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Flüchtlinge : Wird die Kaserne Erstaufnahmelager?

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Besitzer des zwölf Hektar großen Areals bietet dem Land Schleswig-Holstein seine Liegenschaft für Asylsuchende an

von
erstellt am 02.Aug.2015 | 08:00 Uhr

Die Glückstädter Kasernenanlage als Erstaufnahmelager für Asylbewerber: Das Angebot macht Jens Lange der Landesregierung. Der Besitzer des zwölf Hektar großen Areals hat bereits Kontakt zum Kieler Innenministerium aufgenommen und Bürgermeister Gerhard Blasberg informiert.

Landrat Torsten Wendt wiederum wurde auf Anfrage unserer Zeitung von der Nachricht überrascht, dass Jens Lange dem Land eine Notaufnahme für Flüchtlinge in Glückstadt anbietet. Grundsätzlich könne er sich es vorstellen: „Es kann nicht ausgeschlossen werden.“ Doch dies sei Sache des Landes. „Ich bin nicht derjenige, der es entscheidet.“

 

Jens Lange würde am liebsten sofort anfangen zu renovieren. „Wir haben bald August und spätestens im November kann es kalt werden.“ Innerhalb von acht bis zehn Wochen könnten die Gebäude bezugsfertig sein. Realistisch sei es, 700 Asylsuchende aufzunehmen. „Wenn die Akzeptanz der Bevölkerung nicht gegeben ist, müssen wir darüber reden, ob es weniger werden.“

Das Torhaus – der ehemalige Eingang – hat allein 4000 Quadratmeter. Dies wäre die erste Option für eine Unterkunft. Aber auch einige andere Gebäude „sind gut in Schuss“. In weiteren müssten unter anderem neue Fenster eingesetzt werden. Und jede ehemalige Soldatenunterkunft würde eine separate Heizungsanlage bekommen, denn die ehemalige zentrale Anlage gibt es nicht mehr.

Problem in Bezug auf den Bebauungsplan sieht Jens Lange nicht. „Das Areal ist als Mischgebiet ausgewiesen.“ 40 Prozent seien für Gewerbe vorgesehen, 60 Prozent für Wohnen. Trotzdem müsste die Stadt der Umnutzung zustimmen. „Ein Flüchtlingsheim ist etwas ganz Spezielles. Es gibt keine abgeschlossenen Wohnungen mit Bädern und Küche.“

Jens Lange will für das Erstaufnahmelager als Investor auftreten und alles herrichten. Er würde die Häuser auch mit Betten, Schränken und Stühlen komplett ausstatten, erklärt er. Dies sei Verhandlungssache. „Ich bin in der Absprache flexibel.“ Was der Bauunternehmer nicht will: Das Aufnahmelager selbst betreiben. „Dafür gibt es caritative Institutionen.“ Er stellt sich vor, dass auch in Folge weitere Häuser genutzt werden könnten: „Zum Beispiel für Deutschunterricht.“

Seine ursprünglichen Pläne, dort ein Einkaufszentrum zu bauen, hat er mit dem jetzigen Vorhaben auf Eis gelegt. „Der neu geplante Baumarkt an der Stadtstraße hat damit nichts zu tun“, beugt er Spekulationen vor. Die Idee des Erstaufnahmelagers habe er schon länger, weil er die Nachrichten über die Flüchtlingsströme im gesamten Bundesgebiet verfolgt. „Containerdörfer und Zelte sind menschenunwürdig“, erklärt der 58-Jährige. „Ich biete die Möglichkeit, dass die Asylsuchenden gut unterkommen.“ Deshalb sei es für ihn auch denkbar, dass er neben dem Erstaufnahmeheim zusätzlich dauerhafte Wohnungen für Asylsuchende auf dem Gelände zur Verfügung stellt.

Dass ein Flüchtlingsheim nicht bei allen Bürgern auf Akzeptanz stoßen wird, ist Jens Lange klar. „Angst ist normal.“ Doch er wisse vor allem von syrischen Flüchtlingen, dass sie häufig „sehr gebildet und strebsam sind“. Die Frage sei, wie solch ein Heim betrieben werde. Und wie es gelingen könnte, die Bevölkerung mit einzubinden.

 

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