Interview : „Wir alle sind die Stadt“

Kratzen, schrubben, wischen: „Das hier war der schlimmste“, sagte Nils Priebe (Mitte) über die Fensterfront eines Ladens in der Feldschmiede. Mit seinen Mitarbeitern Sven Lingnau (vorn) und Joachim Hennings hat der Glasreiniger aus Wewelsfleth die Schaufenster von zwölf leeren Geschäften gereinigt. Und das Ziel erreicht: „Dann sieht das wieder etwas besser aus.“
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Kratzen, schrubben, wischen: „Das hier war der schlimmste“, sagte Nils Priebe (Mitte) über die Fensterfront eines Ladens in der Feldschmiede. Mit seinen Mitarbeitern Sven Lingnau (vorn) und Joachim Hennings hat der Glasreiniger aus Wewelsfleth die Schaufenster von zwölf leeren Geschäften gereinigt. Und das Ziel erreicht: „Dann sieht das wieder etwas besser aus.“

Reinigungsaktionen, Blumen und Beleuchtung in der Adventszeit: Das Stadtmanagement will Itzehoes Zentrum schöner machen.

shz.de von
23. März 2017, 05:00 Uhr

Lydia Keune-Sekula ist seit Februar 2011 Geschäftsführerin des Itzehoer Stadtmanagements. Im Interview mit unserer Zeitung spricht sie über Herausforderungen und Pläne sowie Themen wie den Leerstand und die Verschönerung der Innenstadt.

Frau Keune-Sekula, in der Vergangenheit wurde immer mal wieder der Vorwurf laut, die Arbeit des Stadtmanagements sei für die Itzehoer nicht sichtbar. Wie reagieren Sie darauf?

Keune: Auf unserer jährlichen Agenda steht grundsätzlich viel Sichtbares. Veranstaltungen – wie die Itzehoer Woche, Verkaufsoffene Sonntage oder die Krimi-Nordica – müssen auf den Punkt und erfolgreich laufen. Auch die Touristinfo und der Gutscheinverkauf sind feste Bausteine. Wo wir bisher tatsächlich wenig Sichtbares erreicht haben, ist im Bereich der Innenstadt-Revitalisierung: Wie kriegen wir hier erkennbar eine Trendwende hin? Zum einen, was Sauberkeit und Atmosphäre angeht, zum anderen auch konkret in Bezug auf Leerstand und Baulücken.

Das ändert sich jetzt, da Ihnen jährlich ein Zuschuss der Stadt in Höhe von 40  000 Euro für freie Projektmittel zusteht. Geld, das Sie bislang extern einwerben mussten.

Die Politik hat damit eine weise Entscheidung getroffen. Statt weiter um die Beteiligung der Eigentümer und Händler zu werben – was viele Projekte trotz aufwändiger Planung zum Scheitern brachte – können wir jetzt konkret handeln. Das gilt in erster Linie für den Bereich Sauberkeit und Atmosphäre. Hier werden wir jetzt die ersten sichtbaren Impulse geben. Begonnen haben wir schon mit der neuen Weihnachtsbeleuchtung. Auch die konnten wir 2016 nur umsetzen, weil uns die Stadt eine Ausfallbürgschaft gegeben hat. Aber immerhin rund 70 Prozent aller Eigentümer und etwa 60 Prozent der Händler beteiligen sich – und wir werben weiter darum, weil die Beleuchtung die Menschen begeistert hat.

Was schwebt Ihnen noch vor?

Die neuen Projektmittel versetzen uns in die wunderbare Lage, mit freiem Kopf zu planen. Nächste Woche werden wir die ganze Innenstadt mit Blumen ausstatten. Es werden über 200 hohe Vasen aufgestellt, die alle gleich bepflanzt und dekoriert sind. Sie bleiben ganzjährig stehen und werden noch zweimal neu gestaltet. Die Einzelhändler bitten wir lediglich, die Blumen zu gießen.

Was ist außerdem geplant?

Wir werden zusätzlich zu den Maßnahmen des Bauhofs ein- bis zweimal pro Woche einen „Itzehoer Saubermann“ durch die Fußgängerzone schicken, der an den stark verschmutzten Stellen nachreinigt: Wenn es unter den Bänken vermoost, Zigarettenkippen rumliegen oder es gerade vor Leerständen richtig vermüllt.

Es wird also insbesondere vor den leerstehenden Geschäften gereinigt?

Natürlich auch. Hier fehlen ja die Händler, die im Eigeninteresse alles sauber halten. Darum haben wir vergangenen Dienstag bereits die Fenster der Leerstände putzen lassen sowie unter anderem Plakate und Klebereste entfernt. Für das nächste Jahr könnte ich mir auch eine gemeinsame Fensterputz-Aktion aller Händler quer durch die Stadt vorstellen. Und wir planen weitere Verschönerungsaktionen.

Wie soll es aus Ihrer Sicht beim Thema Leerstand und Baulücken weitergehen?

Wir haben in den vergangenen vier Jahren viel Know-how zum Thema Einzelhandelsentwicklung erworben. Wir sind immer noch die erste Kommune in Schleswig-Holstein, die über ein Innenstadtkataster verfügt. Das ermöglicht uns mittlerweile einen geordneten Dialog mit den Eigentümern. Hätten wir den nicht aufgebaut, gäbe es beispielsweise auch keine neue Weihnachtsbeleuchtung. Für die konkrete Neubesetzung von Leerständen müssen jedoch mehrere Faktoren zusammenpassen. Es ist komplex und sehr aufwändig, aber wir stehen an zwei Stellen in der Innenstadt kurz vor ebenfalls sichtbaren Veränderungen. Wichtig ist aber die Erkenntnis, dass uns die großen Filialisten nicht zwingend Nachhaltigkeit bieten. Wir brauchen die kleinen, individuellen Läden in der Handelsszene – und davon haben wir hier viele gute.

Und doch gibt es immer wieder Kritik an der Innenstadt. Sind die Itzehoer insgesamt zu pessimistisch?

In der Tat fehlt vielen der liebevolle Blick auf unsere Stadt. Und das könnte durchaus daran liegen, dass wir mit dem Zuschütten der Störschleife auch ein Stück ihrer Identität verloren haben. Ich setze darauf, dass die Initiative „Störauf“ gelingt und wir gemeinsam und entschlossen in die Zukunft Itzehoes aufbrechen. Denn wir alle sind die Stadt. Schuldzuweisungen bringen uns nicht voran, Eigeninitiativen schon eher.

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