zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 06:55 Uhr

Flüchtlinge : Willkommen auf dem Dorf

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Herzhorner kümmern sich um syrische Flüchtlingsfamilie / Zakia und Ahmad Eibisch fühlen sich mit ihren Kindern gut aufgehoben

shz.de von
erstellt am 05.Jan.2016 | 17:02 Uhr

Klaus Fox (65) wurde unfreiwillig zum Helfer. Inzwischen ist es für ihn „toll“. Der Herzhorner betreut eine syrische Flüchtlingsfamilie und das gerne. Darum gebeten hatte ihn Bürgermeister Wolfgang Glißmann, der beruflich sehr eingespannt ist. „Ich habe mich gefreut, als er mich darum bat“, gibt der stellvertretende Bürgermeister zu.

Klaus Fox kaufte beim örtlichen Bäcker Brot und Salz. „Es ist offensichtlich ein internationaler Willkommensgruß“, sagt Fox. So ausgerüstet, klingelte er bei den neuen Herzhornern und wurde freundlich hereingebeten. „Wir konnten gar nicht miteinander sprechen“, sagt der 65-Jährige zu den Verständigungsproblemen. Trotzdem tranken sie gemütlich zusammen Kaffee. Der Anfang einer Freundschaft.

Am nächsten Tag fuhr Fox zur Glückstädter Integrationsbeauftragten Katharina Schmidt, die ihm die Dolmetscherin Nisreen Younis empfahl. „Sie ist nächsten Tag gekommen.“ Und sie half ein weiteres mal. Als Klaus Fox vom Amt erfuhr, dass es sich „strikt weigert“ da Geld bereitzustellen, mochte er sie nicht mehr anrufen.

Er machte weiter ohne Hilfe. Mit den Eltern und dem sechsjährigen Mahmod ging er zur Schule, um den Kleinen anzumelden. Hilfe gab es dort von einer Drittklässlerin, die kurdisch spricht. Spontan ging Fox deshalb zu ihrer Mutter Sevim Akpinar. Die 28-jährige Herzhornerin übersetzt seitdem – ehrenamtlich und gerne. Hilfe bekam er inzwischen zudem von Vertretern des MTV Herzhorn, der Kirche und dem DRK. „Wenn ich nicht kann, fahren sie mit der Familie zum Einkaufen.“ Bisher hatte der Rentner die Zeit, zweimal in der Woche mit Zakia (25) und Ahmad Eibisch (29) sowie den Söhnen Mahmod und Hesin (5) zum Einkaufen zur Tafel und zum Discounter nach Glückstadt zu fahren.

Hilfe hat die Familie auch von den Nachbarn Ines und Gordon Ferkinghoff. Sie übt mit den Syrern deutsch, er hilft bei anderen Dingen. Zakia Eibisch – sie ist in Syrien zwölf Jahre zur Schule gegangen, kann inzwischen einiges auf deutsch sagen. Sie übt das lateinische Alphabet und die Zahlen. „Sie lernt schneller als ich“, sagt ihr Ehemann – ein gelernter Schneider – auf kurdisch.

Bei Kaffee, Tee und Keksen erzählen sie in ihrer neuen Wohnung von ihrer Flucht. Sevim Akipinar übersetzt. Die Familie kommt aus Aleppo und flüchtete, als ein Onkel von einer Bombe zerfetzt wurde. Ahmad Eibisch zeigt Splitter, die ihn ins Bein getroffen haben. Fast neun Monate verbrachten sie in der Türkei, bis sie sich auf den Weg nach Deutschland machten.

Sie flohen über das Wasser in einem Boot und kamen zunächst nach Griechenland. Sie liefen viel, schliefen auf dem Erdboden. „Es war nass und kalt“, erinnert sich Zakia Eibisch. „Ich habe Angst gehabt.“ Auch weil die Kinder krank wurden. Sie kamen letztlich auf ihrer langen, strapaziösen Reise über Serbien und Ungarn nach Oldenburg in die dortige Landesunterkunft. Dort kam der kleine Sohn gleich in ein Krankenhaus. Dann wurde die Familie dem Amt Horst-Herzhorn zugeteilt. Mitarbeiter des Amtes brachten sie schließlich nach Herzhorn.

Da die Familie schneller unabhängig werden kann, bemühen sich die Herzhorner jetzt darum, Fahrräder für sie zu organisieren. Wobei es zurzeit schwierig ist, Räder für die Kinder zu bekommen. Wer welche spenden möchte, kann sich an Klaus Fox oder Gordon Ferkinghoff wenden. Mahmod wird ab Morgen erst einmal mit dem Bus fahren, denn er besucht zunächst die Grundschule in Glückstadt, wo eine Klasse eingerichtet ist für Kinder, die noch kein Deutsch sprechen. Hesin wird ab nächster Woche Dienstag den Kindergarten besuchen.

Ihre Mutter Zakia Eibisch ist überwältigt von der ganzen Hilfe: „Es ist richtig schön. Auch weil wir Deutsch lernen können.“ Und wenn sie möchte, können sie , ihr Mann und die Kinder beim MTV Herzhorn Sport treiben. Das wurde ihnen vom Verein angeboten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen