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Wilsters Zukunft bis 2025: 170 Einwohner mehr

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Allerdings nur wenig öffentliches Interesse an Daseinsvorsorge

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2014 | 14:14 Uhr

Kreisweit ist Wilster der einzige grüne Fleck auf einer Karte mit den Einwohnerprognosen der Städte und Ämter bis zum Jahre 2025. Während rundherum mit sinkenden Einwohnerzahlen gerechnet wird, erwarten die Stadtplaner und Forscher aus den Büros Gewos sowie Gertz, Gutsche & Rümenapp in Hamburg nur für die Stadt Wilster eine leicht positive Entwicklung. Das geht aus dem Endbericht für das „Zukunftskonzept Daseinsvorsorge Wilster und Wilstermarsch“ hervor, den die Stadtplaner Dr.-Ing. Jens Martin Gutsche und Stefan Lehnert im Amt Wilstermarsch vorlegten. Diese öffentliche Bürgeranhörung fand jedoch nur ein geringes Interesse in der Bevölkerung. Neben den Rats- und Ausschussmitgliedern konnte Bürgermeister Walter Schulz nur eine Handvoll Einwohner begrüßen.

Das Konzept zielt darauf ab, es als Zukunftsprogramm Wilstermarsch zu einem dynamischen Instrument der Regionalentwicklung zu machen. Bestandteile sind dabei ein regionales Einzelhandelskonzept, ein Wohnungsmarktkonzept sowie vorbereitende Untersuchungen für die Innenstadt von Wilster.
In der Einwohnerentwicklung wird für Wilster bis 2025 ein Zuwachs um rund 170 auf knapp 4500 Einwohner erwartet, vorrangig von Senioren ab 65 Jahren. Vor diesem Hintergrund treten die Entwicklungsplaner für verstärkte Bemühungen ein, Kinder und Jugendliche mit ihren Familien in der Region zu halten und für Senioren den Wunsch nach kleinen Wohnungen um 50 Quadratmeter zu erfüllen. Zentrale Themen der Daseinsvorsorge sind nach Meinung der Fachleute die ärztliche Grundversorgung und in diesem Zusammenhang die Einrichtung eines Ärztehauses in Wilster, eine Strategiediskussion im ÖPNV-Zweckverband sowie im Breitband-Zweckverband.


Seniorengerechtes Wohnen nicht nur in Wilster


Gemeinsame Entwicklungsziele der Stadt Wilster und der Wilstermarsch sind der Erhalt der Schulstandorte in Stadt und Land, das Sport- und Bildungszentrum in Wilster zu einer Einrichtung mit überregionalem Ruf zu entwickeln, eine gute Kinderbetreuung werktags aufzubauen und mehr Ehrenamtliche in die Kinder- und Jugendbetreuung einzubinden. Bei einem steigenden Anteil an älteren und allein lebenden Menschen regen die Fachleute an, den Neubaubedarf für seniorengerechte Wohnungen gezielt zur Ortsentwicklung zu nutzen. Das seniorengerechte Wohnen solle sich nicht auf Wilster beschränken, sondern auch für St. Margarethen, Wewelsfleth, Beidenfleth und Brokdorf geprüft werden.

Umfassend sind die Vorschläge für Investitionsprojekte: der Ausbau von Wilstermarsch-Stadion und Sportplatz Büttel zu einem Sportpark Wilstermarsch, Verlagerung des Jugendzentrums in den Schulbereich, eine Neugestaltung des Schulhofs der Gemeinschaftsschule, eine Modernisierung des Freibads in Brokdorf, die Erweiterung der Kita Schwalbennest sowie die Sanierung der Schleuse Kasenort im Rahmen des Hochwasserschutzes, der barrierefreie Umbau des Marktplatzes in Wilster sowie ein Überdenken der Verkehrsführung in die Innenstadt, damit diese nicht vom WEZ am Steindamm abgehängt werde.

Die Sicherung der Daseinsvorsorge, so sagte Jens-Martin Gutsche, sei ein dauerhafter Prozess. Daher komme der Lenkungsgruppe aus Vertretern der Umlandgemeinden, der Stadt und der Amtsverwaltung eine organisatorisch wichtige Aufgabe zu. Begleitende Netzwerke sollen sich um die Themen Immobilien, flächendeckende Betreuungsangebote für Senioren sowie die familienfreundliche Wilstermarsch kümmern.

Das Wohnungsmarktkonzept, das Stefan Lehnert beleuchtete, weist gegenwärtig einen Angebotsüberhang von fünf Prozent aus. Schon ab 2017 erwartet er ein Umschwenken auf einen Nachfrageüberhang an Wohnungen. Bis zum Jahr 2025 machte Lehnert einen Neubaubedarf von 140 Wohnungen in Wilster aus, vor allem an kleineren Wohnungen. In seinem Bericht listete er Stärken und Schwächen für Wilster und die Wilstermarsch auf.

„Vor dem Hintergrund des prognostizierten Bevölkerungs- und Haushaltsrückgangs in der Wilstermarsch und des Alterungsprozesses der Bevölkerung stehen Wilster und die Umlandgemeinden vor großen Herausforderungen“, trug Stefan Lehnert vor. Die Neubautätigkeit sollte auf die Ortskerne abzielen. Er empfahl eine Modernisierung und Aufwertung der Wohnstandorte, eine bauliche Aufwertung des Altbaubestandes und dabei auch die Umsetzung eines Thermografieprojektes, um die Energetik der Gebäude zu verbessern.

Nach dem einstündigen Vortrag der beiden Fachleute kam es nicht zu der erwarteten Aussprache mit den Bürgern. So schloss Bürgermeister Schulz den Abend mit dem Wunsch, „dass für die Bevölkerung etwas Gutes dabei herauskommt“.

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