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Flüchtlinge : „Wir freuen uns über Unterstützung“

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Vorbereitungen des Roten Kreuzes für Start in der Landesunterkunft laufen auf Hochtouren. Ortrud Michel leitet Betreuerteam.

Massenweise Babynahrung und Hygieneartikel, hunderte Pakete mit Windeln und jede Menge große Kartons mit Bettdecken und Kopfkissen stapeln sich im Lager des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der ehemaligen Glückstädter Kaserne. Es ist beengt und ziemlich kalt – der Wind pfeift durch die unbeheizten Lagerräume. Aber die Stimmung bei den Mitgliedern des DRK-Teams ist sehr gut. „Es geht voran“, berichtet Aurelia Weist. Weit über 500 sogenannte Starter-Pakete in blauen Plastiksäcken sind schon gepackt. Diese Erstausstattung mit Bettzeug, Handtuch und Hygieneartikeln wird jeder Flüchtling beim Einzug in die geplante Landesunterkunft (LUK) in Glückstadt bekommen.

„Wir haben jetzt im Lager vernünftige Regale – eine große Erleichterung“, sagt Ortrud Michel. Die Lagerlogistik ist nur eines von vielen Themen, mit dem sich die 57-Jährige im Moment beschäftigt. Seit dem 1. November ist Michel für das Rote Kreuz tätig. Sie wird das Betreuungsteam in Glückstadt leiten, wenn die ersten Bewohner einziehen. „Gäste“, korrigiert Michel. „Das ist mir wichtig.“

Mit dem Aufbau von Organisationsstrukturen kennt sie sich aus. 30 Jahre lang hat Michel in der Finanzwirtschaft gearbeitet. Zuletzt war sie sich im gehobenen Management mit dem Aufbau von neuen Abteilungen und Bereichen befasst. „Nun war die Zeit reif, für eine neue Aufgabe“, erklärt sie den eher ungewöhnlichen „Branchenwechsel“. „Das Thema Flüchtlinge ist hoch spannend und die Vielfältigkeit meiner neuen Position reizt mich sehr.“

Im Moment pendelt Michel zwischen der Flüchtlingsunterkunft in der Liliencron-Kaserne in Kellinghusen und dem „Camp“, wie sie es nennt, in Glückstadt. Auch in Kellinghusen ist das Rote Kreuz für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig. Michel informiert sich direkt vor Ort, arbeitet selbst mit. „Inzwischen gibt es viel Erfahrung, auf die wir für Glückstadt zurückgreifen können“, sagt sie. „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, vieles hat sich schon bewährt. Aber in einigen Bereichen habe ich den Ehrgeiz, doch noch etwas zu verändern.“

Zum Beispiel arbeite sie an zusammen mit Polizei und Landesamt für Ausländerangelegenheiten an einem „Orientierungsleitfaden“ für die Menschen, der neben praktischen Informationen („Wo und wann gibt es Frühstück?“) auch Hinweise zur Integration enthalten wird. „Ich sehe mich als Gastgeberin, die für die Menschen da ist, erwarte aber auch einen respektvollen Umgang in beide Richtungen“, erklärt Michel ihre Herangehensweise.

Der vielleicht wichtigste Teil ihrer Arbeit im Moment ist aber der Personalaufbau. Bis zu 80 Stellen werde das DRK in Glückstadt schaffen, hatte Kreisgeschäftsführer Stefan Gerke im Oktober angekündigt. Acht Mitarbeiter hat das Team von Ortrud Michel bisher. „Und ich habe noch einen großen Stapel Bewerbungen liegen.“ Besetzt sind bereits die Leitungspositionen für die Bereiche Sozial- und Hausbetreuung. Erste Abteilung soll sich um den Kindergarten, die Beratung und die „gesamte Bandbreite der Tagesaktivitäten“ kümmern. Letztere ist für die Unterbringung und Versorgung mit Kleidung, Hygieneartikeln und ähnliches zuständig. Auch eine Dolmetscherin hat Michel bereits eingestellt. „Ich freue mich aber durchaus über weitere Bewerbungen.“ Sie sei überrascht gewesen, wie viele Menschen aus dem näheren Umfeld sich beworben hätten.

Beeindruckt ist sie vom ehrenamtlichen Engagement in der Stadt. „Es ist wirklich wunderbar, wie organisiert und positiv das in Glückstadt ist.“ Auch in der LUK möchte Michel auf ehrenamtliche Hilfe zurückgreifen. „Die Grundversorgung werden wir mit hauptamtlichen Mitarbeitern leisten, aber wir freuen uns über jede Unterstützung.“ Vom Dolmetschen bis zur Organisation von Freizeitaktivitäten, insbesondere im Sport, sei vieles denkbar. Das Rote Kreuz sei in diesem Bereich in enger Abstimmung mit dem bestehenden, ehrenamtlichen Willkommensteam in Glückstadt und der Integrationsbeauftragten Katharina Schmidt, die dieses koordiniert.

Auch sonst sucht Michel den Kontakt zum Umfeld. „Ich werde mich demnächst persönlich bei den direkten Nachbarn vorstellen“, erklärt sie. „Ich selbst würde mir das auch wünschen. Wenn in meiner Nähe so eine große Einrichtung entstehen würde, dann würde ich auch wissen wollen, was und wer dahinter steckt. Diese Fragen möchte ich direkt beantworten.“ Sie möchte, dass sich die Landesunterkunft „ganz geräuschlos und selbstverständlich“ ins Stadtbild einfügt. „Das ist das Ziel.“

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erstellt am 20.Nov.2015 | 17:08 Uhr

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