Konjunktur : Wirtschaft ist in bester Stimmung

Freuen sich über einen anhaltenden Aufschwung in der Wirtschaft an Unterelbe und Westküste: die Verbandsgeschäftsführer Ken Blöcker (li.) und Sebastian Koch mit Seniorchef Jochen Kitzmann in der Produktionshalle von rekord Fenster und Türen in Dägeling.
Freuen sich über einen anhaltenden Aufschwung in der Wirtschaft an Unterelbe und Westküste: die Verbandsgeschäftsführer Ken Blöcker (li.) und Sebastian Koch mit Seniorchef Jochen Kitzmann in der Produktionshalle von rekord Fenster und Türen in Dägeling.

Konjunkturumfrage beim Unternehmensverband mit erfreulichen Ergebnissen in Dägeling vorgestellt. Nur der Fachkräftemangel wird langsam zu einem Problem.

shz.de von
26. Juni 2014, 12:45 Uhr

Gut gefüllte Auftragsbücher, steigende Umsatzerwartungen und eine anhaltende Investitionsbereitschaft: Dem Gros der Unternehmen an Unterelbe und Westküste geht es gut. Das jedenfalls ergibt die aktuelle Konjunkturumfrage des Unternehmensverbandes. Die erfreulichen Ergebnisse wurden gestern von den Verbandsgeschäftsführern Ken Blöcker und Sebastian Koch in den Räumen des Dägelinger Fenster- und Türenherstellers rekord vorgestellt. Fazit Blöcker: „Auch die Aussichten für die zweite Jahreshälfte werden als sehr gut eingestuft.“ Allerdings gebe es zwischen Unterelbe und Westküste auch kleine Unterschiede. So seien die Erwartungen in eine florierende Konjunktur in den Kreisen Steinburg und Pinneberg etwas geringer als in Dithmarschen und Nordfriesland. Das allerdings liege auch daran, dass an der Unterelbe gar nicht mehr so viel Luft nach oben sei.

Als auffällig wertet Blöcker den Umstand, dass die Ausbildungsbereitschaft in den rund 400 im Verband organisierten Unternehmen 2013 etwas zurückgegangen sei. Für 2014 würden die Zahlen aber wieder besser. Die Verbandsgeschäftsführer werten dies auch als Indiz dafür, dass in vielen Unternehmen das Thema Fachkräftemangel inzwischen konkret spürbar sei. In jedem zehnten Betrieb sei der leergefegte Markt mit qualifizierten Arbeitnehmern sogar schon ein richtiges Problem.

Rekord-Chef Jochen Kitzmann kann die Ergebnisse der Verbandsumfrage aus der Sicht seines Unternehmens nur bestätigen. Rund 220 Mitarbeiter arbeiten derzeit am Standort Dägeling. Hinzu kommen 30 Auszubildende. Kitzmann spricht von einem intakten Markt für seine Produkte und von einer stabilen Nachfrage. Mit Blick auf notwendige Energiesparmaßnahmen gebe es für die Fensterbauer „langfristig einen Riesenmarkt“ – auch wenn der Wettbewerb immer härter werde. Über fehlende Fachkräfte klagt aber auch Kitzmann. Während es noch immer gute Bewerber für den Beruf der Industriekaufleute gebe, sei die Bereitschaft vieler junger Leute ein Handwerk zu lernen nicht mehr besonders groß. Auch gute Verkäufer seien schwer zu finden. Unabhängig davon wird auch bei rekord kräftig investiert – zuletzt in einen rund 1,5 Millionen Euro teuren Roboter, der in High-Tech-Manier und Rohstoff sparend Fenster lackiert.

Während die Wirtschaft insgesamt sich offenbar bester Stimmung erfreut, ist man bei den Unternehmen mit der Politik offenbar gar nicht zufrieden. Laut Ken Blöcker hat sich bei den Betrieben die Einschätzung der Arbeit der Landesregierung weiter verschlechtert. Nachrichten wie die von der maroden Rader Hochbrücke und dem schlechten Zustand der Straßen im Norden würden dies noch befördern. Nur noch acht Prozent der Befragten würden hier eine optimistische Grundhaltung an den Tag legen. Für Blöcker und Koch heißt dies: Die Politik muss bei der Schaffung besserer Rahmenbedingungen für die Wirtschaft einen Zahn zulegen. Nach Einschätzung der beiden Sprecher ist der Zeitpunkt für den Ausbau der Infrastruktur besser denn je: niedrige Zinsen bei gleichzeitig sprudelnden Steuereinnahmen. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragt Sebastian Koch. Und für Ken Blöcker sind nach dutzenden Gesprächen mit Unternehmen auch die für die Politik verstärkt zu besetzenden Themen eindeutig: Straßenausbau, Energiekosten, Fachkräftemangel, Gängelung durch Bürokratie und flächendeckende Breitbandversorgung. Die auf Bundesebene zuletzt heiß diskutierten Themen spielten hingegen nicht die ganz große Rolle. Die Unternehmen in der Region zahlten schon jetzt weit über dem Mindestlohn, und die Rente ab 63 beschert den Betrieben allenfalls Probleme bei der Personalplanung, wenn sich Mitarbeiter unerwartet in den Ruhestand verabschieden.

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