Hilfe in der Not : „Wir standen vor dem Nichts“

Hilfe in der Not: Silke Steger (li.) half  Stefanie Rode und Christopher Hansen nach dem Brand.
Hilfe in der Not: Silke Steger (li.) half Stefanie Rode und Christopher Hansen nach dem Brand.

Eine sechsköpfige Burger Familie, die bei einem Brand im Januar ihr Haus verlor, hat wieder ein Dach über dem Kopf – dank Silke Steger und vielen Helfern.

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05. März 2014, 12:05 Uhr

„Wir leben – alles andere ist egal, das kann man ersetzen“, sagt Stefanie Rode (33) erleichtert. Am 27. Januar erlebten die Burgerin und ihre Familie einen Albtraum. Ihr Einfamilienhaus in der Hochstraße brannte restlos aus (wir berichteten). Die Brandursache konnte nicht eindeutig geklärt werden. Stefanie Rode konnte sich und ihren kleinen Sohn Luca (3), nur bekleidet mit Legings, Shirt und Hausschuhen rechtzeitig aus dem Haus retten – doch die Familie verlor ihr gesamtes Hab und Gut.

Lebensgefährte Christopher Hansen (44), der bei Hoelp in St. Michaelisdonn als Fahrer beschäftigt ist, erfuhr dort von dem Unglück. Die Kinder Björn-Lasse (10), Nikolas (12) und Wencke-Anica (7) waren in der Schule. „Wir standen vor dem Nichts. Eine Hausratversicherung konnten wir uns nicht leisten“, berichtet Hansen. Stunden nach dem Brand wurde der Familie die Situation bewusst. Wo wohnen, schlafen, leben? Freunde und Bekannte nahmen die vier Kinder und das Paar getrennt auf. Doch damit war die Familie auseinander gerissen – gerade in dieser schweren Zeit.

Silke Steger (43) aus Burg ist mit dem Paar seit Jahren befreundet. Sie reagierte sofort. In der Gruppe „Burg aktuell“ auf der Facebook-Seite im Internet startete sie einen Aufruf und bat um Hilfe. „Ich habe gar nicht lange nachgedacht, nicht geahnt, was ich damit auslöse.“ Zwei Tage später bereits türmten sich Kleidung, Spielzeug, Hausrat in ihrer Wohnung. Viele Dinge von Menschen, die sie gar nicht kannte.

In Rehm hatte gerade eine Frau das Haus ihrer verstorbenen Mutter ausgeäumt. Kurzerhand stellte sie den gesamten Hausrat zur Verfügung. Und Christopher Hansen konnte bei seinem Arbeitgeber zahlreiche Gegenstände aussuchen.

Silke Steger freute sich. Tagelang kam die alleinerziehende Mutter nicht zur Ruhe, schaffte den Spagat zwischen Haushalt, Kind, Telefon, Wohnungssuche, Spendenannahme. „Ich habe sehr viele nette Leute kennen gelernt, die schnell und ohne lange zu fragen mit Sach- und Geldspenden halfen. Leider gab es aber auch Anfeindungen, Beleidigungen und Beschimpfungen.“

Nirgends gab es eine geeignet Wohnung in der sechs Personen leben können. Die Gemeinde konnte nicht helfen. Steger ärgerte sich, dass in Burg viele Häuser leer stehen, aber kein Eigentümer kurzfristig vermieten wollte. „Stattdessen wurde eine Zwei-Zimmer-Wohnung angeboten mit dem Vorschlag, ein Matratzenlager aufzuschlagen. Und der Vermieter eines Bekannten, der Stefanie und ihren kleinen Sohn aufgenommen hatte, drohte mit Kündigung – wegen Untervermietung.“ Die ARGE schlug vor, getrennte Wohnungen zu mieten und die Familie aufzuteilen. „Was soll das?“, fragte Silke Steger – auch bei Facebook. Dort gab es Hilfe: Eine Burgerin hatte sich an das Hamburger Ehepaar Bernd H. und Bärbel Graap gewandt. Die boten ohne lange Diskussionen ihr leer stehendes Sechs-Zimmer-Haus in der Hafenstraße zur Miete an. Zwölf Helfer hatte Silke Steger für den Umzug organisiert. Inzwischen wohnt die Familie wieder unter einem Dach. „Das Haus ist groß, es gibt einen schönen Garten und unsere Kinder fühlen sich wohl. Trotzdem vermisse ich ein wenig das alte Umfeld und die gute Nachbarschaft die wir dort hatten“, sagte Stefanie Rode, die mit ihrem Partnern einen großen Dank an Silke Steger und alle Helfer richtet, die der Familie in dieser schweren Zeit geholfen haben.

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