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Wohnbauprojekt : „Wir möchten nicht woanders hin“

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Einige Kleingärtner aus der Anlage Eichtal im Kratt sollen umziehen und Platz machen für ein mögliches Neubaugebiet. Sie wollen rechtliche Schritte dagegen prüfen.

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erstellt am 27.Apr.2017 | 08:00 Uhr

„Ich habe Angst um meine Pflanzen.“ Christin Heinze blickt sich traurig in ihrem Kleingarten in der Anlage Eichtal um. „Hier sind so viel Schweiß und Herzblut von mir und meiner Familie reingeflossen. Das möchte ich nicht verlieren.“ Überraschend kam für sie und ihren Mann Florian vergangene Woche die Einladung von Kleingartenverein und Stadtverwaltung zu einem Gespräch im Rathaus am Dienstagabend. Der von den Heinzes gepachtete Garten sei für Wohnbebauung vorgesehen. Nun wolle man über einen möglichen Umzug sprechen, stand da. Etwa ein gutes Dutzend weiterer Pächter seien auch eingeladen worden, berichtet Christin Heinze. „Wir wussten natürlich vom geplanten Neubaugebiet, aber bisher hat man uns immer gesagt, unser Garten sei davon nicht betroffen“, sagt sie.

Nun sei ihnen in dem Gespräch mit dem Vorstand des Kleingartenvereins und Vertretern der Verwaltung mitgeteilt worden, dass ihnen zum Ende des Jahres die Kündigung drohe. „Man hat uns angeboten, dass wir im Laufe des Sommers Unterstützung beim Umzug in einen anderen Kleingarten bekommen, wenn wir binnen vier Wochen freiwillig auf unseren Garten verzichten.“ Doch das Ehepaar hängt an dem Gelände im Kratt, das es in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaut hat. „Man hat uns aber deutlich gemacht, dass wir im Falle einer Kündigung nicht mit Unterstützung rechnen können“, sagt Heinze.

Mit ihrem Mann besuchte die Itzehoerin am Dienstag die Sitzung des Stadtentwicklungsausschuss – gemeinsam mit etwa 20 weiteren Kleingärtnern und Vertretern der Umweltverbände NABU und BUND. Florian Heinze nutzte die Einwohnerfragestunde, um sich zu erkundigen, warum auch sein Garten geräumt werden soll, obwohl ihm bisher anderes signalisiert worden sei.

Seit Mitte der 90er Jahre gibt es Pläne, Teile des Geländes, auf dem heute die Kleingartenanlage Eichtal steht, zu einem Wohngebiet zu entwickeln, aktuell geht es um bis zu 100 Häuser. Stadtplaner Marc Springer erklärte, die Verwaltung führe derzeit vertrauliche Gespräche mit einem Investor über die Entwicklung des Baugebiets. Dafür prüfe man, was auf dem Gelände möglich sei. Er bestätigte, dass dabei auch ein 30 Meter breiter Streifen von Kleingärten in den Blick genommen werde, der im Aufstellungsbeschluss nicht als Bauland vorgesehen sei. Er sei im Vorfeld des letztlich erfolglosen Bieterverfahrens, mit dem 2016 ein Investor für das Baugebiet gesucht wurde, dazu gekommen. Ob dort letztlich tatsächlich gebaut werde, müsse aber noch durch die Politik beschlossen werden. „Wir suchen gute Lösungen im Gespräch, um Kündigungen zu vermeiden“, so Springer.

Ob dies im Fall der Heinzes gelingt, ist fraglich – sie fühlen sich unter Druck gesetzt und wollen sich zunächst gemeinsam mit anderen Pächtern der Anlage Eichtal von einem Anwalt rechtlich beraten lassen.

„Wir möchten nicht woanders hin“, sagt Christin Heinze. Es gehe nicht nur um die Pflanzen, auch die Gemeinschaft mit den Nachbarpächtern sei ihr wichtig. „Und ich weiß nicht, wie ich meinem Sohn erklären sollte, warum wir dort weg müssen.“

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