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Flüchtlinge in Itzehoe : „Wir bekommen keine Wohnung“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Eine syrische Familie sucht seit Monaten eine neue Bleibe in Itzehoe – vergeblich.

Er war schon überall: Bei Immobiliengesellschaften, bei Vermietern, hat in Inseraten nach passendem Wohnraum für sich und seine Familie gesucht – aber: „Wir bekommen keine Wohnung“, sagt Mohammad Alhusari.

Seit einem Jahr und fünf Monaten lebt der Mann, der einst einen eigenen Betrieb als Metallbauer in Damaskus hatte, in Itzehoe. Seit Mitte Dezember ist seine Frau mit den vier Kindern ebenfalls in der Stadt, zusammen leben sie in einer kleinen Drei-Zimmer-Wohnung in Itzehoe. „Die Kinder liegen wie Fische in der Dose“, sagt Alhusari als er die Bleibe seiner Familie zeigt. Vier Betten stehen in dem einen Schlafzimmer nebeneinander. Dass in den Zimmerecken und an der Decke der Schimmel wuchert, ist Alhusari peinlich.

„Ich habe überall gesucht, aber entweder ist die Wohnung zu teuer oder die Vermieter wollen uns sechs nicht, weil sie die Wohnung für zu klein halten“, sagt der 40-Jährige. Dabei wäre er auch mit einer Vier-Zimmer-Wohnung zufrieden – 619,50 Euro darf die kalt inklusive Nebenkosten teuer sein. Denn das ist der Satz, den die Familie vom Jobcenter zugesprochen bekommt.

„Das ist doch eine sichere Einnahme für Vermieter“, sagt Ingeborg Bruhn-Günther, die Mohammad Alhusari seit dem Sommer Deutsch beibringt – und sich in die Wohnungssuche mit eingeschaltet hat. „Die meisten Vermieter sind total nett“, sagt die Itzehoerin. „Aber eine Wohnung wollen sie Mohammad trotzdem nicht vermieten. Spätestens wenn sie das Wort ,Syrer‘ hören ist das Thema für sie erledigt.“ Zum Teil könne sie ältere Vermieter verstehen, denen die Kultur der Syrer fremd sei, die fürchteten, ihre Wohnungen könnten verwüstet werden. „Aber ich kenne die Familie, ich bürge für sie.“ Und immer noch sieht Ingeborg Bruhn-Günther Leerstände in der Stadt und fragt sich: „Warum werden diese Wohnungen nicht vermietet?“

Offenbar gibt es viele Gründe, einer sei ihr von der Mitarbeiterin einer Immobilienfirma genannt worden: „Niemand in Itzehoe vermietet mehr an syrische Flüchtlinge.“ Immerhin stehe die Familie Alhusari bei anderen Immobilienmaklern auf der Warteliste, aber der Wohnraum wird immer knapper.

„Das Problem ist, dass große Wohnungen ohnehin Mangelware in Itzehoe sind“, sagt Brigitte Ohlsen von der gleichnamigen Hausverwaltung. „Und wenn man Häuser sucht, dann kosten die schon schnell 1300 Euro Miete – und das ist für Menschen, die auf Bezüge vom Jobcenter angewiesen sind, zu viel.“ Große Wohnungen seien in der Vergangenheit wenig nachgefragt gewesen – das sei jetzt anders.

Auch bei Gatermann-Immobilien ist die Nachfrage groß. „Wir hatten im Herbst täglich zwischen drei und fünf Interessenten“, sagt Dirk Gatermann. Viele Familien wollten innenstadtnahe Wohnungen. An den Vermietern liege es nicht, die seien nicht fremdenfeindlich. „Manche nehmen sogar gern Menschen, bei denen das Amt für die Zahlung der Miete garantiert.“ Eine Warteliste gibt es bei Gatermann nicht.

Bei Schoof-Immobilien werden die Interessenten schon gelistet, denn auch dort gibt es „praktisch keine Leerstände mehr“, sagt Heike Klöppel. Das gelte für große wie kleine Wohnungen. „Wir haben gerade in Itzehoe auch schon viele Objekte an die Stadt vermietet, die dort Flüchtlinge untergebracht hat.“ Zwar sei die Nachfrage in den vergangenen Wochen etwas zurückgegangen, aber auch außerhalb von Itzehoe „sieht es immer noch ganz schlecht aus“.

Das sieht auch Falko Dippel von der Wankendorfer so. „Große Wohnungen wurden in der Vergangenheit kaum nachgefragt, die hat keiner mehr gebaut.“ Früher sei es möglich gewesen zwei nebeneinander liegende Wohnungen anzumieten. „Aber“, so Dippel, „die sind lange vermietet. Der Wohnungsmarkt ist deutlich enger geworden.“

Joachim Parthun von Immopart hat gerade eine Fünf-Zimmer-Wohnung an eine Flüchtlingsfamilie vermittelt. „Die Wohnung war nicht ungepflegt, aber alt. Die Miete war deswegen gering, weil sich der Mieter verpflichtet hat, substanzielle Instandsetzungsarbeiten zu leisten.“ Das sei aber die absolute Ausnahme. „Und“, sagt Parthun, „viele Vermieter haben auch eine Scheu an Flüchtlingsfamilien zu vermieten.“

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