zur Navigation springen

Stromtrasse Suedlink : Wilster – Nabel der Energiewende

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die geplante Stromtrasse Suedlink startet am Umspannwerk Wilster – von dort soll sauberer Strom in den Süden fließen. Baubeginn ist voraussichtlich im Jahr 2020.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2014 | 08:17 Uhr

Es gibt viele Knotenpunkte für die Verteilung des Stroms in Deutschland. „Aber Wilster ist sicher ein wichtiger Punkt für die Energiewende in Deutschland“, versichert Alexander Greß, Sprecher des Netzbetreibers Tennet. Kein Wunder, dass die Stadt in der Marsch derzeit immer wieder in den Medien auftaucht. Suedlink – die geplante Trasse, um den Strom, vor allem aus regenerativer Energie, vom Norden in den Süden zu bringen, beginnt in Wilster und führt von dort bis nach Grafenrheinfeld (Bayern). Genauer gesagt ist der Startpunkt allerdings am Umspannwerk Wilster mit Standort in der Gemeinde Nortorf.

Grund dafür ist die Auslastung der Leitungen. „Damit möglichst wenig Verlust entsteht, muss das Gleichstrom-Netz möglichst unter Volllast betrieben werden“, erklärt Greß. Das kann nur gewährleistet werden, wenn verschiedene Energiequellen zur Verfügung stehen. Bei Flaute kann dann auch auf den Strom zurückgegriffen werden, der von anderen Anlagen oder durch Sonnenenergie produziert wird. Und: Über die Leitung Nordlink kann auch Strom aus Norwegen eingespeist und so nach Süddeutschland transportiert werden. Nordlink soll über ein Seekabel Strom aus Skandinavien nördlich von Büsum an die Nordseeküste bringen und von dort weiter westlich von Meldorf bis in das Umspannwerk Büttel.

Doch noch stecken die gesamten Planungen in den Kinderschuhen. Und zurzeit stockt der Prozess. Denn nachdem Tennet Mittwoch in Berlin den Trassenverlauf für Suedlink präsentiert hat, kam aus Bayern das Veto. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte postwendend ein Stopp des Ausbaus gefordert. „Wir gehen davon aus, dass es in wenigen Wochen weitergehen kann“, sagt Alexander Greß, der die Situation bisher als „noch nicht zeitkritisch“ bezeichnet.

Eine direkte Konsequenz gibt es allerdings bereits: Erste Informationsveranstaltungen sind abgesagt worden (wir berichteten). Ursprünglich hatte Montag in Wilster die Auftaktveranstaltung, kurz darauf ein so genannter Marktplatz stattfinden sollen. „Wir hatten die Befürchtung, dass zum jetzigen Zeitpunkt nur über den Grundsatz diskutiert würde, ob es überhaupt eine Trasse gibt“, berichtet der Tennet-Sprecher über den Hintergrund. Eigentlich wollte der Netzbetreiber aber schon über die konkreten Planungen sprechen und dabei Bürgermeister, Verwaltungen, Verbände, aber auch die Bürger beteiligen. „Wir verstecken uns jetzt aber nicht, wir bleiben im Dialog“, verspricht Greß. Die Termine seien ohnehin geblockt und die Tennet-Mitarbeiter stünden für Treffen zur Verfügung, wenn das gewünscht sein sollte.

Überhaupt bemüht sich das Unternehmen um eine große Transparenz. Mit Thomas Wagner steht laut der Internetseite von Tennet (www.tennet.de) ein Ansprechpartner zur Verfügung, der allen Interessen aufnehmen und sammeln soll. „Das Projekt SuedLink befindet sich aktuell in der Vorbereitungsphase, in der mögliche Trassenkorridore für das anschließende Planungs- und Genehmigungsverfahren ermittelt werden. Ihre Meinung ist uns wichtig!“, heißt es im Internet. Auch über Trassenkorridore könne man bei den Infoveranstaltungen sprechen. Auch sei es vorstellbar, dass sich Arbeitsgruppen gründen, dort, wo es Bedürfnisse gebe.

Allerdings mit Einschränkungen. Denn nachdem im Untersuchungsrahmen ein zwölf Kilometer breiter Korridor zugrunde gelegt worden war, ist die Trassenplanung jetzt auf einen Kilometer reduziert worden. Dabei wurden beispielsweise bereits Siedlungen und Naturschutzbereiche berücksichtigt, erklärt Alexander Greß. Die jetzt vorgestellte Trasse sei so angelegt, dass sie aus technischen und planerischen Vorgaben durchgehen könne.

Jetzt gilt es erst einmal die politischen Diskussionen abzuwarten, bevor weitere Schritte gemacht werden. Dann folgt die Beteiligung der Öffentlichkeit. Im nächsten Jahr soll die Bundesfachplanung folgen, das Raumordnungsverfahren, und ab 2018/19 schließlich das Planfeststellungsverfahren. Baubeginn, so Alexander Greß, könnte dann etwa 2020 sein. Schon zwei Jahre später – wenn sechs Atomkraftwerke in Bayern und Baden-Württemberg abgeschaltet werden sollen – soll der Strom von Nord nach Süd fließen. So sieht die bisherige Planung von Tennet aus.

Die Trasse soll sich an bisherigen Leitungen orientieren, um eine zusätzliche und neue Belastung möglichst zu vermeiden. „Wir haben die Vorgabe, dass wir uns an der bestehenden Infrastruktur orientieren.“ Die Angst von gigantischen Riesenmasten sieht Alexander Greß als unbegründet. „Die neuen Masten werden rund 70 Meter hoch. Die Masten der 380-Kv-Leitung im Kreis Steinburg seien auch jetzt bereits 60 bis 70 Meter hoch“, erklärt der Tennet-Sprecher. Auch zunehmende Geräuschpegel seien nicht zu erwarten. Denn die Technik habe sich entwickelt, und die modernen Leitungen seien nicht mit denen von vor 30 Jahren zu vergleichen. Bauarbeiten sind auch noch direkt am Umspannwerk in Nortorf nötig. Dort muss für Suedlink eine Konverterhalle entstehen. Aber auch das wird erst mit dem Baubeginn für die Trasse zusammenfallen.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen