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Krebsberatung : „Wir versuchen Mut zu machen“

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Seit eineinhalb Jahren sorgt Petra Köster vom Krebsberatungszentrum in Brunsbüttel dafür, dass sich niemand mit der Diagnose allein gelassen fühlen muss.

shz.de von
erstellt am 26.Dez.2016 | 06:19 Uhr

Krebs – diese Diagnose reißt Betroffenen oft den Boden unter den Füßen weg. Alles ist plötzlich anders, das Leben wird fortan beherrscht von der Krankheit. Und in den meisten Fällen auch von Angst. Gut, wenn es dann eine Anlaufstelle gibt für alle Fragen, Probleme und Befürchtungen rund um dieses Thema. Seit eineinhalb Jahren sorgt Petra Köster im Krebsberatungszentrum (KBZ) Westküste in der Brunsbütteler Koogstraße dafür, dass sich niemand mit der Diagnose allein gelassen fühlen muss.

Zu verdanken ist das Angebot nicht zuletzt Jens Rusch. Nach seiner eigenen Krebserkrankung war es dem Brunsbütteler Künstler ein Anliegen, die Informations- und Beratungsstrukturen an der Westküste zu verbessern. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern hat der heute 66-Jährige seit der Gründung des Wattolümpiade-Vereins 2004 mehr als 330  000 Euro Spendengelder eingeworben und verteilt. Es gibt kaum noch jemanden in der Region, der das Sport-Spektakel im Schlick vor Brunsbüttel oder auch das „Wattstock-Festival“ nicht kennt. Mit den regelmäßigen Großveranstaltungen hat der Verein mit Unterstützung der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft für die Einrichtung von Krebsberatungsstellen in den Westküstenkliniken Brunsbüttel und Heide gesorgt, dort Palliativ-, Angehörigen- und Behandlungszimmer mitfinanziert, Krebsinformationstage und eine großangelegte Typisierungsaktion veranstaltet sowie die Kinderhospizarbeit des Hospizvereins Dithmarschen unterstützt. Und im Juni 2015 die neue Geschäftsstelle des Krebsberatungszentrums Westküste der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft in der Koogstraße eröffnet.

Seitdem ist Petra Köster dort als Ansprechpartnerin erreichbar. Die Krankenschwester mit Palliativ-Zusatzausbildung berät, vermittelt Termine mit dem Psychoonkologen Manfred Gaspar und Sozialberaterin Brigitte Reiner, hält die Fäden aller Selbsthilfegruppen, die sich mittlerweile gebildet haben, in der Hand – und hat einfach ein offenes Ohr für alle.

„Hier wird niemandem etwas aufgezwungen“, betont die 51-Jährige. „Aber es ist erwiesen, dass es einfach gut tut, wenn man mal mit jemandem redet.“ Gemeinsam mit den Patienten und Angehörigen findet sie dann heraus, was dem Einzelnen in seiner Situation gerade tut gut, welche Gruppe vielleicht für ihn die richtige sein könnte. Da gibt es die Selbsthilfegruppe „Leben mit Krebs“, eine Angehörigengruppe, das „Café Zeitenwende“ für Hinterbliebene, das Betroffenen-Café sowie die Herzkissengruppe „Die heißen Nadeln“. Sie alle kommen regelmäßig in den hellen, freundlichen Räumen in der Koogstraße zusammen und tauschen sich aus. „Die verschiedenen Gruppen sind sehr wichtig“, betont Petra Köster. „Man kann nicht immer alle an einen Tisch setzen.“ Neben den Gruppentreffen dient das Zentrum auch als Veranstaltungsort für Vorträge sowie Workshops. So ging es jüngst um „Fatigue – Wege aus der Erschöpfung“, die viele Krebspatienten auch noch lange nach Abschluss der Behandlung plagt. Und regelmäßig gibt Kerstin Reeh unter dem Titel „Schön und wohl“ wertvolle Make-up-Tipps.

„Ich organisiere einfach gerne“, sagt Petra Köster. Durch ihre frühere Arbeit im Krankenhaus kennt sie die Strukturen dort, weiß, wer wann angesprochen werden muss und ist mittlerweile sehr gut vernetzt. Sie wünsche sich, dass die Hemmschwelle, die viele Betroffene hätten, niedriger werde. „Viele haben bei der Diagnose Krebs sofort den Tod im Kopf“, so die Brunsbüttelerin. „Wir versuchen Mut zu machen. Die Medizin ist inzwischen doch sehr weit!“ Dabei helfen positive Beispiele wie das eines Patienten, der nach der 100. Chemotherapie gerade eine neue Liebe gefunden hat, oder eines Mitglieds der Hinterbliebenengruppe, das nach langer Trauerzeit jetzt mit einem neuen Partner glücklich ist.

Natürlich hört Petra Köster bei ihrer Arbeit auch viel Trauriges, wird oft mit Leid und Schmerz konfrontiert. Wie sie dabei nicht ihren Optimismus verliert? „Ich mache in meiner Freizeit bewusst etwas Schönes. Das Leben ist doch voll von schönen Dingen.“

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