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Kultur : Wirtschaft macht sich stark für Hablik

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Itzehoer Unternehmen heben Bedeutung des Museums als Standortfaktor hervor.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2014 | 05:00 Uhr

Am Wenzel-Hablik-Erbe sparen? Das ist genau der falsche Weg, so der Tenor von Vertretern der regionalen Wirtschaft. Im Gegenteil: Das Wenzel-Hablik-Museum sei als Standortfaktor für die Stadt Itzehoe und den Kreis Steinburg nicht hoch genug einzuschätzen. Vor knapp drei Wochen hatte der Kreistag der Wenzel-Hablik-Stiftung die kalte Schulter gezeigt und einen 10 000-Euro-Betriebskostenzuschuss für das Museum abgelehnt. Mit dieser Abfuhr hat der Kreistag eine breite öffentliche Hablik-Diskussion ausgelöst. Jetzt haben sich Repräsentanten der regionalen Wirtschaft zu Wort gemeldet.

„Das Wenzel-Hablik-Museum ist ein wahres Kleinod in dieser mit kulturellen Juwelen nicht gerade reich gesegneten Region“, sagt Wolfgang Bitter, Vorstandsvorsitzender der Itzehoer Versicherungen. Solch ein kulturelles Erbe gehöre zum festen Bestand der regionalen Identität. „Die internationale Anerkennung, die den Werken Habliks entgegengebracht wird, sollte uns alle mit Stolz erfüllen.“ Viele Unternehmen engagieren sich für das Museum. So unterstützt die Itzehoer es personell und finanziell. Darüber hinaus ermöglicht sie auch die sachgerechte Lagerung des reichen Hablik-Fundus. Bitter betont aber: „Natürlich ist der Betrieb des Museums nur mit öffentlichen Zuschüssen möglich – hier ist die Politik in der Pflicht.“

Auch die Sparkasse Westholstein zählt zu den traditionellen Förderern des Museums. Der Vorstandsvorsitzende Rudolf Kochan hebt hervor, dass die Kultur zu den unverzichtbaren Qualitäten eines Wirtschaftsstandortes zähle. Kulturelle Angebote machten einen Ort für Arbeitnehmer attraktiv, und in diesem Zusammenhang sei das sei das Hablik-Museum ein wichtiger Baustein. „Wenzel Hablik ist international berühmt.“ Trotz leerer öffentlicher Kassen sei es ein großer Fehler, wenn dieses Museum sich nicht halten könne.

Sven Haltermann, Inhaber des Modehauses Behrens & Haltermann, kritisiert, dass das Hablik-Museum lediglich „mehr oder weniger geduldet wird“. Dabei sei das Gegenteil angemessen: Die Museumsarbeit sollte ausgebaut werden. Die Pflege des Hablik’schen Erbes sei eine der Voraussetzungen, um beispielsweise auch den Tourismus zu beleben. „Wir sollten froh sein, dass Itzehoe zum Standort Wenzel Habliks werden durfte“, fügt Haltermann hinzu.

„Um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen, müssen Unternehmen nicht nur gute Konditionen wie ein ordentliches Gehalt bieten“, zitiert Martin Kayenburg die jüngste Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), ein kulturelles Angebot gehöre unbedingt dazu. Schleswig-Holstein belegt in der IW-Anfrage hintere Plätze. Daher sei es „kurzsichtig und unverantwortlich“, wenn die Region nicht mehr aus dem Hablik-Museum mache, so der Vorsitzende des Kulturrings in der Studien- und Fördergesellschaft der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft. Stadt und Kreis seien nicht gerade die attraktivsten Standorte. „Mancher, der hier arbeitet, wohnt lieber in Hamburg.“ Gerade darum müsse man vorhandene Angebote nach Kräften unterstützen.

„Meine Schwiegermutter hat Wenzel Hablik noch persönlich gekannt“, erinnert sich Steuerberater Dr. Wolfgang Schröder: „Ein unkonventioneller ,bunter Vogel‘ mit dreiviertellangen Hosen und verschiedenfarbigen Strümpfen“. Vielleicht lag es an dessen Exotik, dass er in Itzehoe lange nicht das Maß an Beachtung gefunden hatte, das ihm in der Kunstszene zuteil wurde. Schröder spricht sich für ein größeres Maß an Unterstützung für das Museum aus – wenn die Wirtschaft hochqualifizierte Mitarbeiter suche, komme es in hohem Maße auch auf Kultur als Standortfaktor an.

Der Zahnarzt Dr. Rüdiger Schultz wundert sich über eine Regionalpolitik, die immer wieder versuche, den Kreis Steinburg für die Metropolregion attraktiv zu positionieren. „Bildung und Kultur gehören dazu“, so Schultz, „warum stellt der Kreis also das kulturelle Highlight Hablik-Museum jetzt in Frage?“





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