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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2017 | 03:27 Uhr

Diego Naser : Wiedersehen in der Elbphilharmonie

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Sieben Jahre hat Diego Naser am Kulturhof Itzehoe das Jugendorchester Störphonie betreut – inzwischen macht der Musiker international Karriere.

Den kenn' ich doch! Der Besucher der Elbphilharmonie reibt sich die Augen. Dort unten bei den Violinen des West Eastern Divan Orchestra sitzt doch Diego Naser. „Diego“, wie ihn in Itzehoe alle Jugendlichen und Erwachsenen genannt haben, die sich für klassische Musik interessieren. Naser, der heute da unten unter dem Dirigat des Weltstars Daniel Barenboim bei „Don Quixotte“ von Richard Strauss mitspielt, hatte bis 2013 in Itzehoe seine musikalischen Spuren hinterlassen. In seinen sieben Itzehoer Jahren hatte er am Kulturhof das Jugendorchester Störphonie gegründet, das er schnell zu überregionalem Ruhm entwickelte.

Neben den begeisternden Auftritten in Itzehoe – meist im Kulturhof oder im Theater – erinnert sich der Konzertbesucher an unvergessliche Konzerte der Störphonie in der Hamburger Laeiszhalle. Über ein Konzert schrieb unsere Zeitung: „Inspiriert wird das Orchester von seinem charismatischen Jung-Dirigenten Diego Naser, einem Ausdruckstänzer auf dem Pult, dessen Dynamik nicht nur sein Orchester, sondern auch das Publikum mitreißt.“

Die Leistungen des Uruguayers in der holsteinischen Provinz wurden vielfach gewürdigt. Der Itzehoer Rotary Club verlieh ihm 2011 den Dr. Kurt-Nölke-Preis und zeichnete ihn als Ausnahmeerscheinung aus, die mit Kraft, Ideen, Motivation und Können junge Menschen für die Kultur begeistert habe. Und nun geigt er da unten in der Elbphilharmonie vor fast 2500 Zuhörern, einem Sehnsuchtsort für jeden Klassik-Liebhaber. In einem weltweit bekannten Orchester.

Dank Internet gibt es eine schnelle Verabredung: nach dem Konzert am Künstlerausgang der Elbphilharmonie. Die Wiedersehensfreude auf beiden Seiten ist groß: Diego Naser erinnert sich gern an Itzehoe. Aus Wien, nach Berlin der übernächste Auftrittsort von Barenboims Orchester, schreibt er in seiner typischen Art: „Schleswig-Holstein ist immer noch eine musikalische Heimat für mich, meine Dankbarkeit und die Verbundenheit sind für die Ewigkeit.“

Seine Geschichte nach 2013 ist schnell erzählt – wenn man die Stationen des Dirigenten, Instrumentalsolisten und Musiklehrers knapp zusammenrafft. Zunächst, also noch 2013, folgte er dem Ruf an das Jugendorchester in Montevideo, später wurde Diego Naser Mitglied im West Eastern Divan Orchestra von Daniel Barenboim. Seither entwickelte sich der Gründer der Störphonie zu einem musikalischen Weltreisenden, der vor allem in Lateinamerika, Mittelamerika und in Europa nicht nur Jugendorchester, sondern mittlerweile vor allem Profiorchester dirigiert.

Als Gastprofessor kooperiert er mit Universitäten in Spanien, Mexiko, Chile und Argentinien. 2016 leitete er seine erste Opernproduktion („Telemacho“ von Ferran Sor) und in diesem Jahr ist der 35-Jährige Vater geworden. Sein Sohn heißt Lorenzo. Bei dieser Karriere ist die 2013 vielfach geäußerte Hoffnung auf ein Wiedersehen-Konzert mit der Störphonie gering, aber nicht hoffnungslos, wie der immer optimistische Maestro betont.

Ein Satz über den Künstler Diego Naser hat bereits einen Großteil seiner prophetischen Kraft erfüllt. Zu seinem Abschied von der Störphonie vor vier Jahren schrieb diese Zeitung: „Wenn er irgendwann berühmt ist, können wir sagen: Den hatten wir hier bei uns am Kulturhof.“

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