die Universitätsgesellschaft wird leider als Gesellschaft mit langem Zopf angesehen, die nur alte Menschen interessieren sollte. Das wollte ich bekämpfen in meiner Zeit als Sektionsleiter, da musste Dynamik rein. Neben der Erwachsenenbildung ist ein vorrangiges Ziel, dass junge Menschen in Kontakt mit der Wissenschaft kommen. Das ist eine tolle Sache, das verfolge ich sehr stark. Dazu gehört auch das Programm „Uni kommt zur Schule“, das Referenten in die Schulen bringt und so eine Brücke baut zwischen Schule und Universität.


Und was kommt hier am besten an?
Mit Musik haben es die Itzehoer nicht so sehr, wie die Besucherzahlen zeigen. Aber ansonsten sind sie insgesamt an allen Themen sehr interessiert. Bereiche wie Wirtschaft, Geschichte oder Geographie werden sehr gut angenommen, Naturwissenschaften noch mehr.

Wie läuft der Kontakt zu den Professoren?
Das sind die Highlights für mich. Ich lade die Referenten vor dem Vortrag zum Essen ein. Das ist so fantastisch, und es kommt zu interessanten Gesprächen und auch lustigen Begebenheiten.

Warum hören Sie dann auf?
Ich gehe demnächst in den Ruhestand und habe noch knapp zwei Jahre, meinen Nachfolger Herrn Wallich zu unterstützen. Es ist also Zeit, die Leitung der Sektion in jüngere Hände zu legen.

Und welche Themen fehlen Ihnen noch?
Da fällt mir nichts ein. Ich habe über 90 Vorträge in den 15 Jahren hier gehabt und ich weiß, dass wir eine ungeheure Vielfalt anbieten. Wir versuchen, immer aktuell zu sein und entsprechend einzuladen.

40 bis 50 Besucher kommen durchschnittlich zu den Vorträgen. Warum, meinen Sie, sollten es mehr sein?
Entscheidend ist die Trägheit des Menschen, man zieht es vor, sich zu Hause berieseln zu lassen. Mal losgehen, aktiv werden, sich für unsere Welt interessieren und den Horizont erweitern, diese Chance bietet die Universitätsgesellschaft zu einem sehr geringen Preis. Ich meine schon, dass es sich lohnt, einen Vortrag über Nanotechnologie zu sehen und wie sie unsere Welt verändert. Die Diskussionen nach den Vorträgen waren schon manchmal so kontrovers, dass ich eingreifen musste. Aber es machte immer sehr, sehr viel Spaß. Ich könnte noch Jahrzehnte weitermachen – aber wenn der Ruhestand naht, muss man rechtzeitig für eine kompetente Nachfolge sorgen.

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