Rasant : Wiederaufbau in acht Monaten

Das Einräumen läuft: Für Maschinenbau-Student Alexander Kentrup (r.) ist die Planung der Fabrik das Thema seiner Bachelor-Arbeit – und Firmenchef Lutz Bitomsky ist mit dem Ablauf sehr zufrieden.
Das Einräumen läuft: Für Maschinenbau-Student Alexander Kentrup (r.) ist die Planung der Fabrik das Thema seiner Bachelor-Arbeit – und Firmenchef Lutz Bitomsky ist mit dem Ablauf sehr zufrieden.

Am 25. April brannte die Produktion der Walter Otto Müller GmbH ab – jetzt ist das Unternehmen zurück in der Zusestraße.

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20. Dezember 2014, 07:00 Uhr

Der 20. Dezember war das Ziel. Ein sehr ambitioniertes, und es wurde mehr als erreicht. „Joh“, sagt Lutz Bitomsky und zuckt mit den Schultern. Die Verwaltung seiner Walter Otto Müller GmbH kehrte als Erstes zurück in die Zusestraße. „Mit der Fertigung ziehen wir jetzt ein und werden damit auch diese Woche fertig“, sagt der Geschäftsführer.

Nicht einmal acht Monate sind vergangen seit dem Brand am 25. April, der die Produktionshalle des Unternehmens vernichtet hatte. Ein Versehen beim Umfüllen von Ethanol hatte ihn ausgelöst. Zunächst hatten Gutachter das Wort, der Umgang mit dem Schaden war zu klären, der bei 7,5 Millionen Euro liegt. Dann erst wurde aufgeräumt, der Wiederaufbau startete – und dauerte nur gut fünf Monate. Der ursprüngliche Plan sei von Mitte März ausgegangen, so Bitomsky. Doch die Firmen hätten gut gearbeitet, teils in zwei Schichten, das Wetter habe mitgespielt, und der Bauherr sei „nicht immer einfach“ gewesen. Nicht frei von Stolz stellt er fest: „Wir haben das Ganze rasend schnell umgesetzt“, auch dank sehr zügiger Arbeit der Stadt bei der Genehmigung.

Frontplatten, Gehäuse, Schilder und andere Teile stellt das Unternehmen her, bietet Mechanik, Galvanik, Beschichtung und Beschriftung aus einer Hand. Aber nur bis zum Brand. Fräsmaschinen hatte der Betrieb schnell wieder und kam damit bei der Borba GmbH unter, die auch Auszubildende übernahm (wir berichteten). Die Verwaltung fand Unterkunft in der Kaiserstraße, bei der Firma Templin wurden Filme für Druckerzeugnisse belichtet, schildert Bitomsky dankbar. Lackiert wird heute noch bei einer Kieler Firma, Ende Januar wieder in der Zusestraße. Galvanik-Arbeiten fanden sogar im Bayrischen Wald statt, denn für ihre speziellen Anforderungen und die Produktionsmengen brauchte die Walter Otto Müller GmbH spezielle Partner. Über Jahrzehnte habe sich der Betrieb eine Nische geschaffen und wolle dort bleiben, sagt der Chef. „Masse ist mir völlig gleichgültig. Mich interessiert nur Klasse, mich interessiert nur Qualität.“ Für den „großen logistischen Aufwand“ wurde ein Fahrzeug angeschafft – mit ihm soll nun ein Lieferservice angeboten werden.

Nicht die einzige Neuerung als Folge der Not. Die Galvanik wird voll automatisiert und zehn Mal so groß, dafür ist die Halle 13 Meter länger als vorher und bietet nun 3500 Quadratmeter Produktionsfläche. Mitarbeiter wurden fortgebildet, mit Präzisionsarbeit will Bitomsky diesen Bereich erweitern, auch als Lohnbetrieb für andere Firmen. Dieser Zweig soll ab Mitte Februar laufen, die Produktion in anderen Bereichen startet im Januar. Mit der Auftragslage ist der 50-Jährige zufrieden: „Wenn ich überlege, wo wir herkommen, ist die Situation ausgesprochen gut.“ Kundenzufriedenheit sei das größte Ziel gewesen. Viele blieben, andere müssten wieder erobert werden – „das wird auch gelingen“. 80 Prozent des Umsatzes von vorher seien erreicht, voller Zuversicht schaue er auf 2015.

Den gut 50 Angestellten sei in dieser Zeit viel abgefordert worden inklusive Drei-Schicht-Betrieb an sieben Tagen in der Woche, sagt Bitomsky. Jetzt ziehen sie voller Elan wieder ein: „Man merkt sehr deutlich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter froh sind, wieder hier zu sein.“ Dass das Team zusammengewachsen sei, habe auch die Weihnachtsfeier gezeigt, jeder habe seine eigene Geschichte zu erzählen. Denn: „Einige haben sich über Wochen, teilweise Monate nicht gesehen.“

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