Geschichte : „Wir waren Onkel Bobs Ersatzfamilie“

„Ich war sein Liebling“, sagt Jutta Ohl, geborene Reimers (l.) über den britischen Besatzungssoldaten „Onkel Bob“, der auch ihre drei Schwestern Gerda, Ellen und Ursula (v. l.) ins Herz geschlossen hatte.
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„Ich war sein Liebling“, sagt Jutta Ohl, geborene Reimers (l.) über den britischen Besatzungssoldaten „Onkel Bob“, der auch ihre drei Schwestern Gerda, Ellen und Ursula (v. l.) ins Herz geschlossen hatte.

Erinnerungen an das Kriegsende und die Nachkriegszeit in Itzehoe

Kay Müller von
05. Mai 2015, 04:55 Uhr

Sie nannten ihn Onkel Bob. Jutta Ohl (Foto) aus Bekmünde verbindet ganz besondere Erinnerungen mit dem Kriegsende in Itzehoe. „Zwar war ich bei Kriegsende erst zwei Jahre alt, aber an die Nachkriegszeit erinnere ich mich noch sehr gut“, sagt die heute 71-Jährige. Und diese Erinnerungen verbindet sie besonders mit Onkel Bob, einem britischen Besatzungssoldaten, der sich um die kleine Jutta und ihre drei Schwestern kümmerte.

Und von diesen Begegnungen will Jutta Ohl am Jahrestag des Kriegsendes, Freitag, 8. Mai, um 15 Uhr, im Rahmen eines Klönschnack-Nachmittags im Kreismuseum Prinzeßhof berichten. „70 Jahre Frieden! Wenn das kein Grund für eine Veranstaltung dieser Art ist?“, sagt Museumsleiterin Anita Chmielewski. Denn es gibt noch Zeitzeugen, die sich an das Kriegsende, an die Kriegs- und Nachkriegsjahre erinnern. Wie Marlene Schlüter aus Krempe. Sie hat ihre Erlebnisse zu Papier gebracht und wird aus ihrem Buch „Marlene als sie noch Hintz hieß – 1000 Erinnerungen an die Jahre 1928 bis 1954“ lesen. Das Kreismuseum plant eine kleine Sonderausstellung zum Kriegsende, in der Zeitzeugen ihre Erlebnisse anhand eines Erinnerungsstückes erzählen können. „Wir freuen uns über weitere Exponate“, sagt Chmielewski.

Jutta Ohl verbindet ihre Erinnerungen an Onkel Bob mit einem besonderen Gericht: Milchsuppe. „Meine Schwester wollte Zucker von einem Regal herunter holen, doch die Dose fiel ihr aus der Hand und zerbrach. Sie siebte die Glassplitter aus, gab einen Löffel Zucker in die Suppe.“ Doch Jutta Ohls Mutter hatte Angst, dass ihre Kinder Glassplitter gegessen haben könnten. Ein Arzt empfahl jede Menge Butter, um Magen und Darm geschmeidig zu halten. Doch die gab es im Nachkriegsdeutschland kaum. „So wandte sich meine Mutter an Onkel Bob, der in der gesamten Siedlung von Haus zu Haus ging, um genügend Lebensmittelkarten für Butter einzusammeln. Dabei wurde er von Nachbarn und Freunden unterstützt. Gerne gaben Bewohner ihre Karten her.“ Die Kinder mussten ein Pfund Butter essen – und blieben gesund. Seit dieser Zeit isst Jutta Ohl Butter nur noch in Maßen.

Ihre Erinnerung an Onkel Bob bleibt, der kurz zuvor noch gegen die Deutschen gekämpft hatte. „Wir waren wohl ein bisschen seine Ersatzfamilie“, sagt Jutta Ohl heute. Ihre Familie hielt über lange Jahre Kontakt zu Onkel Bob.

>Der Eintritt für den Klönschnack-Nachmittags kostet 10 Euro (einschließlich Kaffee satt und Kuchen). Anmeldung unter 04821/64068 erbeten.








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