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Norddeutsche Rundschau

24. Oktober 2017 | 13:39 Uhr

Bilanz : „Wir sind eine Wegwerfbücherei“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Leiterin der Stadtbibliothek, Traute Jankowski-Seebandt, zieht eine Jahresbilanz – und berichtet, welche Bücher am beliebtesten sind.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2015 | 17:06 Uhr

Es ist der Trend schlechthin. Vor Traute Jankowski-Seebandt liegen einige vegetarische und vegane Kochbücher. „Davon haben wir 130 Titel. Jeden Monat kommen fünf oder sechs dazu – und immer sind sie ausgeliehen“, sagt die Leiterin der Stadtbibliothek Itzehoe. Dass sie überhaupt noch welche im Regal gefunden habe, sei ungewöhnlich.

Die 60-Jährige sitzt mitten in der Bibliothek und zieht Bilanz. „Mit dem vergangenen Jahr bin ich ganz zufrieden“, sagt sie. Es habe zwar mit rund 443  000 Ausleihen einen leichten Rückgang von fünf Prozent gegeben, aber die Zahl der aktiven Nutzer sei mit über 5100 relativ stabil geblieben. 430 Besucher kommen im Schnitt pro Tag in die Bibliothek. Die biete ihren Nutzern, die etwa zur Hälfte aus der Stadt und dem Kreis kommen, fast 60  000 Medien an – neben den 44  000 gedruckten Erzeugnissen DVDs, CDs und die immer weiter steigende Zahl der elektronischen Bücher: 15 Prozent aller Leser nutzten dieses Angebot und könnten aus 18  000 Lizenzen, die mehrere Bibliotheken im Land online anbieten, wählen. „Meist sind das aber Mehrfachtäter, die auch noch zum normalen Buch greifen“, sagt Jankowski-Seebandt.

Denn wie bei den Buchtiteln gibt es auch bei den Medien Modewellen. „Diese Jahr werden wir wohl die letzten CD-Roms aussortieren“, sagt Jankowski-Seebandt. Videocassetten gebe es schon lange nicht mehr. „Mal sehen, wie lange wir noch DVDs haben.“

Denn Jankowski-Seebandt muss einen unsentimentalen Umgang mit ihren Medien pflegen. Sie fasst das in einem Satz zusammen: „Wir sind eine Wegwerfbücherei.“ Der Bestand werde fortlaufend erneuert. „Allerdings werfen wir die Bücher nicht wirklich weg, sondern verkaufen sie regelmäßig auf unseren Flohmärkten. Da wissen wir, dass die Werke in gute Hände kommen.“ Und Fachbücher würden an Schulen abgegeben.

Es sei ganz unterschiedlich, wann ein Buch aussortiert werde. „Ein kunstgeschichtlicher Band, der seine Aktualität behält und zwei Mal im Jahr ausgeliehen wird, wird bleiben. Wenn ein Kochbuch nur zwei Mal ausgeliehen wird, müssen wir uns schon fragen, ob das ein Fehlkauf gewesen ist.“

Das komme allerdings selten vor. „Mit der Zeit wissen wir, was die Nutzer wollen“, sagt Jankowski-Seebandt. „Was sich in den Buchhandlungen verkauft, wird auch hier ausgeliehen.“ Und natürlich beeinflussen aktuelle Ereignisse das Leseverhalten, wie im vergangenen Jahr der Tod von Siegfried Lenz. „Da haben wir alles nach vorne geräumt, was wir von ihm haben.“ Solche Klassiker würden nicht aussortiert. „Wir haben ja auch einen Bildungsauftrag“, sagt Jankowski-Seebandt. Deshalb stehen in den Regalen immer Bücher, die nötig sind, um einen Bildungsabschluss zu erlangen.

Doch auch in der Stadtbibliothek bestimmt die Nachfrage das Angebot. Bringen Autoren wie Sebastian Fitzek ein neues Buch heraus, bestellt die Leiterin gleich mehrere Exemplare. „Und die sind trotzdem fast immer weg.“

Jankowski-Seebandt sagt: „Die Menschen lesen heute nicht weniger, sie lesen anders.“ Über ein Fünftel ihrer Nutzer sei jünger als zwölf Jahre. Die Bibliotheksleiterin will ihr Haus nicht nur deswegen als Treffpunkt stärken, ein Wlan-Netz sei deswegen nötig. Allein 178 Veranstaltungen habe es im vergangenen Jahr gegeben, in diesem Jahr will Jankowski-Seebandt das noch ausbauen – vor allem für Migranten, von denen immer mehr kommen, um mit den Medien ihr Deutsch zu verbessern.

700  000 Euro kostet der Betrieb der Bibliothek, 125  000 Euro kommen vom Kreis, 125  000 Euro vom Land, den Rest zahlt die Stadt. In ganz Schleswig-Holstein gibt es 80 Bibliotheken, dazu die Fahrbüchereien.

Und was empfiehlt die Bibliotheksleiterin als Lektüre? Sie holt ein Buch des schwedischen Autoren Lars Pettersson. „Er verbindet einen guten Krimi mit einer starken Gesellschaftsgeschichte der Samen im schwedischen Norden. Das macht ein gutes Buch aus“, sagt sie. Kaufen wird sie sich das Werk allerdings nicht. „Warum auch? Ich habe ja alles, was ich brauche, hier.“

 

 

Am meisten entliehen – die Spitzenreiter

 

Sachbücher

1) Christine Westermann: Da geht noch was (23 Mal verliehen)

1) Guido Kretschmer: Anziehungskraft (23)

3) Giulia Endres: Darm mit Charme (21)

Romane

1) Jojo Moyes: Ein ganzes halbes Jahr (100)

2) Sebastian Fitzek: Noah (50)

3) Ken Follett: Kinder der Freiheit (28)

Kinderbücher

1) Jeff Kinney: Gregs Tagebuch, Band 8 (75)

2) Ulrich Blanck: Das Rätsel der Könige (35)

3) Erin Hunter: Feuersteins Mission (28)

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