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Kloster Itzehoe : „Wir wollen uns der Stadt gern öffnen“

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Theater, Konzerte, Museum: Mit Kultur-Veranstaltungen will die neue Äbtissin Gudrun von Ahlefeld das Adelige Kloster Itzehoe aufwerten.

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erstellt am 06.Sep.2015 | 05:00 Uhr

Bis vor kurzem lebte Gudrun von Ahlefeld einfach nur auf dem Klosterhof. Jetzt ist sie dafür verantwortlich. Die bald 81-Jährige ist die neue Äbtissin des Adeligen Klosters. Dieses soll sich, so eines ihrer Ziele, weiter für die Stadt öffnen.

Gudrun von Ahlefeld ist die einzige der aktuell neun Konventualinnen, die auf dem Klosterhof wohnt. Ihre Familie mit Wurzeln auf dem Gut Damp gehört zur Schleswig-Holsteinischen Ritterschaft. Im Kloster eingeschrieben wurde sie vor fast 60 Jahren: „Das hat 1958 mein Herr Vater getan.“ Gudrun von Ahlefeld lebte erst in Bremen, dann im Schwarzwald. Schließlich bewarb sie sich 2002 um eine Wohnung beim Kloster, die die Konventualinnen mietfrei nutzen dürfen. Denn als selbstständige Kosmetikerin habe sie nur eine kleine Rente erworben, sagt die neue Äbtissin.

Zu dem Amt kam sie sehr spontan im Konvent. Die anderen Frauen – jung und beschäftigt durch Schule, Studium oder Beruf – seien nicht in Betracht gekommen für die Nachfolge der vor gut einem Jahr verstorbenen Henriette Gräfin zu Rantzau. Verbitter Hans Graf zu Rantzau schlug Gudrun von Ahlefeld vor, sie wurde gewählt: „Ich habe angenommen, erst einmal für fünf Jahre.“ Auf dem Klosterhof wurde sie gestern vorgestellt, ein offizieller Empfang mit geladenen Gästen findet am Mittwoch statt.

Eine Ablehnung kam für die Äbtissin nicht in Frage. „Das wäre doch dumm“, sagt sie und lacht – wie so oft. „Ich fühlte mich ja geehrt.“ Gleichzeitig habe sie es als Verpflichtung gesehen, sich um das Amt zu bewerben. Doch es sei alles sehr ungewöhnlich: „Mein Freundeskreis konnte sich das gar nicht vorstellen, was das bedeutet.“

Sie selbst auch nicht wirklich: „Ich muss da reinwachsen“, sagt Gudrun von Ahlefeld. Verbitter Hans Graf zu Rantzau sowie Verwalter Holger Grimm hätten bisher dafür gesorgt, dass sie sich als Bewohnerin wohl fühlte, nun seien sie ihre großen Stützen. Geistliche Themen gehören nicht mehr zu den Aufgaben der Äbtissin, ihr obliegt eher die Arbeit einer Priörin – bis ins Jahr 1929 war Lisa Gräfin zu Rantzau die letzte, die ausschließlich diese Position ausfüllte. Gudrun von Ahlefeld ist künftig mitverantwortlich für die Verwaltung des Klosters: Kontakt mit den Konventualinnen, rechtliche Vertretung des Klosters zusammen mit dem Verbitter, Öffentlichkeitsarbeit.

Gerade bei diesem letzten Punkt sollen behutsam neue Wege beschritten werden: „Wir wollen uns der Stadt ja gerne öffnen“, sagt die 80-Jährige. Der Freundeskreis St. Laurentii und Kloster war aus Sicht von Holger Grimm ein Schritt, als mögliche Beispiele für die Zukunft nennt er kulturelle Anlässe im Konventsaal in Kooperation mit Theater, Kreismuseum oder Stadtbibliothek, vielleicht auch ein kleines Museum. Es gehe darum, um Verständnis zu werben für das Gelände, das seit Hunderten von Jahren mitten in der Stadt privat unterhalten werde. Das wüssten und respektierten viele nicht, für die es ein Anziehungspunkt sei. Die Äbtissin sagt: „Es sind alle willkommen, die das zu würdigen wissen.“

„Aufgeregt“ sieht Gudrun von Ahlefeld ihrer Vorstellung entgegen, das können auch die Musik – sie spielt Bratsche im VHS-Orchester und singt in der Kantorei – sowie viel Gartenarbeit nicht ganz verhindern. Für die neue Aufgabe selbst, das weiß sie, gibt es noch Einiges zu lernen: „Ich lasse das auf mich zukommen.“

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