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Itzehoer Polizeichef : „Wir haben die Situation im Griff“

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Sven Pehl ist seit 2007 Leiter des Polizeireviers Itzehoe. Vor 42 Jahren ist der gebürtige Kellinghusener in den Dienst getreten.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2017 | 05:00 Uhr

Vor zehn Jahren hat Sven Pehl (58) die Leitung des Polizeireviers Itzehoe übernommen. In seinen Zuständigkeitsbereich fallen auch die Polizeistationen Wellenkamp, Schenefeld, Hohenlockstedt und Kellinghusen. Insgesamt betreut seine Dienststelle etwa 90.000 Einwohner. Wir haben mit ihm über Veränderungen in der Polizeiarbeit, die Aufklärung von Straftaten und Gewalt gegen Polizisten gesprochen.

Herr Pehl, ist Itzehoe eine gefährliche Stadt?

Pehl: Nein. Die Menge der Kriminalität wird bei uns anhand der sogenannten Häufigkeitszahl festgestellt. Diese benennt die Zahl der Straftaten, bezogen auf 100.000 Einwohner. In Schleswig-Holstein sind das im Durchschnitt etwa 7200 Straftaten auf 100.000 Einwohner. Im Kreis Steinburg liegt diese Zahl bei etwa 6400. Das können wir auch auf meinen Zuständigkeitsbereich zurückbrechen, da das Polizeirevier Itzehoe etwa zwei Drittel des Kreises betreut. Und diese Zahlen liegen eigentlich schon seit Jahren so.

Wo liegen in Ihrem Zuständigkeitsbereich die Kriminalitätsschwerpunkte?

Die gibt es in dem Sinne nicht, wir haben allerdings Tendenzen. Seit etwa 2012 sind zwar Diebstähle rückläufig – beispielsweise Ladendiebstähle oder gestohlene Fahrräder. Auf der anderen Seite gibt es viel mehr Vermögensdelikte, vornehmlich Betrug. Viel läuft dabei heute online: Die Internetkriminalität nimmt zu – und ich fürchte, da ist das Ende noch gar nicht abzusehen. Beim Diebstahl ist das Entdeckungsrisiko einfach höher.

Laut Kriminalstatistik haben aber auch die Körperverletzungen im Kreis zugenommen.

Die sogenannten Rohheitsdelikte sind in unserem Bereich insgesamt angestiegen. Dazu gehört insbesondere die Körperverletzung. Und da gibt es tatsächlich einen spürbaren Anstieg – aber das ist ein landesweites Phänomen. Da sind wir im Revierbereich Itzehoe keine Ausnahme. Das ist aber kein Grund zur Sorge, wir haben die Situation im Griff.

Allerdings nimmt auch die Gewalt gegen Polizeibeamte zu.

Auch diese Zahlen sind ohne Frage steigend. Dazu gehören Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzungen, aber auch schon mal Beleidigungen. Wir stellen natürlich unsere gesamte Aus- und Fortbildung auf dieses Phänomen ab, auch die Ausrüstung ist in der heutigen Zeit deutlich besser. Die Hemmungen sind aber einfach geringer, gegen Polizeibeamte Gewalt anzuwenden.

Worauf führen Sie das zurück?

Es sind immer häufiger Menschen, die Drogenprobleme haben oder unter Medikamenteneinfluss stehen, aber auch psychisch kranke Menschen. Als ich selbst noch junger Polizist war, hatten wir auch Widerstände gegen Vollstreckungsbeamte, aber sie waren nicht so zahlreich. Auffällig ist außerdem, dass es oft Situationen sind, in denen der Mitarbeiter gar nicht damit rechnet. Die Aggressivität kommt häufig ganz plötzlich. Und das macht den Beruf des Polizeibeamten in der konkreten Situation auf der Straße so gefährlich. Es kommt immer wieder vor, dass Kollegen auch verletzt werden.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Erst vor drei Wochen konnten wir die Festnahme von zwei jungen Wohnungseinbrechern an den Bahngleisen in Brokstedt verbuchen. Allerdings kam es bei der Festnahme zu einer Auseinandersetzung mit einem meiner Mitarbeiter, der sich dabei verletzt hat.

Was ist passiert?

Einer der Tatverdächtigen hat Widerstand gegen seine Festnahme geleistet. Dabei ist der Kollege von der Bahnsteigkante gestürzt und hat sich den Fuß schwer verstaucht. Die Folge ist eine längere Dienstunfähigkeit.

Wie häufig kommt so etwas in Ihrem Revierbereich vor?

Ich schätze, wir haben allein in meiner Dienststelle jedes Jahr etwa fünf Kollegen, die infolge von Widerständen oder Angriffen von Straftätern dienstunfähig sind – mal für ein paar Tage, aber auch schon mal für eine längere Zeit.

Festnahmen im Zusammenhang mit Einbrüchen hat es in der Vergangenheit häufiger gegeben. Die Aufklärungsquote liegt laut Statistik im Kreis bei 19,1 Prozent.

Das Thema Wohnungseinbrüche beschäftigt uns immer wieder – verstärkt in den letzten Jahren. Diese sind aber auch deswegen sehr im Fokus, da sie die Bevölkerung stark verunsichern. Das wissen diejenigen am besten, die schon mal betroffen waren und ungebetene Gäste in ihrem Haus hatten. Das ist eine sehr belastende Situation – zusätzlich zu den wirtschaftlichen Folgen. In diesem Bereich hatten wir im vergangenen Jahr zwar rückläufige Zahlen. Dennoch gab es immer mal wieder kleine Serien von Wohnungseinbrüchen. Zurzeit ist aber Ruhe.

Wohnungseinbrüche treten allerdings ohnehin vermehrt in der dunklen Jahreszeit auf.

Das stimmt. 2016 sind die Zahlen allerdings auch im Vergleich zum Vorjahr rückläufig gewesen.

Wie kam es zu diesem Erfolg?

Wir haben unsere Fahndungsmaßnahmen intensiviert und auf diesen Deliktbereich konzentriert. Wir sind mit zusätzlichen Beamten im Dienst gewesen – und waren auch deswegen erfolgreich.

Wie kann diese Quote noch weiter verbessert werden?

Wir sind immer wieder auch auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen – auf Beobachtungen wie völlig fremde Fahrzeuge oder Personen, die durch die Gegend schleichen und Grundstücke beobachten. Wenn einem etwas verdächtig vorkommt, sollte man es der Polizei mitteilen. Das passiert zwar im Einzelnen, könnte aber noch zunehmen. Mal ein Kennzeichen aufschreiben und lieber einmal öfter die Polizei anrufen als zu wenig: Das hilft uns bei unserer Arbeit.

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