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Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 13:02 Uhr

WIR: Abschied mit etwas Wehmut

vom

Wählerinitiative für reelle Politik in Brunsbüttel tritt nicht wieder für die Ratsversammlung an und zieht nach 20 Jahren positive Bilanz

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Brunsbüttel | Sie sagen nicht zum Abschied leise "servus". Denn die Aktiven der Wählerinitiative für reelle Politik in Brunsbüttel (WIR) haben zwar am Montag in ihrer Jahresversammlung offiziell den Rückzug aus der Ratsversammlung verkündet. Sich in der Stadtpolitik zu Wort melden wollen sie aber auch nach der Kommunalwahl am 26. Mai. Eine Auflösung war in der Versammlung kein Thema. Vom ansehnlichen Kassenbestand werden Brunsbütteler Schulen profitieren. Denn die WIR wird sich satzungsmäßig eine neue Ausrichtung geben müssen, wenn sie nicht mehr für die Ratsversammlung kandidiert. Im Mittelpunkt des Abends stand aber die Bilanz nach 20 Jahren Engagement für die Schleusenstadt.

Eigentlich gebe es gar keinen geeigneten Zeitpunkt für den Rückzug aus der Stadtpolitik, befand der am Montag wiedergewählte Vorsitzende Kai Schwonberg, in der Ratsversammlung der Fraktionschef der WIR und bis zur konstituierenden Sitzung am 19. Juni als Erster Stadtrat Stellvertreter des Bürgermeisters. In der Kommunalwahl 2008 holte die WIR mit 20,3 Prozent der Stimmen fünf Sitze. Das sei schon eine Verpflichtung gegenüber den Wählern, so Schwonberg. Aber: "Wir alle sind in der Politik alt geworden und im Beruf aktiv", fasste er die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre zusammen. Jetzt gelte das Augenmerk den jeweiligen Berufen - und auch dem Wunsch nach mehr Freizeit. Und politischer Nachwuchs für die Wählerinitiative sei nicht in Sicht. Somit bleibe nur der Schlussstrich zum Ende der Legislaturperiode. "Vielleicht gibt es ja irgendwann Leute, die das reaktivieren möchten", hofft Schwonberg. Bis dahin werde die WIR auch weiterhin von sich hören lassen. Nur nicht mehr in den städtischen Gremien.

Was als Initiative begann, die die Sonderabfallverbrennungsanlage SAVA in der ursprünglich geplanten Form nicht akzeptieren wollte, habe sich aus der anfänglichen Zählgemeinschaft mit der SPD seit 1994 zur eigenständigen Fraktion entwickelt, resümierte Schwonberg. "Ich denke, wir haben einiges bewegt." Die SAVA wurde kleiner gebaut, Kohlekraftwerke verhindert, und sogar Atomkraft sei - zwar ohne eigenes Zutun - ein Auslaufmodell. Entscheidungen der Verwaltung fielen für den Bürger seit Jahren transparenter aus und die Verkehrspolitik habe zunehmend die Radler in Brunsbüttel im Fokus. "Wir haben über die Jahre hartnäckig unseren Kurs durchgehalten", freute sich Hans Jürgen Brütt. Er ist neben Schwonberg, dessen Stellvertreter im WIR-Vorstand Bernd Brandt, Sprecher Gerd Striebinger und Peter Westphal-Nagel Mitglied der Ratsfraktion. Bürgerliches Mitglied im Bildungsausschuss ist zudem die ebenfalls im Vorstand bestätigte Kassenwartin Ute Brandt. Die stellte fest: "Im Bereich Bildung haben wir uns gut gemacht." Und insgesamt habe die WIR gezeigt, so Bernd Brandt in seinem Fazit, "mit den Brunsbüttelern kann man nicht alles machen". Vervollständigt wird die Mannschaft durch Antje Groth als bürgerliches Mitglied im Sozialausschuss.

"Ein bisschen Wehmut ist dabei", kommentierte Gerd Striebinger den beabsichtigten Rückzug aus der aktiven Stadtpolitik, "aber auch viel Zufriedenheit".

Obwohl die WIR mit gerade mal 16 Mitgliedern eine überschaubare Schar ist, kann sie auf eine gute Kassenlage zurückblicken. Davon sollen jetzt auf Beschluss in der Hauptversammlung Einrichtungen in der Stadt profitieren. Dem Förderverein vom Südseitentreff sollen 5000 Euro zufließen, den Unterstützern des Ganztagsangebots der Boy-Lornsen-Schule und des Förderzentrums je 3000 Euro sowie etwa die gleiche Summe der Grundschule West für eine seit längerem gewünschte Kletterwand.

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