Schülerfirma : Wirtschaften wie im richtigen Leben

Werbeaktion mit selbst gebackenen 4X-Keksen (von li.): Benedikt Grimm, Maximilian Buss, Tobias Böteführ, Michel Borwieck, Julian Böteführ, Florian Helmholz und Sören Etler.
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Werbeaktion mit selbst gebackenen 4X-Keksen (von li.): Benedikt Grimm, Maximilian Buss, Tobias Böteführ, Michel Borwieck, Julian Böteführ, Florian Helmholz und Sören Etler.

4X-Tours an der Itzehoer Kaiser-Karl-Schule besteht seit fünf Jahren. Schülerfirma organisiert Klassenreisen und Ausflüge.

shz.de von
19. Juni 2014, 11:45 Uhr

Aufträge werben, Reisekosten recherchieren, Rechnungen schreiben, Bilanzen erstellen, Generalversammlung vorbereiten, Rechenschaft ablegen – die Aufgabenliste der Schülerfirma ist lang, und das Lernfeld ein ganz besonderes. Denn es holt Anforderungen des Berufslebens unter Echtzeitbedingungen in den geschützten Rahmen der Schule. Finanzielle Konsequenzen müssen die Firmenmitglieder nicht fürchten, eine Schülerfirma erhält keinen Kredit. Aber wenn die Aufträge ausbleiben, weil Einzelne zu langsam oder oberflächlich gearbeitet haben, wirkt es sich auf das Ganze aus.

Der Reisevermittler 4X-Tours besteht an der Kaiser-Karl-Schule seit fünf Jahren. Zum Jubiläum wurden als Werbemaßnahme selbst gebackene Kekse auf dem Schulhof verteilt. Der Auftrag an die Mitschüler: Lehrer ansprechen, wenn eine Klassenfahrt oder ein Wandertag ansteht, damit über 4X-Tours gebucht wird. „Wir arbeiten mit Holstenexpress, Nummsen sowie Cornelsen und mit kleineren Veranstaltern von Schülerreisen zusammen, kümmern uns um die Detailplanung und vermitteln die Buchung. Die Geschäfte wickeln wir über ein Firmenkonto bei der Volksbank Raiffeisenbank Itzehoe ab, die uns seit der Gründung begleitet. Die Profis in der Region unterstützen uns ganz toll“, erklären Sören Etler (18) und Hendrik Borras (19), die derzeit mitten im Abitur sind und den Vorstand vor Kurzem an jüngere Nachfolger abgegeben haben.

Sören und Hendrik schätzen neben den wirtschaftlichen Erfahrungen besonders die deutschlandweiten Kontakte. Denn die Schülerfirma beteiligt sich auch immer wieder an überregionalen Wettbewerben und Projekten. So ging es beispielsweise im Rahmen einer Auszeichnung an den Chiemsee oder zu Netzwerktreffen nach Frankfurt und Berlin. Betriebsausflüge führten ins Airbuswerk in Finkenwerder und die Autostadt Wolfsburg. Vor wenigen Tagen nahm eine vierköpfige Delegation am bundesweiten Jugendkongress des Bündnisses für Demokratie und Toleranz in Berlin teil. Da 4X-Tours in der für Schülerfirmen seltenen Form einer Genossenschaft organisiert ist, lernen und vertreten ihre Mitglieder auch ein besonderes Modell wirtschaftlicher und basisdemokratischer Verantwortung. Die Genossenschaft hat 38 Mitglieder und vergibt Anteilsscheine für 10 Euro.

Was 4X-Tours landesweit nahezu einmalig macht, ist die Kontinuität und die Gründung, die aus einer Schülerinitiative hervorging. Die meisten Schülerfirmen werden von Lehrern – oft auch im Klassenverband – gegründet und bestehen meistens nur ein Jahr lang. „Einige sehr engagierte Oberstufenschüler hatten die Geschäftsidee, haben einen richtigen Businessplan geschrieben und die Bedingungen erkundet“, berichtet WiPo-Lehrerin Gabriele Knoop, die einen festen Sitz im Vorstand hat. Sie gibt der Firma den organisatorischen Rahmen, vermittelt die betriebswirtschaftlichen sowie die Marketing-Grundkenntnisse und wirbt die Wettbewerbsbeteiligungen ein. Die betriebswirtschaftliche Verantwortung liegt bei den Schülern.

Die Unternehmungen, die 4X-Tours aus den Gewinnen und durch Unterstützung des KKS-Ehemaligenvereins finanziert, steigern immer wieder die Motivation der Mitglieder, wenn sie sich durch die eher trockene Buchhaltung oder die Berichte für den Aufsichtsrat gekämpft haben. „Es ist viel Detailwissen nötig, aber man erkennt auch viele betriebswirtschaftliche Zusammenhänge“, sagen Maximilian Buss und Daniel Kösters, die als Nachrücker in den Vorstand bereits die Bilanz für die zurückliegende Generalversammlung erstellt haben. Sie fand wie jedes Jahr in der Hauptverwaltung der Volksbank Raiffeisenbank Itzehoe statt – die zehn Firmenmitglieder warfen sich dafür sogar mit Anzug und Krawatte in Schale.

Die 4X-Tours-Aktiven treffen dabei stets auf Terrry M. Walker von der Raiffeisenbank, der mit ihnen im Vorfeld auch immer die Bilanz prüft. Außerdem auf KKS-Schulleiter Dr. Hartmut Blank sowie Thomas Wischmann vom Ehemaligenverein und auf den Itzehoer Unternehmer Dr. Ralf Schwedler, die die Firma als Aufsichtsrat begleiten – und Rechenschaft fordern. Das Team muss sich zudem den kritischen Fragen von Unternehmern, Eltern oder ehemaligen Aktiven stellen, die als Genossenschafter Anteile halten.

Das führe mitunter zu erheblicher Nervosität, erzählen als jüngste Mitglieder Benedikt Grimm (14) und Michel Borwieck (14): „Es wird einem doch ganz schön mulmig, wenn bei den Gewinnverteilungsvorschlägen die Argumente nicht gleich akzeptiert werden und man alles haarklein begründen muss.“ Doch derartiges Know-how sei bei Bewerbungen, im Studium und im Berufsleben von Vorteil.

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