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Naturschutz : Wilster wird die Krähen nicht los

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mehr als 1000 Vögel bevölkern das Stadtgebiet: Das Landesamt lehnt eine flächendeckende Vergrämung strikt ab. Ausnahme vielleicht am Schulzentrum.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2015 | 12:42 Uhr

Die Stadt Wilster hat den Kampf gegen nervige Krähenkolonien wohl endgültig verloren. Das jedenfalls befürchtet Bürgermeister Walter Schulz und präsentiert ein aktuelles Schreiben aus dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Auf sechs Seiten wird darin ausführlich begründet, warum die Stadt mit ihrem Wunsch, die ungeliebten Vögel zu verjagen, ins Leere läuft. Eine Genehmigung für Vergrämungsmaßnahmen im gesamten Stadtgebiet, so heißt es dort, sei nicht möglich. Ohnehin, so heißt es aus der Landesbehörde weiter, würden großflächige Störungsmaßnahmen nicht weiterhelfen. Die Krähen würden in diesem Fall nur noch länger brüten und sich über einen größeren Bereich im Stadtgebiet aufteilen.

Auf die klare Absage reagiert Walter Schulz enttäuscht. Schließlich hatte er die obere Naturschutzbehörde in den vergangenen Jahren wiederholt – auch auf mehreren Ortsterminen – auf die besondere Situation im Stadtgebiet hingewiesen. „Ich kann das gut verstehen, wenn Anlieger nicht begeistert sind“, weiß Schulz auch aus eigener Beobachtung, dass es viele Wilsteraner gibt, die ihre Nachbarschaft mit Schwärmen von Krähen teilen müssen. Grob hochgerechnet schätzt der Bürgermeister, dass zu den gut 4500 im Stadtgebiet lebenden Menschen mindestens 1000 Krähen kommen. Er habe persönlich eine Zählung der Nester vorgenommen. 360 Stück waren es am Ende. Vor allem im Bereich des Schulzentrums, im Stadtpark und im Bürgermeistergarten fühlt sich das unter Schutz stehende Federvieh offenbar pudelwohl.

Die Zahl wird auch vom Landesamt bestätigt. In dem unserer Zeitung vorliegenden Schreiben ist von zuletzt 350 Paaren die Rede, die sich auf Bäumen im Stadtgebiet häuslich eingerichtet hatten. Drei Jahre zuvor seien es noch 322 Paare gewesen. Rechnet man bei jedem Paar mit Nachwuchs von durchschnittlich zwei kleinen Krähen kommt man tatsächlich auf eine Population von weit über 1000 Vögeln.

„Ein Abschuss von Altvögeln oder das Durchschießen von Nestern ist nicht genehmigungsfähig“, betont das Landesamt und macht damit unmissverständlich klar, dass rabiate Maßnahmen gegen Krähenbefall nicht in Frage kommen. „Die Stadt und die Verwaltung haben damit also keinerlei Handhabe“, bedauert Walter Schulz, der sich von betroffenen Einwohnern immer wieder Kritik anhören muss. Augenzwinkernd fügt er allerdings hinzu: „Was ein Privatmann unternimmt, haben wir natürlich nicht zu verantworten.“ Schulz weiß, dass im Bereich von Krähenbäumen immer wieder mal ein lauter Knall zu hören ist. Den Verursacher habe er allerdings nie ausfindig machen können.

Wer in Privatinitiative gegen Krähen vorgeht, kommt allerdings auch mit dem Gesetz in Konflikt. Nach der Bundesartenschutzverordnung von 1980 ist die Krähe auch in Schleswig-Holstein ganzjährig geschützt.

Theoretisch, so lässt die Naturschutzbehörde den Bürgermeister wissen, seien Vergrämungsaktionen aber möglich. So könne man im Herbst alte Krähennester aus den Bäumen nehmen, Nistbereiche aussägen oder natürliche Feinde wie einen von einem Falkner kontrollierten Habicht herbeischaffen. Oder man setzt Schreckschusspistolen ein. Generell hätten solche Maßnahmen aber nur dann nachhaltigen Erfolg, wenn sie konzentriert stattfänden und die Krähen in andere Bereiche ausweichen können. Eine Genehmigung für das gesamte Stadtgebiet sei vor diesem Hintergrund „aber nicht zielführend“.

Immerhin: Für den Bereich des Schulzentrum als „besonders betroffenen Bereich“ stellt die Behörde eine Vergrämungserlaubnis wenigstens „in Aussicht“.

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