Verkehr : Wirtschaft setzt auf Cuxhaven-Fähre

Vor dem seit 14 Jahren nicht mehr genutzten Brunsbütteler Fähranleger (v. li.): Elb-Link-Geschäftsführer Christian Schulz, Jürgen von Ahnen (Agentur für Wirtschaftsförderung Cuxhaven), Martina Hummel-Manzau (Egeb-Wirtschaftsförderung), Bürgermeister Stefan Mohrdieck, Landrat Dr. Jörn Klimant und Volker Jahnke (Egeb).
Vor dem seit 14 Jahren nicht mehr genutzten Brunsbütteler Fähranleger (v. li.): Elb-Link-Geschäftsführer Christian Schulz, Jürgen von Ahnen (Agentur für Wirtschaftsförderung Cuxhaven), Martina Hummel-Manzau (Egeb-Wirtschaftsförderung), Bürgermeister Stefan Mohrdieck, Landrat Dr. Jörn Klimant und Volker Jahnke (Egeb).

Mit zwei leistungsfähigen Doppelend-Fähren will die Elb-Link Reederei die Verbindung nach Brunsbüttel wieder aufleben lassen

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16. Mai 2015, 10:09 Uhr

Wohl erst im Herbst wird die seit 14 Jahren brach liegende Fährverbindung zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven wieder aufgenommen. Doch die Erwartungen an die frisch gegründete Elb-Link Reederei GmbH aus Cuxhaven sind groß. „Das Interesse geht rauf bis Dänemark“, erklärte Stefan Mohrdieck gestern bei der Projektvorstellung in Brunsbüttel. Schleswig-Holsteins größtes zusammenhängendes Industriegebiet, so der Bürgermeister weiter, werde endlich besser an die Verkehrsachsen angebunden.

Zwei Jahre wurde zuletzt intensiv an der Wiederbelebung der 2001 nach nur kurzer Zeit eingestellten Verbindung zwischen beiden Häfen gestrickt. Die Fehler aus der Vergangenheit sollten nicht wiederholt werden. Wirtschaftlichkeitsgutachten prognostizierten die Machbarkeit – wenn denn leistungsfähige Schiffe eingesetzt werden. Die müssen in der Lage sein, einem festen Fahrplan auf der von Gezeitenströmungen beeinflussten Elbe zu folgen. Nur durch Zuverlässigkeit sei es möglich, die entscheidenden Kunden aus der Wirtschaft zu gewinnen, nur mit Pkw- und Fahrrad-Überfahrten rechnet sich das Unternehmen nicht.

Die Elb-Link Reederei, eine Tochter der estnischen Saarema-Reederei, tritt an, diese Vorgaben zu erfüllen. Zunächst sollen zwei moderne, leistungsstarke Doppelend-Fähren den Linienverkehr aufnehmen, Ende kommenden Jahres soll ein drittes Schiff die Taktung von 90 auf 60 Minuten reduzieren helfen. Eine jeweils neunköpfige Besatzung der unter maltesischer Flagge fahren „Grete“ und des Schwesterschiffs „Anne-Marie“ ist obligatorisch. Insgesamt sollen im ersten Schritt 50 neue Arbeitsplätze entstehen. Benannt sind die beiden Fähren nach einer Cuxhavenerin, die zwischen 1919 und 1938 bereits einen Fährverkehr zwischen ihrer Heimatstadt und Brunsbüttel betrieben hatte.

30 Prozent Auslastung, so Reederei-Geschäftsführer Christian Schulz, seien nötig, damit sich der Betrieb rechne. Das entspricht etwa den Zahlen eines Gutachtens aus 2012, wonach jährlich 265 000 Pkw, 48 000 Lkw und 625  000 Passagiere die Route nutzen würden.

Stefan Mohrdieck hat nicht nur die regionale Wirtschaft im Blick sowie den Tourismus, sondern sogar Pendler, denen sich mit der Verbindung ganz neue Möglichkeiten eröffneten. Landrat Dr.    Jörn Klimant bestätigt dies: „Der Standort Dithmarschen erfährt auf diese Weise eine Aufwertung.“ Auch Jürgen von Ahnen, stellvertretender Leiter der Agentur für Wirtschaftsförderung Cuxhaven, erwartet eine Stärkung der Wirtschaftsräume beiderseits der Elbe. Für Volker Jahnke, beim Dithmarscher Pendant Egeb maßgeblich am Zustandekommen der Linie beteiligt, ist dies „ein starkes Signal in der Region“.

Bis es losgeht, müssen die beiden Anleger an den Endpunkten ertüchtigt werden. Auf niedersächsischer Seite gehört der Anleger Steubenhöft dem Land, das zwei Millionen investieren will. In Brunsbüttel muss die Reederei selbst tätig werden. Öffentliche Gelder fließen nicht. Vom Fortgang der Arbeiten, so Schulz, sei letztlich abhängig, wie früh der Betrieb aufgenommen werden könne. Noch fahren die beiden 97 Meter langen, in Norwegen gebauten Schiffe in Estland im Linienverkehr. Christian Schulz sieht das Angebot nicht als Konkurrenz zur Elbfähre zwischen Glückstadt und Wischhafen, sondern als nötige Ergänzung. Über einen Elbtunnel der A  20 macht er sich noch keine Gedanken.

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