Strongman-Run in Wacken : „Wir ziehen das jetzt durch“

Nimmt die Herausforderungen an  – hier im „Kriechenland“ – und siegt beim 10-Kilometer-Lauf: Olaf Stahl aus Brokdorf.
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Nimmt die Herausforderungen an – hier im „Kriechenland“ – und siegt beim 10-Kilometer-Lauf: Olaf Stahl aus Brokdorf.

Mehr als 3200 Teilnehmer stellen sich den außergewöhnlichen Herausforderungen des Strongman-Run in Wacken.

shz.de von
11. Juni 2018, 11:53 Uhr

Lautstark zählen die Teilnehmer des Fisherman’s Friends Strongman Run den Countdown mit: „5,4,3,2,1 – Ready, Steady, Go!“ Mehr als 3200 Männer und Frauen drängeln sich am Start. Zehn Kilometer und 18 Hindernisse liegen vor ihnen. Hartgesottene entscheiden sich sogar für den 20-Kilometerlauf mit 36 Hindernissen – genau dort, wo sonst Metal-Fans ausgelassen das Open-Air feiern. Die hoch motivierten und teilweise kostümierten Läufer wollen auf der 10 und 20 Kilometer langen Strecke ihre Grenzen gehen. Oder darüber hinaus.

„Wir ziehen die Scheiße jetzt durch“, sagte Paddy vom Team „The big bois“ aus Itzehoe. Mit seinen Kumpels nimmt er das erste Mal an dem Laufevent teil. Erfahrungen dagegen hatte der 23 Jahre alte Kevin Dey aus Lübeck. Bis zum Startschuss verweilte er seelenruhig im Schneidersitz vor seinem neben der Rennstrecke aufgebauten Wigwam, um Kraft zu schöpfen. „Wie auf dem Nürburgring absolviere ich den Lauf mit meinem Schaukelpferd ‚Carpaccio‘ als Indianer-Häuptling ‚Rauchender Biber‘.“ Andere wiederum reckten und streckten sich, um ihre Muskeln auf das Event vorzubereiten: eine Mischung aus Kostümwettbewerb, Hindernislauf, Party, Startshow, einer großen Portion Humor und allen voran natürlich sportlichem Ehrgeiz. „Oder man lässt sich das schenken“, sagte Benjamin Struve aus Hamburg, der seiner Verlobten Jessica die Teilnahme zu Weihnachten präsentiert hatte. Mit einem kühlen Getränk in der Hand feuerte er seine Herzdame, die schon im vergangenen Jahr zu den Teilnehmern gehörte, am Rande der mit teilweise fiesen Hindernissen bestückten Rennstrecke an.

Drehwurmgefahr bestand schon beim ersten Hindernis. Wer den Kreisverkehr laufend, springend oder tanzend überwunden hatte, wurde schon beim Hürdenlauf Deluxe erwartet, ehe das „Kriechenland“ auf allen Vieren durchquert werden musste. Weiter ging es über Heuballen, Kletterwände und Übersee-Container durch ein „Paradies aus Gummis“, in dem die Teilnehmer ihre Reife(n)prüfung ablegten. Auch galt es, sich über Leitern auf das Plateau zu hieven, ehe ein Schaumbad, eine Rutschpartie und eine kleine Schwimmrunde für Abkühlung sorgten. Trotz der kräftezehrenden Tortur waren sich die Läufer einig, dass der Spaß bei all den extrem kräftezehrenden Hindernissen niemals zu kurz kam. „Es sind vor allem der Spaß, die Verrücktheit, die Gemeinschaft, die Gänsehaut-Momente und die tolle Stimmung, die hier an erster Stelle stehen“, sagte Jürgen aus Unterfranken, der mit seinem Kumpel Michael zum zweiten Mal beim Strongman-Run in Wacken antrat.

Doch trotz des Spaßfaktors ist dieser Wettkampf ein ernstzunehmender Hindernislauf, der eine gewisse Sportlichkeit voraussetzt. Und das wissen die Rookies (10 Kilometer) und die Läufer der Gesamtdistanz von 20 Kilometern spätestens, seitdem sie 1500 Strohballen, 20 000 Autoreifen und 63 Überseecontainer hinter sich gelassen haben. Sie gaben alles und verdienten sich somit ihren ganz persönlichen „Hero-Moment“ beim Zieleinlauf, den Olaf Stahl aus Brokdorf als schnellster Läufer des Strong-10 in gerade einmal 43,18 Minuten gewann.

Unter dem Motto „Go Heavy“ geht es im kommenden Jahr in die vierte Runde. Tausende Läufer werden sich dann wieder der stärksten Herausforderung stellen und im Kampf um Ruhm und Ehre ihr Bestes geben.

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